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Rechtsextremismus | Brandanschlag in Cottbus: Verdacht des versuchten Mordes

Дата публикации: 02-07-2026 11:32:00

Eine Synagoge wird mit einem Hakenkreuz beschmiert, alternative Projekte werden attackiert. Nun ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes.

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An der Fassade des Wohnprojekts »Zelle 79« hat ein Brandsatz Spuren hinterlassen.

An der Fassade des Wohnprojekts »Zelle 79« hat ein Brandsatz Spuren hinterlassen.

Foto: Frank Hammerschmidt/dpa

Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in Cottbus ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die Polizei gehe davon aus, dass die zwei Tatverdächtigen aus dem rechtsextremen Spektrum stammten, sagte ein Sprecher. 2025 war es bereits zu mehreren Angriffen mit Pyrotechnik auf das Wohnprojekt »Zelle 79« gekommen.

»Ich schlief bereits fest, als mich ein Knall weckte. In Sekunden war ich am Fenster«, teilt Fabi Buchholz von »Zelle 79« mit. »Dort rief ich den zwei Angreifern zu, sie sollen verschwinden, und habe die Kamera auf sie gerichtet. Sie schrien zurück, dass wir runterkommen sollen. Danach und damit im vollen Wissen darüber, dass Menschen im Haus sind, haben sie die Brandsätze geworfen.«

Die Polizeibeamten wurden in der Nacht zum Donnerstag alarmiert. Unbekannte haben mehrere Flaschen gegen die Fassade des Hauses geworfen, die mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllt waren, heißt es von der Polizei. Die Beamten konnten einen kleinen Brand nahe dem Wohnprojekt löschen. Verletzt wurde niemand.

»Aufgrund der Tatsache, dass sich zur Tatzeit Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes, vorbehaltlich der konkreten Bewertung der Staatsanwaltschaft«, so die Polizei selbst. Da es sich um ein alternatives Szeneobjekt handele, habe der Staatsschutz eine Ermittlungsgruppe mit der Mordkommission gebildet. Der Schutz des Hauses werde verstärkt.

Nach ersten Zeugenaussagen wurden den Ermittlern zufolge zwei Männer bei der Tat beobachtet, die etwa 15 bis 20 Jahre alt und schwarz gekleidet gewesen sein sollen. Einer habe eine Tätowierung am linken Unterarm und eine schwarz-weiß-rote Sturmhaube getragen, ein anderer ein Langarm-Shirt mit weißem Aufdruck auf der Brust.

»Aufgrund der Tatsache, dass sich zur Tatzeit Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes.«

Polizei Brandenburg

Der Brandanschlag ereignete sich während der Christopher-Street-Day-Aktionswochen in Cottbus. Laut Mitteilung von »Zelle 79« hingen am Haus ein CSD-Plakat und eine Regenbogenflagge. »Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus. Es wird wieder einmal deutlich, mit welchem Selbstbewusstsein und mit welcher Skrupellosigkeit die rechte Szene in Cottbus agiert«, sagt Lukas Pellio von der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg. Die Initiative hatte sich angesichts zunehmender rechter Anschläge in der Niederlausitz im vergangenen Jahr gegründet.

Die Stadt Cottbus gilt als ein Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Brandenburg. Im Frühjahr war ein schwarzes Hakenkreuz an die Synagoge in der Fußgängerzone der Stadt geschmiert worden. In den Flur eines anderen alternativen Wohnprojekts wurde eine Leuchtfackel geworfen. Es gab Drohungen unter anderem an der Wohnung eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Ende April hatten mehrere Hundert Menschen in Cottbus gegen rechte Gewalt demonstriert.

»Um engagierte Menschen zu schützen und zu stärken, braucht es langfristiges und konsequentes Handeln der Kommunal- und Landespolitik«, sagt Lukas Pellio. »Die Justiz muss endlich den gefühlten Zustand der Straflosigkeit für rechte Gewalttäter beenden und rechte Gewalt prioritär behandeln.« Außerdem sei Cottbus sei ein Hotspot rechter Gewalt und brauche daher einen eigenen Standort des Vereins Opferperspektive, der Betroffene rechter Gewalt berät.

Das findet auch DGB-Regionsgeschäftsführer Matthias Loehr. Er bemerkt: »Ein Angriff auf queeres und alternatives Leben ist ein An-griff auf die Freiheit und Würde uns aller.«

Mit Blick auf einen zweiten Brandanschlag in der selben Nacht auf das Kulturprojekt »Chekov«, erklärt Brandenburg Innenminister Jan Redmann (CDU), dass ihn beide Anschläge »wütend« machen. »Wer Molotow-Cocktails schmeißt, nimmt Opfer in Kauf. Das macht mich fassungslos«, sagt Redmann. Die Sicherheitsmaßnahmen seien nun erhöht worden, die Polizei habe ihre Präsenz im Stadtgebiet erhöht Aktionswochen verstärkt.

»Es reicht nicht mehr, schockiert und entsetzt auf Cottbus zu blicken«, meint die Grünen-Landesvorsitzende Juliana Meyer. »Die Ermittlungen müssen schnell und konsequent geführt werden«, fordert sie. Zugleich brauche es eine aufsuchende und langfristige Sozialarbeit, »die junge Menschen aus rechtsextremen Strukturen herausholt und Radikalisierung frühzeitig stoppt«.

Fabi Buchholz von »Zelle 79« teilt mit: »Wir bleiben hier und wenden uns sichtbar und stark gegen rechte Einschüchterungsversuche. Gemeinsam mit vielen Menschen werden wir am 11. Juli zum CSD in Cottbus auf die Straße gehen und zeigen, dass sich queeres und alternatives Leben in Cottbus nicht vertreiben lässt.« Mit dpa

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