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Weil zu wenig Eltern an Befragungen teilnahmen, will Hamburgs Schulinspektion künftig darauf verzichten. Die Elternkammer findet das undemokratisch.
Zu viele Köche? Hamburger Eltern wolle nicht nur in der Schulküche dabei sein, sondern auch bei der Schulinspektion
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In Hamburgs Schulbehörde läuft gerade die Vorbereitung für die neuen Besuche der Schulinspektion. Wie die Hamburger Elternkammer bekanntgab, fällt bei der „Pilotierung“ dieses vierten Durchlaufs erstmals die Elternbefragung weg. Die Kammer-Vorsitzende Simone Kohl ist darüber empört. „Wer Schulqualität bewerten will, kann die Perspektive der Eltern nicht einfach streichen“, sagt sie.
Bei früheren Runden der 2007 eingeführten Schulinspektion hatte das städtische Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) Eltern Fragen gestellt, die ihnen schon auf der Seele liegen können. Etwa, ob die Schule die Eltern gut informiert, ob die Lehrkräfte respektvoll mit dem Kind umgehen, ob ihr Kind die nötige Förderung erhält, um die Lerninhalte zu verstehen. Anonym, also ohne Angst, dumm aufzufallen, konnten die Eltern dazu auf einer Skala ankreuzen, ob dies „voll“, „eher“, „eher nicht“ oder „nicht“ zutrifft. Um viele Familien zu erreichen, gab es die Fragen in 13 Sprachen.
In der Regel wurden nach so einer Inspektion Ziele festgesetzt und bei der nächsten nach vier Jahren geschaut, was sich verändert hat. Neben den Eltern wurden auch die Lehrkräfte und die Schüler befragt.
Doch in diesem März, als erste Schulen den vierten Zyklus schon mal probten, erreichte die Elternkammer die Kunde, dass nur noch die „schulischen Akteure“ befragt werden, also Kinder, pädagogisches Personal und Leitungsteams. Das sei „aus Sicht der Elternkammer weder sachgerecht noch akzeptabel“, heißt es in einem Beschluss der Kammer vom 24. März. Sie forderte, die Eltern weiter paritätisch an allen „Feedbackprozessen“ der Schulinspektion zu beteiligen. „Wir Eltern sind nicht nur zum Kuchenbacken da“, sagt Kammer-Vorständin Nadine El Allawy-Scherres zur taz.
Doch nach einem Gespräch mit einer Vertreterin der Behörde Ende Mai war der Konflikt nicht beigelegt. Die Behördenseite begründete den Schritt mit zu geringer Beteiligung bei der Elternbefragung. Die Rede ist von durchschnittlich 30 statt erforderlicher 50 Prozent. Doch das überzeugt die Elternkammer nicht. Besonders ärgerlich findet Hamburgs Elternvertretung, dass sie vor dieser Entscheidung nicht informiert wurde und davon per Zufall erfuhr. „Das ist keine Weiterentwicklung der Schulinspektion, sondern ein Abbau von Beteiligung“, sagt Simone Kohl.
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Nur wenn wir Eltern auch befragt werden, sind wir Teil des Ergebnisses
Nadine El-Allawy-Scherres, Vorsitzende der Hamburger Elternkammer
Die Sprecherin der Schulbehörde Claudia Pittelkow erklärt zu den Vorwürfen, man wolle nicht grundsätzlich die Elternperspektive ausschließen. Es sei nur „nicht zielführend“, an Beteiligungsformaten festzuhalten, die sich als weitgehend wirkungslos erwiesen hätten. Denn bisherige Rücklaufquoten der Befragungen seien zu gering, um daraus tragfähige Ergebnisse abzuleiten. Die Behörde habe einiges versucht, um die Rücklaufquote zu erhöhen, wie die Übersetzung des Fragebogens in 13 Sprachen und Tipps für Schulleitungen. Dennoch habe man keine ausreichende Datengrundlage erreichen können.
„Es stimmt nicht, dass die Eltern nicht mehr systematisch beteiligt werden“, schreibt Pittelkow. Der Behörde sei Elternpartizipation wichtig. „Deshalb wird gerade pilotiert, dass Eltern der Schulkonferenz an einem Workshop-artigen Rückmeldeformat mit der Schulinspektion teilnehmen und so sichergestellt wird, dass alle Perspektiven bei der Weiterarbeit mit den Ergebnissen einbezogen werden“. Auch stehe den Schulen künftig ein Fragebogen in 13 Sprachen für die interne Evaluation zur Verfügung, bei dem Schulen selber und „bedarfsorientiert“ entscheiden, wann sie eine Befragung durchführen.
Die Elternkammer stellt das nicht zufrieden. „Stellt man die Befragung den Schulen frei, hängt dies vom Goodwill der Schulleitung ab“, sagt Nadine El-Allawy-Scherres. „Das ist uns zu ungewiss.“ Eine Workshop-artige Vorstellung der Ergebnisse sei kein Ersatz. „Nur wenn wir Eltern auch befragt werden, sind wir Teil des Ergebnisses.“
Statt die Befragung zu kippen, sollte die Behörde mit der Kammer überlegen, wie sich die Beteiligung verbessern ließe. „Es gibt Schulen, da klappt das gut, da beteiligen sich über 50 Prozent“, berichtet Kammer-Frau El-Allawy-Scherres. „Doch auch wenn sich 300 von 900 Eltern beteiligen, hat das, was die sagen, doch eine Aussagekraft.“
Die Linke Schulpolitikerin Sabine Ritter hat nun eine Kleine Anfrage zu „Elternbeteiligung bei der Schulinspektion“ eingereicht. Die müsse regelhaft und selbstverständlich gewährleistet sein, findet sie. „Alles andere wäre mit dem Leitbild einer partizipativen und demokratischen Schule nicht vereinbar“, sagt Ritter.
Auch ihre Kollegin Birgit Stöver von der CDU sagt: „Ich habe Sorge, dass Eltern weniger beteiligt werden“. Eine mangelnde Teilnahme an bisherigen Fragebögen sei kein Argument. Es reiche nicht, die Schüler zu fragen. „Zu wissen, was zu Hause bei den Eltern ankommt, ist eine wichtige Rückmeldung für die Schulqualität.“
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