Im fünften Finale bei Favorit Bayern München liegt Alba zur Halbzeit mit 20 Punkten zurück. Es folgt ein Comeback für die Ewigkeit, das diese Berliner Saison perfekt zusammenfasst.
Alba Berlin hatte vor dieser Saison 22 nationale und einen internationalen Titel gewonnen, einige davon waren erwartbar, andere überraschend. Eine Sensation wie jene, die dem Team im Finale gegen den großen Rivalen FC Bayern am Sonntag gelungen ist, hat es in 35 Jahren Vereinsgeschichte aber noch nicht gegeben.
Durch das 84:81 im fünften Spiel in München ist Alba Deutscher Meister. Zahlen werden der Größe dieser Errungenschaft aber nicht gerecht. Die Berliner haben in dieser Saison viele Hindernisse auf ihrem Weg vorgefunden, sie wackelten zwischenzeitlich, haben aber nie aufgegeben.
Das Finale war ein Spiegelbild dessen. In Spiel vier wirkte Alba bei zehn Punkten Rückstand bereits sportlich tot, drehte das Spiel in der brütend heißen Max-Schmeling-Halle aber noch. Am Sonntag sah es zwischenzeitlich noch schlimmer aus. Nach gutem Start gelang den Berlinern offensiv minutenlang gar nichts mehr, zur Halbzeit dachten die Münchner bei 20-Punkten-Vorsprung wahrscheinlich schon an die Meisterfeier.
Doch Alba gab sich nicht auf, die Mannschaft kämpfte, traf und brachte die viel erfahrenen Bayern mit ihren Welt- und Europameistern zu Fall. Es waren Minuten für die Ewigkeit. Kapitän Jonas Mattisseck verteidigte wie immer exzellent, versenkte aber auch sechs von sieben Dreiern. Sein Kumpel Malte Delow erzielte beim großen Comeback ebenfalls wichtige Punkte. Justin Bean war überall und wurde verdientermaßen als bester Spieler der Finalserie ausgezeichnet.
Albas größte Stärke war im Moment des Triumphs auf dem Meisterfoto verewigt. Mattisseck stand nicht allein in erster Reihe, sondern hob den Pokal gemeinsam mit Malte Delow und seinem Vorgänger als Kapitän, Martin Hermannsson, in die Höhe. Während die Münchner unter Druck wie eine Ansammlung individuell hochtalentierter Basketballer wirkten, waren die Berliner ein Team, eine verschworene Gemeinschaft.
Das ist auch ein Verdienst von zwei Menschen, die bis vor Kurzem noch Ziel von Kritik waren. Pedro Calles galt in Vechta einst als grandioses Trainertalent, verlor danach aber 15 Play-off-Spiele in Folge. Als auch der Start ins Viertelfinale gegen sein Ex-Team misslang und Alba vor dem frühen Aus stand, gab es in den Sozialen Medien viel Häme für den Trainer.

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Doch Calles hat sich in diesen Wochen nicht nur rehabilitiert, er hat sein Team zu einem der beeindruckendsten Play-off-Runs der jüngeren Vergangenheit gecoacht. Mit einem deutlich verbesserten Auszeitenmanagement und guter Rollenverteilung. Fünf Spiele im Viertelfinale, fünf Spiele im Halbfinale, fünf Spiele im Finale – es war ein Erfolg der Nervenstärke, und der Willenskraft.
Als Gewinner darf sich auch Himar Ojeda fühlen. Nach den mitreißenden Jahren zwischen 2017 und 2022 hatte Albas spanischer Sportdirektor beim Umbruch – unter zugegeben schwierigen finanziellen Bedingungen – oft ein eher unglückliches Händchen bei der Kaderzusammenstellung.
In diesem Jahr gelang auch nicht alles, Stichwort Boogie Ellis oder Martynas Echodas, aber das Gerüst war stabiler, als es bei der Unerfahrenheit der Spieler zu erwarten war. Zudem gelangen Ojeda mit der Rückholaktion von Jack Kayil und der Nachverpflichtung von Michael Rataj zwei Transfercoups, ohne die der Titel nicht denkbar gewesen wäre.
Große Rückschlüsse auf die Zukunft gibt die Meisterschaft allerdings nicht. Mit Kayil wird ein Schlüsselspieler höchstwahrscheinlich in die NBA gehen, auch die meisten anderen Verträge laufen aus. Für die Fans und das Selbstverständnis von Alba Berlin als Klub, der bei allen Herausforderungen immer noch um Titel spielen will, ist dieser Erfolg jedoch Gold wert.