Getötete Jugendamtsmitarbeiterin (32) hinterlässt zwei Kinder. Drei Wochen zuvor war auch der Vater der Kinder gestorben. Jetzt sind sie Vollwaisen. Spendenaktion brachte bereits 600.000 Euro
Stade
Eine der sechs Mordoper aus Stade: die 32-jährige Jugendamtsmitarbeiterin hinterlässt zwei Kinder. Besonders tragisch: Der Vater ist ebenfalls tot, starb vor drei Wochen. GoFundMe/privat
Getötete Jugendamtsmitarbeiterin (32) hinterlässt zwei Kinder. Drei Wochen zuvor war auch der Vater der Kinder gestorben. Jetzt sind sie Vollwaisen. Spendenaktion brachte bereits 600.000 Euro
Sie sind erst drei und vier Jahre alt – und müssen nun ohne Mutter und Vater aufwachsen. Nach den tödlichen Schüssen in einem Mutter-Kind-Heim in Stade bleiben zwei kleine Kinder zurück, die innerhalb weniger Wochen beide Eltern verloren haben. Zunächst nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder, 20 Tage später wurde ihre Mutter, eine 32 Jahre alte Mitarbeiterin des Jugendamtes der Region Hannover, getötet. Eine GoFundMe-Spendenaktion soll den Geschwistern zumindest finanziell Sicherheit geben. Bis Freitagmittag sind bereits knapp 600.000 Euro zusammengekommen.
„Es gibt Schicksale, für die es keine Worte gibt“, heißt es in dem Spendenaufruf, der unter der Überschrift „Zwei kleine Herzen brauchen unsere Hilfe“ veröffentlicht wurde. Die Initiatorin Jana Sabo bittet darin um Unterstützung für die Kinder der Getöteten. Die 32-Jährige wird in dem Aufruf als liebevolle Mutter, starke Persönlichkeit und engagierte Jugendamtsmitarbeiterin beschrieben.
Nach MOPO-Informationen arbeitete die Frau beim Jugendamt der Region Hannover und war in Garbsen tätig. Dort wohnte auch der mutmaßliche Täter Fatih Khan G. (45). Nach Angaben des Spendenaufrufs stand für die 32-Jährige beruflich das Wohl von Kindern und Familien im Mittelpunkt. Sie habe sich täglich dafür eingesetzt, „anderen Kindern Sicherheit und Schutz zu geben“.
Die 32-jährige Frau aus Hannover, die beim Blutbad in Stade ums Leben kam, wird als „liebevolle Mutter“ beschrieben, die sich immer vorbildlich für andere eingesetzt habe. GoFundMe/privat
Besonders erschütternd ist die kurze Abfolge der Ereignisse: Am 9. Juni nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder. „Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mama viel zu früh aus dem Leben gerissen“, schreibt die Initiatorin. Auch nach dem Verlust ihres Mannes sei die Mutter stark geblieben und habe „jeden Tag für ihre beiden Kinder“ gekämpft.
Mit der Spendenaktion soll den Kindern ein möglichst sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden. Die Gelder sollen nach Angaben des Aufrufs für Versorgung, Betreuung, Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie für Kosten rund um die Beerdigung und die Folgen des schweren Verlustes verwendet werden.
„Jede noch so kleine Spende ist ein Zeichen der Hoffnung“, heißt es weiter. Die Kinder sollten spüren: „Ihr seid nicht allein.“ Wer nicht spenden könne, werde gebeten, die Aktion zu teilen. Die große Resonanz zeigt, wie sehr das Schicksal der Geschwister viele Menschen bewegt.
Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hannover richtete in Absprache mit der Region ebenfalls ein Spendenkonto für die Soforthilfe ein. Das Ziel sei es, die Betroffenen und ihre Familien schnell und unbürokratisch zu unterstützen, teilte der Kirchenkreis mit.
Vor dem Haus, in dem sich das Mutter-Kind-Heim befindet: Anwohner und Passanten legen Kerzen und Blumen ab. „In stillem Gedenken an die Opfer dieser schrecklichen Tat.“ Olaf Wunder
Die 32-Jährige ist eines von sechs Todesopfern der Gewalttat in Stade. Ein 45 Jahre alter Tatverdächtiger soll im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Baby vier Frauen und zwei Männer erschossen haben. Drei der Opfer arbeiteten in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade, drei weitere waren Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover. Sie sollen sich zu einem sogenannten Hilfeplangespräch vor Ort befunden haben.
Nach der Tat wird auch über den Schutz von Beschäftigten in Jugendämtern und Einrichtungen der Jugendhilfe diskutiert. Gewerkschaftsvertreter verwiesen darauf, dass Fachkräfte bei Konflikten um Sorgerecht oder Kindeswohlgefährdung immer wieder Drohungen, verbale Angriffe und Gewalt erlebten. Die Tat von Stade hat diese Debatte auf dramatische Weise verschärft.
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