Zu den internationalen Acts der Kulturreihe im Burgtheater gehören Maxïmo Park mit Retro-Show. Über den Spielort wissen sie „noch nichts“.
Kein Zweifel: Die mittleren 2000er gehörten in der Populärmusik dem tanzbaren Indie-Rock. Dieser kam fast ausschließlich aus Großbritannien – sofern die Bands nicht die sieben Buchstaben „Strokes“ oder „Killers“ im Namen trugen. Zu den erfolgreichsten Gruppen ihrer Art, die den tanzbaren New Wave der späten 70er- und 80er-Jahre modernisierten, gehörten Maxïmo Park aus Newcastle. Mit Songs wie „Apply Some Pressure“, „Going Missing“ und insbesondere dem Radiohit „Books from Boxes“ erspielten sich Sänger Paul Smith und seine Kollegen auch in Deutschland eine zuverlässige Fangemeinde. Erst im vergangenen März füllten knapp 2500 Menschen das Kölner E-Werk, als die Nordengländer etwas verspätet zur 20-Jahre-Jubiläumstour ihres 2005er-Debütalbums „A Certain Trigger“ luden. Dieses erreichte in der Heimat Platin-Status.
Der hohen Nachfrage geschuldet, legen Smith & Co. im Sommer noch einmal Termine in Deutschland nach, abseits der großen Metropolen. Am 23. August verschlägt es Maxïmo Park im Rahmen der Sommerkultur-Reihe ins Burgtheater Dinslaken. „Über den Ort weiß ich wirklich gar nichts“, gibt der passionierte Hut-Träger im Gespräch zu. Charmant legt er aber direkt nach: „Ich liebe es, in fremden Ländern die kleineren Städte mal zu besuchen. Meistens sind wir ja nur in den Millionenstädten. Oftmals haben kleinere Orte einen ganz besonderen Charme. Wenn ich höre, dass wir da jetzt in einer alten Burg spielen, freue ich mich da schon besonders drauf.“
Wieder steht laut Ankündigung „A Certain Trigger“ im Mittelpunkt der Setlist. Die Kritik, dass bei Maxïmo Park (wie auch bei fast allen anderen Bands der 2000er-Indie-Ära) nur ältere Songs das Publikum locken, kontert er entspannt: „Ganz klar: Wir bedienen den Markt. Und es ist so auch natürlich entspannter für uns aus finanzieller Sicht. Gerade in Zeiten des Brexits, wo sich in den vergangenen Jahren wirklich nichts zum Positiven verändert hat. Die Nachfrage nach Konzerten mit diesen Songs ist eben einfach höher. Wir mussten die Köln-Show im März ja sogar hochverlegen, um der Nachfrage gerecht zu werden.“
Ein wenig Frust über den Status quo kann Smith aber nicht ganz von sich weisen: „Ich persönlich frage mich, warum die Promoter wie auch die Fans nicht die gleiche Aufmerksamkeit in ein Album wie ‚Nature Always Wins‘ (Album von 2021, d. Red.) stecken. Ich finde die Songs darauf nicht schlechter als die von ‚A Certain Trigger‘. Da dürften ihm viele Fans und Kritiker widersprechen. Stolz ist der Frontmann auf sein ältestes Werk aber immer noch: „Es ist schön zu sehen, dass dieses Album so vielen Menschen etwas bedeutet. Und dass wir immer noch da sind und diese Songs spielen können. Es gibt gar nicht so viele Bands, die 15 oder gar 20 Jahre überleben.“
Maxïmo Park hingegen existieren nun schon seit 2003 als Kerntrio, das Gitarrist Duncan Lloyd und Schlagzeuger Tom English vervollständigen. Zuletzt erschien das Album „Stream of Life“ im September 2024. Nach absolvierter Tournee wird sich Smith aber erstmal wieder anderen Aktivitäten widmen, wie er verrät: „Ich bin gerade kurz davor, mein nächstes Soloalbum fertigzustellen. Das wird eher ein reduziertes Singer-Songwriter-Pop-Album.“ Es wird seine fünfte Soloplatte, der Nachfolger zu „Diagrams“ (2018). Eine Veröffentlichung noch in diesem Kalenderjahr sei möglich.
Eines kann der 47-Jährige für die nahe Zukunft aber ausschließen: eine weitere 20-Jahre-Retro-Tour mit dem 2007 veröffentlichten zweiten Album „Our Earthly Pleasures“, das mit „Books from Boxes“ den in Deutschland populärsten Song der Band enthält. „Es ist immer schön zu sehen, wie ihr Deutschen euch über ‚Books from Boxes‘ freut. Das Lied trifft bei euch anscheinend echt einen ganz besonderen Nerv“, weiß Smith. Aber: „Eine 20-Jahre-Tour mit ‚Our Earthly Pleasures‘ wird es nicht geben. Zumindest nicht 2027. Wir wollen ja nicht immer nur in Nostalgie baden.“ Da müssen 90 Minuten in Dinslaken im Sommer 2026 vorerst genügen.
23.8., 20 Uhr, Freilichtbühne Burgtheater. Karten bei freier Platzwahl gibt es für ca. 51 Euro.
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