Ein langer Trauerzug bewegte sich durch die Straßen von Teheran. Es handelte sich um die Überreste des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei, der vor vier Monaten zu Beginn des Krieges mit Israel und den Vereinigten Staaten getötet wurde. Maneli Mirkhan, Spezialistin für internationale Beziehungen und den Iran sowie Mitbegründerin der überparteilichen Organisation „Dorna“, die sich für einen demokratischen Übergang im Iran einsetzt, analysiert im Gespräch mit Radio Vatikan die Lage.
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Ein langer Trauerzug bewegte sich durch die Straßen von Teheran. Es handelte sich um die Überreste des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei, der vor vier Monaten zu Beginn des Krieges mit Israel und den Vereinigten Staaten getötet wurde. Maneli Mirkhan, Spezialistin für internationale Beziehungen und den Iran sowie Mitbegründerin der überparteilichen Organisation „Dorna“, die sich für einen demokratischen Übergang im Iran einsetzt, analysiert im Gespräch mit Radio Vatikan die Lage.
Xavier Sartre und Mario Galgano - Vatikanstadt
Nachdem Tausende Menschen am Wochenende am Sarg vorbeigezogen waren, enden die Trauerfeierlichkeiten mit der Beisetzung. Die iranische Regierung beabsichtigt, die Beisetzung als Machtdemonstration zu nutzen, während nach 108 Kriegstagen Verhandlungen mit den USA stattfinden. Washington und Teheran haben eine Vereinbarung erzielt, die den Nukleardialog wiederbeleben, die Straße von Hormus öffnen und der iranischen Wirtschaft neue Impulse verleihen soll. Diplomatisch scheint das Regime das Wesentliche gewahrt zu haben.
Zum Nachhören - die Lage im Iran
„Die iranische Bevölkerung ist der Verlierer der Situation“, erklärt Mirkhan. „Diese Bevölkerung lebt seit mehr als 20 Jahren unter den Bedingungen einer Kriegswirtschaft und ist durch einen jahrzehntelangen Kampf gegen das Regime gezeichnet.“ Der internationale Kriegskontext der vergangenen vier Monate habe die Lage verschärft. Die Menschen befänden sich in der Zange zwischen dem äußeren Grenzkonflikt, dem alltäglichen Kampf gegen die staatliche Unterdrückung und gravierenden wirtschaftlichen Bedingungen.
Die wirtschaftliche Lage beschreibt die Expertin als strukturell defizitär. „Die Inflation liegt bei fast 80 Prozent, bei Gütern des täglichen Bedarfs erreicht sie sogar 120 Prozent, während die iranische Währung täglich an Wert verliert.“ Zudem seien durch den Krieg schätzungsweise mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Diese Probleme seien jedoch nicht neu. „Der Iran gehört zu den reichsten Ländern der Welt, wird aber von den Revolutionsgarden beherrscht, die direkt oder indirekt zwischen 60 und 80 Prozent der Wirtschaft kontrollieren.“ Das System sei korrupt und unfähig zur Reform, was sich bereits nach dem Atomabkommen von 2015 gezeigt habe, als trotz aufgehobener Sanktionen die Inflation hoch blieb und der Wirtschaftsaufschwung nur oberflächlich war.
Prozession anlässlich der Beisetzung des Obersten Führers Ali Khamenei am Montag, dem 6. Juli 2026, in Teheran
Hinsichtlich der Verhandlungen zwischen Washington und Teheran verspüre die Bevölkerung Enttäuschung. „Die Menschen fühlen sich benutzt“, so Mirkhan. „Die versprochene Hilfe für die Bevölkerung hat sich durch die Verhandlungen in eine Überlebenshilfe für das Regime verwandelt.“ Besonders besorgniserregend sei ein Punkt im Abkommen, der unter dem Deckmantel der nationalen Souveränität andeute, dass nicht mehr auf die internen Vorgänge im Iran geschaut werde. Während die Gespräche laufen, halte die Repression im Inneren an. „Die Zahl der Hinrichtungen politischer Gefangener, die Schnellverfahren und die Unterdrückung dauern an, und das Internet ist für die Bevölkerung weiterhin nur selektiv zugänglich.“ Es entstehe der Eindruck, dass zugunsten wirtschaftlicher Interessen weggesehen werde. „Wenn gesagt wird, dass das Öl in der Straße von Hormus fließt, fließt gleichzeitig Blut im Iran.“
„Jeder echte Wandel mit relativer Stabilität muss aus dem Inneren des Landes kommen.“
Ein politischer Wandel wird laut Mirkhan von der Gesellschaft stark gefordert, erweist sich jedoch als schwierig, da die iranische Frage durch nukleare und ballistische Aspekte internationalisiert ist. „Jeder echte Wandel mit relativer Stabilität muss aus dem Inneren des Landes kommen“, betont die Analystin. Die Auslandsopposition habe sich als unfähig erwiesen, ein politisches Projekt aufzubauen, doch im Land selbst existiere eine große Bewegung für Veränderung. Es komme nun darauf an, die iranische Gesellschaft wachsam zu unterstützen und den Druck auf das Regime aufrechtzuerhalten.
(vatican news)
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