Wirkungslose Tabletten als echte Medikamente verkaufen? Online passiert das leicht. Das Hauptzollamt und das Regierungspräsidium Karlsruhe klären auf.
Hinter manch einem Online-Shop auf Social Media oder sogar einer seriös aussehenden Apotheken-Webseite verstecken sich Hersteller, die gefälschte Arzneimittel als angeblich wirksame Medikamente verkaufen. Aber auch scheinbar unbedenkliche Nahrungsmittel wie Honig werden mit nicht gekennzeichneten Wirkstoffen online verkauft. Die Täuschung ist für die meisten Kunden unmöglich zu erkennen, sagt ein Sprecher des Hauptzollamts Karlsruhe. Dabei können die gesundheitlichen Folgen dramatisch sein.
Vergangenes Jahr hat das Regierungspräsidium Karlsruhe rund 1.700 mutmaßliche Arzneimittel-Sendungen für ganz Baden-Württemberg mit Hilfe der Arzneimitteluntersuchungsstelle im CVUA Karlsruhe (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe) prüfen lassen. Bei etwa 80 Prozent handelte es sich tatsächlich um gefälschte oder illegale Arzneimittel. Der Trend ist steigend.
Welche Folgen haben gefälschte Arzneimittel?
Welche Arzneimittel werden häufig gefälscht?
Wie werden gefälschte Arzneimittel verkauft?
Wie kann ich Fälschungen erkennen?
Wie kann ich online sicher Medikamente kaufen?
"Es fängt ganz trivial damit an, dass ich Geld ausgebe für etwas, das keine Wirkung hat", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die gesundheitlichen Folgen seien dramatischer: beispielsweise, wenn ein Mensch mit Herzproblemen regelmäßig ein Medikament ohne Wirkstoff einnimmt, weil es im Online-Shop scheinbar günstiger angeboten wurde. Weil die Zusammensetzung gefälschter Arzneimittel häufig nicht nachvollziehbar sei, könne es aber auch zu einer Überdosierung einzelner Inhaltsstoffe kommen.
Oder es ist halt irgendetwas zusammengepanscht und man hat unter Umständen dann einfach Giftstoffe, dass man mehr oder weniger schleichend vergiftet wird.
Besonders gefälschte Potenz-, Muskelaufbau- oder Abnehmpräparate seien auf dem Markt, die teilweise von Influencern auf Social Media beworben werden, so Corinna Weinbrecht vom Regierungspräsidum Karlsruhe. Aber auch lebenswichtige Medikamente gegen Krebs oder für zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck blieben nicht von Fälschungen verschont, betont Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Der Fantasie der Fälscher scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein," so Grieble.
Häufig werden die scheinbar echten und günstigeren Arzneimittel in Internet- oder via Social-Media-Shops verkauft. Nach Angaben der Verbraucherzentrale gelten manche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel, die im Ausland frei gehandelt werden können, in Deutschland als Arzneimittel, für die es Beschränkungen gibt. Manche sind in Deutschland auch gar nicht zugelassen.
Es gibt auch Fälle, in denen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln die Internetadresse von nicht mehr existierenden Arztpraxen oder Apotheken übernehmen, um dort ihre Produkte zu verkaufen. Die Webseiten sehen täuschend echt aus, der Online-Shop könne dann den Anschein erwecken, er würde von einer realen Apotheke betrieben. Die Verbraucherzentrale hat deshalb einige Fake-Online-Shops auf ihrer Webseite zusammengefasst.
Hat es das gefälschte Arzneimittel bis in die Hände eines Kunden geschafft, ist es fast unmöglich, die Fälschung vom Original zu unterscheiden. Die Verpackung sehe täuschend echt aus, erklärt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Wer in Europa online Arzneimittel verkaufen darf, muss ein Sicherheitslogo auf seiner Webseite führen: ein weißes Kreuz auf grünem Grund. Im Fall deutscher Arzneimittelhändler öffnet ein Klick auf dieses Logo das Versandhandels-Register des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und bestätigt, dass der betreffende Händler Arzneimittel legal verkaufen darf. Von anderen Online-Shops sollten Kunden laut Regierungspräsidium Karlsruhe lieber Abstand halten.