Ein neuer Großkredit, der mit einem umfassenden Sparpaket verbunden ist: Das kommt auf Galeria zu. Ein Fokus liegt auf dem „deutlich gestrafften Warenhausnetz“, wie es die Zentrale nennt. Was dies für Karstadt in Saarbrücken bedeuten könnte.
Special | Düsseldorf/Saarbrücken · Ein neuer Großkredit, der mit einem umfassenden Sparpaket verbunden ist: Das kommt auf Galeria zu. Ein Fokus liegt auf dem „deutlich gestrafften Warenhausnetz“, wie es die Zentrale nennt. Was dies für Karstadt in Saarbrücken bedeuten könnte.
Mal wieder ein paar Jahre Luft verschafft: So zumindest klingt es in einer Mitteilung der Galeria-Zentrale aus Düsseldorf nach der Einigung auf ein millionenschweres Rettungspaket. Bis 2029 soll die „Transformation“ gesichert sein, wie es darin heißt. Aber die damit verbundene Sanierung werden wohl nicht alle Beschäftigten bis dahin mitmachen können. Denn Schließungen stehen an. Die Saarbrücker Zeitung hat die Konzernspitze gefragt, was das für Karstadt in Saarbrücken bedeutet.
Die neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Das Geld ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Einschnitte vorsieht. Dabei steht eines ganz klar im Vordergrund: Das Unternehmen soll wieder profitabel werden. Und was viele Mitarbeiter treffen könnte: Ein „grundlegend neues Filial- und Sortimentskonzept“ sowie ein „deutlich gestrafftes Warenhaus-Netz“ sind laut Galeria geplant. Oder anders ausgedrückt: „ein deutlich kompakteres Unternehmen mit klarem Standortprofil“. Das bedeutet im Klartext: Das Aus zahlreicher Häuser droht.
Wie viele Filialen weiterbetrieben werden, ist noch offen. Nach Informationen der dpa gelten etwa 30 der 83 Warenhäuser als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich geprüft werden.
Doch was bedeuten die neuen Pläne für Saarbrücken, die letzte Galeria-Bastion im Saarland? Was in Saarbrücken Hoffnung machen dürfte: Nach früheren Angaben soll die Karstadt-Filiale hier zuletzt zu den rentablen Standorten gezählt haben. Dennoch: Eine Bestandsgarantie trotz früherer lukrativer Zahlen gibt die Konzernspitze bisher nicht.
In der Antwort auf SZ-Anfrage heißt es dazu: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch kein fertiges Zielbild der Filialstruktur.“ Jedes Haus werde individuell durchleuchtet. Und auch hier gehe es um den Ausgang der „intensiven Gespräche mit den Vermietern“. Das Ziel: Mietnachlässe durchzusetzen. Im Anschluss daran will sich das Galeria-Management „zeitnah“ äußern. Bis dahin müssen Mitarbeiter auch in der saarländischen Landeshauptstadt um ihren Arbeitsplatz bangen.
Zuletzt war der Umsatz massiv eingebrochen, berichteten Insider. Sogar das eigentlich höchst lukrative Weihnachtsgeschäft habe enttäuscht. Um noch vor der gewünschten Kreditvergabe von 160 Millionen Euro die Notbremse bei den Kosten zu ziehen, fuhr der Betrieb die Warenbestellungen zurück. Erst einmal sollten die Lager geräumt werden. Und um für Kunden zumindest kurzfristig interessanter zu werden, gab es gleich zwei Rabattschlachten mit Nachlässen von zuletzt 50 Prozent.
Galeria strebe an, im kommenden Geschäftsjahr 2026/27 wieder „schwarze Zahlen“ zu schreiben, teilt die Pressestelle nun mit. Im Jahr darauf soll bereits ein dreistelliger Millionenbetrag erwirtschaftet werden. Gleichzeitig stelle sich Galeria organisatorisch neu auf. Dafür sei Geld vorgesehen.
