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Infantino gehorcht Trump: Die Fifa verkauft die Idee des Sports

Дата публикации: 06-07-2026 08:49:51

Der US-Präsident ruft an und Infantino gehorcht. Die Begnadigung von Folarin Balogun ist ein Skandal, der zeigt, dass die Fifa Trump selbst die sportliche Integrität ihrer Weltmeisterschaft opfert.

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Es ist rund zehn Monate her, dass Gianni Infantino mal wieder zu Besuch war bei seinem guten Freund Donald Trump. Der Fifa-Chef präsentierte ihm im Oval Office die goldene Siegertrophäe der Fußball-Weltmeisterschaft. Der US-Präsident nahm sie strahlend in die Hände und fragte: „Kann ich sie behalten?“

Knapp zwei Wochen vor dem Finale sieht es aus, als würden Trump und Infantino tatsächlich alles dafür tun, damit der Pokal in den USA verbleibt. Vor dem Achtelfinale des Gastgebers gegen Belgien in der Nacht zu Dienstag (2 Uhr deutscher Zeit) wurde die Sperre gegen US-Torjäger Folarin Balogun zur Bewährung ausgesetzt. Er ist damit spielberechtigt.

Es ist das erste Mal seit 1962, dass ein Spieler bei einer WM nach einer Roten Karte im nächsten Spiel nicht aussetzen muss. Die Umstände sind ähnlich skandalös wie damals, als Brasiliens Verbandschef mithilfe der Politik einen Einsatz von Garrincha im Finale ergaunerte – und zum zweiten Mal Weltmeister wurde.

Bei dieser Weltmeisterschaft mussten sich Zuschauende und Teilnehmer schon mit zahlreichen Unwägbarkeiten abfinden, die an der Integrität dieses Turniers zweifeln lassen. Dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan wurde von den US-Behörden die Einreise verweigert, das iranische Team musste diplomatische Schikanen erdulden, Fans aus mehreren Ländern sind zumindest von den Spielen in den Vereinigten Staaten ausgeschlossen. Dazu absurde Preise und das vielsagende Schweigen der Fifa bei allen kontroversen Themen, wie den Vergewaltigungsvorwürfen gegen teilnehmende Spieler.

Die Begnadigung von Balogun hat allerdings noch einmal eine andere Qualität. Denn das zuvor gerne genutzte Argument, das seien politische Themen, die mit dem Sport direkt gar nichts zu tun hätten, greift hier nicht mehr.

Nach Darstellung des US-Mediums Politico hat Trump mit mehreren Anrufen bei Infantino Druck aufgebaut – und die Fifa-Disziplinarkommission hat mit der Bewährung nach Paragraf 27 ein Schlupfloch gefunden, um die Wünsche des Gastgebers mal wieder zu erfüllen. „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt“, schrieb Trump in seinem Nachrichtendienst „Truth Social“.

ARCHIV - 01.07.2026, USA, Santa Clara: Fußball, Männer, WM 2026, USA - Bosnien-Herzegowina, Finalrunde, Sechzehntelfinale, im San Francisco - Bay Area -Stadion in Santa Clara. Folarin Balogun (USA) reagiert nach seinem Tor zum 1:0. (zu dpa: «Anruf von Trump? FIFA-Kehrtwende bei US-Profi polarisiert») Foto: Julio Cortez/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Folarin Balogun ist der beste Torjäger der USA bei dieser WM.

© dpa/Julio Cortez

Ob die Rote Karte gegen Balogun korrekt oder doch zu hart war, ist allerdings völlig unerheblich. Es war eine Tatsachenentscheidung, die der Schiedsrichter im Verbund mit den Videoassistenten und nach Begutachtung der Wiederholung getroffen hat. Dass eine solche Sanktion nachträglich aufgehoben wird, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall.

Politisch und organisatorisch ist der Weltverband im Rahmen dieser WM schon lange nicht viel mehr als ein Handlanger von Trump, jetzt gilt dies auch sportlich. Wie schwerwiegend dieser Tabubruch ist, zeigt auch, dass sich selbst der glatt gebügelte DFB in Person von Bernd Neuendorf kritisch geäußert hat und um die Integrität des Wettbewerbs sorgt.

Die Trennung von Politik und Sport ist ein Märchen

Die Fifa beruft sich gerne auf ihre politische Neutralität, in ihren Statuten ist diese in Paragraf 4, kurz hinter der Anerkennung der Menschenrechte, zu finden. Dass sich Sport und Politik gänzlich trennen lassen, ist zwar ein Märchen, doch die Vereinnahmung des Fußballs nimmt in den vergangenen Jahren immer absurdere Züge an.

Da ist der Friedenspreis, den die Fifa Trump am Rande der WM-Auslosung überreicht hat, und Infantinos Teilnahme an dessen Friedensrat. Der Weltverband hat sogar ein Büro im Trump-Tower in New York angemietet. Das Heranwanzen an politische Entscheidungsträger beschränkt sich bei Infantino aber nicht nur auf den US-Präsidenten.

Damit untergräbt der Fifa-Präsident nicht nur die eigenen Statuten, sondern auch den Kern des Sports. In seiner Reinform auf dem Bolzplatz ist Fußball Gemeinschaft, Respekt, Fairness. In seiner hyperkommerzialisierten Variante bei der Weltmeisterschaft bleibt mit Machtmenschen wie Trump und Infantino davon nicht mehr viel übrig.

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