Ralf Kellermann startet als neuer Sportdirektor der BVB-Fußballerinnen - inklusive Interessenkonflikt. Seine Erwartungen an das neue Team sind hoch.
Ralf Kellermann startet als neuer Sportdirektor der BVB-Fußballerinnen - inklusive Interessenkonflikt. Seine Erwartungen an das neue Team sind hoch.
In der Minute, als Svenja Schlenker die Nummer von Ralf Kellermann wählte, um auszuloten, ob der wohl profundeste Kenner des Frauenfußballs in Deutschland bereit war, ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit bei Borussia Dortmund zu führen, hatte der 57-Jährige gerade mit einem Klub aus dem Ausland über das identische Thema gesprochen.
Kellermann, der den VfL Wolfsburg als Trainer und später Sportdirektor zu einer festen europäischen Größe entwickelt hatte, trug seit längerem die Frage in sich, ob er „bis zur Rente in Wolfsburg bleiben“, oder doch noch mal etwas anderes machen wollte. So stieß die Leiterin der Frauen-Sparte und BVB-Geschäftsführerin am anderen Ende der Leitung bei ihrer ersten Kontaktaufnahme auf offene Ohren.
Aus der grundsätzlichen Offenheit für das Hören der Pläne bei Borussia Dortmund wurde bei Kellermann dann ganz schnell großes Interesse nach mehr Details. Und lange bevor feststand, ob die BVB-Frauen in die 2. Bundesliga aufsteigen oder ein weiteres Regionalliga-Jahr spielen müssen, sagte der gebürtige Duisburger „Ja“ zu einer Veränderung, die für ein Beben im deutschen Frauenfußball sorgte.
Am 1. Juli hat Kellermann nach 18 Jahren in der VW-Stadt offiziell sein BVB-Büro bezogen und das neue Amt angetreten. Parallel zur noch laufenden Tätigkeit in Wolfsburg glühten aber schon vorher die Drähte nach Dortmund. Er war eingebunden in die personellen Planungen der Borussia, er war auch eingebunden in die Tiefen-Analyse der vergangenen Saison. Aus den Erkenntnissen heraus entstand schnell der Plan, einer weitgehend schon zweitligareifen Mannschaft bestimmte Charaktere und Profile zuzuführen, die die größtmögliche Wahrscheinlichkeit für den Aufstieg dann im kommenden Sommer bieten können. Und weil er bei seiner Zusage überzeugt vom Weg des BVB war, unabhängig von der Ligenzugehörigkeit, erwartete Kellermann dies auch bei allen Spielerinnen, mit denen der Klubüber einen Wechsel Gespräche führte.
Wolfsburg und Dortmund trennen noch Welten im Frauenfußball, seine Arbeitsweise aber, sagt Kellermann, werde sich kaum unterscheiden. „Ich werde nah dran sein an der Mannschaft, werde einen intensiven Austausch mit Spielerinnen und dem Trainerteam pflegen.“ Der Trainingsplatz und die -inhalte, auch die Aufstellung, da will sich der ehemalige Trainer freilich nicht einmischen. „Was auf dem Platz passiert, ist Sache des Trainerteams. Da werde ich mich komplett heraushalten.“ Kellermann will aber Einschätzungen abgeben, „wenn ich danach gefragt werde. Und diesen Austausch hat es bislang immer gegeben.“
Für den BVB war die Schaffung eines Sportdirektoren-Postens am Ende auch eine logische Konsequenz auf dem Weg der weiteren Professionalisierung. In der vergangenen Saison arbeitete Trainer Markus Högner quasi in einer Doppelrolle. „Das hat auch gut funktioniert, aber wir haben auch gesehen, wie herausfordernd das ist“, sagt Schlenker. Mit Kellermann sollen sich gerade im Hinblick auf den weiteren Weg in Richtung Erstklassigkeit weitere Türen öffnen und neue Quellen erschließen.
Nach rund einer Woche im Amt ist Kellermann angetan von der Kraft und Dynamik, die in einem Großverein wie Borussia Dortmund zu spüren sei, vor allem aber auch vom Enthusiasmus der Mitarbeiter. „Ganz viele brennen für den BVB, sie tun alles, damit wir möglichst professionell arbeiten und unsere Ziele erreichen können.“ Eine Einstellung ganz nach seinem Geschmack: „Für mich zählt nur Vollgas!“
Das soll künftig auch auf dem Platz gelten, wo es auch bei deutlichen Spielverläufen „kein Nachlassen“ geben solle. „Allein, weil die Fans, die ins Stadion kommen, das verdient haben.“ Kellermann hat klare Erwartungen an den prominent zusammengestellten Kader, der, da will er gar nicht widersprechen, mindestens gehobenes Zweitliga-Format besitzt und eigentlich ungebremst durch die Regionalliga marschieren müsste. Die Qualität sei so hoch, dass „es nur ein Ziel gibt“. Für alle anderen Eventualitäten habe man Spielerinnen verpflichtet, „die mit solchen Drucksituationen umgehen können.“
Und auch wenn Ralf Kellermann gerne seine Einschätzungen zu möglichen BVB-Neuzugängen gab und Kontakte knüpfte, wenn dies gewünscht war: Aus der Vorbereitung des Dortmunder Königstransfers hielt er sich bewusst komplett heraus. Denn dass Alexandra Popp mit Borussia Dortmund verhandelte und letztlich auch unterschrieb, sorgte intern für einen Interessenkonflikt beim Noch-Angestellten der Wölfe. Es kam sogar zu der skurrilen Situation, dass Kellermann noch die Gespräche über eine mögliche Verlängerung in Wolfsburg mit Popp führte. Einer der wenigen Fälle, in denen seine Argumente erfolglos blieben.
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