Dissoziale, antisoziale und psychopathische Menschen gibt es in der Psychologie, böse Menschen nicht: Der Psychiater Bastian Willenborg zeigt uns die Grenze zwischen Moral und seiner Wissenschaft und erklärt das Prinzip des moral disengagement.
Dissoziale, antisoziale und psychopathische Menschen gibt es in der Psychologie, böse Menschen nicht: Der Psychiater Bastian Willenborg zeigt uns die Grenze zwischen Moral und seiner Wissenschaft und erklärt das Prinzip des moral disengagement.
Wenn wir Menschen und ihr Verhalten als böse wahrnehmen, kann aus psychologischer Sicht eine antisoziale Persönlichkeitsstörung die Ursache sein. Als Psychiater sagt Bastian Willenbor es so: "Das sind dissoziale Menschen oder Menschen mit psychopathischen Merkmalen."
"Die Kategorie böser Mensch, findet man in der Klassifikation von Krankheiten nicht, aber es gibt diese Bereiche: dissoziale, antisoziale, psychopathische Menschen."
Bastian Willenborg, Psychiater
Häufig wird "böse" als Charaktereigenschaft im Zusammenhang mit Kriminalität verwendet, für Drogenhändler, Gewaltverbrecher und in abgeschwächter Form beispielsweise für Diebe.
"Kriminalität ist keine Diagnose", sagt Bastian Willenborg. Es mag in der Psyche des Täters eine Ursache liegen, eine Kausalität zwischen Tat und psychischer Erkrankung gebe es aber grundsätzlich nicht.
"Es ist nicht so, dass Krankheit Kriminalität erklärt oder Kriminalität Krankheit, das muss man trennen."
Bastian Willenborg, Psychiater
"Es gibt psychische Erkrankungen wie zum Beispiel die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von kriminellem Verhalten assoziiert ist, aber das erklärt sich nicht gegenseitig", sagt Bastian Willenborg.
Ein erklärendes Konzept aus der Psychologie ist moral disengagement. Der Begriff beschreibt die folgende Beobachtung: Menschen deuten ihr eigenes unethisches Verhalten um und erklären es aus unterschiedlichen Gründen für akzeptabel. Sie normalisieren ihr eigenes schlechtes Verhalten. Gründe können sein:
"Wenn man wirklich eine schwere antisoziale Persönlichkeitsstörung hat und diesen Mangel an Empathie und ähnlichen Dingen? Das ist nicht gut behandelbar."
Bastian Willenborg, Psychiater
Man könne mit diesen Menschen über die Konsequenzen des eigenen Verhaltens sprechen und darauf blicken, was das denn für das eigene Leben und das Leben der anderen bedeutet.
Es könne auch helfen, Ziele zu definieren: nicht ins Gefängnis zu müssen, keine Strafe zu zahlen oder überhaupt noch in Kontakt mit anderen Menschen zu bleiben. Denn ein Medikament gegen diese Formen der antisozialen Persönlichkeitsstörung gibt es nicht, sagt Bastian Willenborg.
© Wolfgang Stahr
Bastian Willenborg, Facharzt für psychosomatische Meidzin, Psychiatrie und PsychotherapieUnser Bild zeigt eine Szene aus dem Film "Eyes Wide Shut" des britisch-amerikanischen Regisseurs Stanley Kubick.
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