Schwangere können in Mainz jetzt in einem Geburtshaus entbinden. Hier gibt es keine Ärzte und keine Krankenhausatmosphäre, dafür gemütliche Räume und Hebammen, die sie begleiten.
Luca ist das erste Baby, das im Geburtshaus Kokobelly auf die Welt gekommen ist: am Eröffnungstag, dem 1. Juni um 23:09 Uhr. Der Kleine wog 3.940 Gramm bei seiner Geburt und kam exakt am errechneten Termin. Seitdem sind schon 14 weitere Babys geboren worden.
Für seine Mama ist Luca das erste Kind. Sie sagt, die Geburt bei Kokobelly sei wirklich genau so gewesen, wie sie es sich gewünscht habe.
Die Räume sind gemütlich, als wäre man zuhause. Ein großes Bett, eine Badewanne und gedämpftes Licht. Es ist eine ganz andere Atmosphäre als in einer Klinik.
Die Betreuung war so gut. Die Hebammen waren super rücksichtsvoll und hilfsbereit. Ich würde es auf jeden Fall jederzeit wieder machen.
Nach dem Ankommen habe sie sich in der großen Badewanne gut entspannen, beziehungsweise auf die Geburt vorbereiten können. Ihr Mann sei an ihrer Seite gewesen, nach rund sechs Stunden war Luca auf der Welt.
Danach habe die junge Familie erst mal viel Zeit gehabt, sich kennenzulernen. Eine erste Untersuchung, die U1, gab es vor Ort und dann konnten sie ihr Neugeborenes einpacken und noch in der Nacht mit nach Hause nehmen.
Marietheres Osterholt hat zusammen mit anderen Hebammen das Geburtshaus seit Jahren geplant. Hier werden neben der eigentlichen Entbindung noch viele Dienstleistungen rund um die Schwangerschaft angeboten: von der Vorsorge über Geburtsvorbereitung und Rückbildungskurse.
Das "Haus" ist eigentlich eine Wohnung im Mainzer Stadtteil Hartenberg-Münchfeld, allerdings mehr als 200 Quadratmeter groß. Es gibt einen Gymnastikraum mit verschiedenen Kursangeboten wie Yoga, Platz für Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen, sowie - räumlich getrennt - zwei Geburtszimmer.
So natürlich wie irgendwie möglich zu entbinden - das ist hier für mich am ehesten gewährleistet.
Auch Akupunktur für Schwangere bietet Kokobelly an. Eva Link ist in der 39. Woche schwanger und gerade zur Behandlung da. Auch sie will hier entbinden. Für sie ist eine natürliche Entbindung sehr wichtig und - aus ihrer Sicht - bei Kokobelly am ehesten möglich.
Das Geburtshaus finanziert sich hauptsächlich über die Betriebskostenpauschale der gesetzlichen Krankenkasse, erzählt Hebamme Marietheres Osterholt. 900 Euro würden zusätzlich jeder Frau berechnet für die Rufbereitschaft des Hebammenteams.
Es seien immer zwei Hebammen in ihrer Freizeit bereit zu kommen, wenn bei einer Schwangeren die Geburt einsetzt. Von den dafür berechneten 900 Euro erhielten die Frauen in der Regel 250 Euro oder mehr von ihren Krankenkassen zurück. Wer wenig Geld hat, für den gibt es einen Zuschuss aus einer Stiftung, so Osterholt.
Jede Frau soll es sich leisten können, im Geburtshaus zu entbinden.
Und wenn Mutter oder Kind doch eine Ärztin oder einen Arzt brauchen? Dann ist es zur Mainzer Unimedizin nicht weit. Darauf sind die Hebammen und auch die Unimedizin vorbereitet.
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