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"Wie eine Familie": So erlebt die 15-jährige Lara den Alltag in einer Heim-WG

Дата публикации: 06-07-2026 12:24:22

Familiäre Krisen, Sucht oder Gewalt - wenn Minderjährige nicht Zuhause leben können, helfen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Die 15-jährige Lara lebt in einer Heim-WG in Ulm.
 

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Laut Statistischem Bundesamt waren 2024 über 220.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland außerhalb ihrer Familien untergebracht. Zwei Drittel von ihnen in Heimen. Auch die Angebote der Ulmer Kinder- und Jugendhilfe werden stark nachgefragt. Die 15-jährige Lara (*Name geändert) hat in der betreuten Wohngruppe des Vereins Oberlin in Ulm ein Zuhause gefunden.

Leben in der Heim-WG: Gruppenabende und Ausflüge in den Sommerferien

Nachmittags bei der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Oberlin in Ulm - in der WG, in der Lara lebt, ist es noch ruhig, manche sind unterwegs. Das wird sich gegen Abend ändern: "Also, wir kochen abends. Gegen 19 Uhr gibt es ein Essen. Bei denjenigen, die nicht essen wollen oder krank sind, kann man das Essen auch nach oben bringen. Wir haben auch Gruppenabende, da ist es so, dass alle wirklich auch dabei sein müssen. Dann werden halt Dinge besprochen, wie zum Beispiel Ausflüge, weil wir nämlich bald auch einen Ausflug nach Dänemark machen, in den Sommerferien", erzählt Lara stolz.  

Zusammen am Tisch - Lara, 15, (*Name geändertlinks im Bild) in der Heim-WG. Hier hat sie ein neues Zuhause gefunden.

Nicht immer läuft es in Familien rund. Die 15-jährige Lara (*Name geändert/links im Bild) hat in der Heim-WG des Vereins Oberlin in Ulm ein neues Zuhause gefunden. Hier sitzt sie am Tisch mit dem Betreuungsteam. SWR Katja Stolle-Kranz

Lara hat in der Wohngruppe nach einer familiären schwierigen Situation ein Zuhause gefunden. Schon im Säuglingsalter wurde sie in eine Pflegefamilie gegeben, wuchs schließlich bei den Großeltern auf. Die WG mit der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen gibt ihr nun Halt: "Es ist schon wie eine Familie, weil man wächst halt schon zusammen." Vor allem sei es praktisch, dass jederzeit jemand da sei: "Jeder hilft jedem, wenn er Zeit hat. Natürlich gehört Streit dazu - aber Konflikte werden in der Regel gemeinsam mit den Betreuern geklärt. Manchmal schläft man eine Nacht darüber, am nächsten Tag wird in Ruhe weitergeredet."

Kleine Gruppen und Vertrauen: "Wir sind auf Augenhöhe" 

Meist leben sechs bis sieben minderjährige junge Menschen zusammen in den Jugend-Wohngruppen des Vereins Oberlin in Ulm und in der Umgebung. Die Gruppen werden Tag und Nacht von Betreuer-Teams begleitet. Dazu gehören auch Erzieher wie Christian Knoll, der bei Mineralwasser und Gebäck mit am Tisch sitzt. 

Die gemütliche Ecke in der Heim-WG des Vereins Oberlin in Ulm. Hier wohnen Jugendliche außerhalb ihrer Familien zusammen. Mit den Betreuungs-Teams meistern sie nun gemeinsam den Alltag.

Die gemütliche Ecke in der Heim-WG des Vereins Oberlin in Ulm. Hier wohnen Jugendliche außerhalb ihrer Familien zusammen. Mit den Betreuer-Teams meistern sie nun gemeinsam den Alltag. SWR Katja Stolle-Kranz

Die WG sei für die Jugendlichen in erster Linie ein Ort des Vertrauens, erzählt Christian Knoll. Sich auf Augenhöhe zu begegnen, sei das Wichtigste: "Natürlich, wir haben eine Aktenlage. Wir wissen, wer da auf uns zukommt, zumindest was das Jugendamt oder andere vorher involvierten Institutionen aufgeschrieben haben. Das Wichtigste ist aber, da überhaupt nicht voreingenommen zu sein, sondern ich lerne die Leute kennen, jeder wird genommen, wie er ist. Die Entwicklung, die kommt von den Jugendlichen selbst. Wir können da nur unterstützen."

Es ist schon wie eine Familie, weil man wächst halt schon zusammen.

Unterstützt wird bei Problemen in der Schule, im Haushalt, in der Freizeit und auch bei Bewerbungen. Lara macht bald eine Lehre bei einer Baufirma.

Ein eingespieltes Team - auch kochen und einkaufen ist angesagt, wenn sich der 18-jährige Ukrainer Kyril (Mitte) mit dem Betreuungs-Team vom Zentrum guterhirte trifft.

Ein eingespieltes Team - auch kochen und einkaufen ist angesagt, wenn sich der 18-jährige Ukrainer Kyril (Mitte) mit dem Betreuer-Team vom "Zentrum guterhirte" trifft. SWR Katja Stolle-Kranz

Geflüchtet vor Krieg - Kyril bekommt Hilfe im Guten Hirten

Szenenwechsel zum "Zentrum guterhirte" in Ulm. Im Gemeinschaftsraum mit Küche unterhält sich Kyril aus der Ukraine mit seinem Betreuer Gianluca Garofalo von den Ambulanten Erziehungsdiensten. Seit Kyril 2024 vor dem Krieg in der Ukraine flüchtete, sind sie ein Duo. Damals zieht der Minderjährige hier in eine betreute WG: "Ich bin hier aufgefangen worden, ja, ich fühle mich angekommen", sagt der heute 18-Jährige, der mit dem Bus vor den Bomben floh, jetzt ohne seine Mutter in Ulm ist.

"Wir haben inzwischen viele minderjährige Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien oder aus der Ukraine begleitet", berichtet Garofalo. Da ging es erstmal um ein Ankommen in der Fremde, Hilfe bei Alltäglichem, dem Erlernen der Sprache - ist ja alles komplett neu."

Eigenes Reich - in kleinen Appartements leben junge Menschen im Zentrum guterhirte in Ulm im sogenannten verselbständigten Wohnen. Eine "Probe", bevor sie in eine eigene Wohnung ziehen.

Ein eigenes Reich - in kleinen Appartements leben junge Menschen im "Zentrum guterhirte" in Ulm im sogenannten verselbständigten Wohnen. Eine "Probe", bevor sie in eine eigene Wohnung ziehen. Zentrum Guter Hirte/ Jessica Dietz

Familien können auch zu Hause unterstützt werden

Kyril wohnt jetzt schon in einer privaten Wohngemeinschaft, das Team vom "Zentrum guterhirte" begleitet ihn aber noch, solange er Hilfe braucht: "Klar, ich bin da, wenn er anruft. Wir treffen uns unter der Woche, machen was zusammen, einkaufen, kochen", so Garofalo. Kyril hat Pläne: "Ich will mein Abi machen."

Alle stationären Angebote im "Zentrum guterhirte" sind traumapädagogisch ausgerichtet. Wie beim Verein Oberlin in Ulm können Familien auch daheim unterstützt werden. Beide Häuser arbeiten mit externen Experten zusammen.

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