Während Kritiker dem generellen Warenhaus-Konzept als überholtes Modell wenig Zukunftschancen beimessen, geht die Galeria-Geschäftsführung von gänzlich anderen Faktoren aus, die erneut zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führten. Prinzipiell seien dafür das „anhaltend zurückhaltende Konsumklima im stationären Einzelhandel sowie die strukturellen Veränderungen in der Branche“ verantwortlich. Um dennoch gewappnet zu sein, gehe der Konzern jetzt folgende sechs Bereiche im Haus an.
Für den Verkauf verschiedener Sortimente sollen Partner an Land gezogen werden, informiert das Düsseldorfer Unternehmen. Das bedeutet konkret: Einzelne Angebote könnten Fremdfirmen im jeweiligen Geschäft übernehmen. Sie bieten dann auf angemieteten Verkaufsflächen ihre Produkte an, die bisher Galeria noch in Eigenregie vermarktete. In den vergangenen Wochen war in mehreren Medien unter anderem von Spielwaren die Rede, die so in Zukunft von Fremdfirmen in den Galeria-Häusern angeboten werden könnten.
Geschäftsführer Tilo Hellenbock will zudem „Gespräche mit den Vermietern, Politik“ und weiteren Beteiligten führen, um die Reform umzusetzen. Was die Vermieter betrifft, verhandelt der Konzern seit einiger Zeit schon über Nachlässe. Galeria nannte vor kurzem acht Häuser, die dabei zur Disposition stehen könnten – sprich: besonders gefährdet sind, wenn die Verhandlungen mit den Vermietern nicht so verlaufen wie gewünscht. Diese sind:
Galeria besitzt keine Immobilien mehr, ist an allen Standorten Mieter, so auch in Saarbrücken. Verhandlungen über einen günstigeren Mietzins sollen mittlerweile überall angestrebt sein. Allerdings kündigten einige Vermieter an, dies nicht mitmachen zu wollen, zitierte unter anderem das Branchenblatt Lebensmittel-Zeitung Betroffene. Grund dafür seien Nachlässe bereits in den vergangenen Jahren.
Im Raum stehen zudem verkleinerte Verkaufsflächen, um jedes einzelne Warenhaus wirtschaftlich tragfähig auszurichten. Wie viele Filialen letztlich nach diesem Sparpaket überleben werden – das Ergebnis stehe noch aus. Ein Zeitplan sei offen. Dazu heißt es aus der Presseabteilung: „Die genaue Zahl und Zusammensetzung der fortzuführenden Warenhäuser wird sich im Verlauf der Verhandlungen ergeben.“
Die Geschäftsführung versichert, während dieses Prozesses „im engen Austausch mit den Mitarbeitenden sowie der Arbeitnehmervertretung“ zu stehen. Gemeinsam solle dieser umgesetzt werden. Während zuletzt Kollegen kritisierten, dass sie Informationen zur aktuellen Lage ihres Arbeitgebers nur sporadisch und zumeist erst über Medien erfahren, kündigt jetzt ein Pressesprecher an: „Galeria wird die Belegschaft über den Stand fortlaufend informieren und den Prozess mit der gebotenen Sorgfalt begleiten.“
All diese vorgesehenen Veränderungen stehen im Zusammenhang mit dem US-Finanzier Gordon Brothers. Er gewährt Galeria 160 Millionen Euro. Dieses Geld steht aber längst nicht nur Investitionen bereit. So muss damit alte Darlehen abgelöst werden. Damit fallen mehrere Millionen im zweistelligen Bereich schon mal weg.
Galeria betreibt zurzeit noch 83 Häuser in 70 deutschen Städten. An die 12.000 Beschäftigte zählt der Konzern. Schon seit 2019 firmieren die beiden einst eigenständigen Ketten Karstadt und Kaufhof unter dem Namen Galeria. Damals zählte das Unternehmen in Deutschland 180 Standorte. Auf insgesamt mehr als 200 kam es mit den Filialen. 32.000 Menschen waren beschäftigt. Seit 2020 geriet die Gesellschaft dreimal in Insolvenz. Harte Einschnitte folgten jeweils bei Jobs und Filialnetz. Seit Sommer 2024 haben ein US-Investor und ein deutscher Partner das Sagen.