Wo eigentlich Wasser sein sollte, ist nur noch trockener Boden. Im Wollmatinger Ried am Bodensee zeigt sich, was Hitze und Trockenheit für Tiere und Pflanzen bedeuten.
Das Wollmatinger Ried in Konstanz wirkt wie eine heile Welt. Zwischen Schilf und Wiesen singen Vögel, Libellen schwirren durch die warme Luft. Doch dieser Eindruck täuscht. Zunehmende Hitzeperioden und ausbleibender Regen wirken sich auf eines der wichtigsten Feuchtgebiete Baden-Württembergs aus. Wo um diese Jahreszeit eigentlich Wasser stehen müsste, herrscht jetzt Trockenheit. Naturschützer von NABU und BUND sehen die Entwicklung mit Sorge.
Für Lisa Maier vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) gehören die Veränderungen längst zum Alltag. Sie betreut das Schutzgebiet und erlebt fast täglich, wie sich die Landschaft verändert. "Die Wassergräben, die Tümpel sind alle trocken. Da würde jetzt Wasser drin stehen. Auch das Schilf steht nicht unter Wasser."
Das Wollmatinger Ried gehört zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Baden-Württembergs. Auf rund 770 Hektar finden sich Schilf, Flachwasserzonen, Feuchtwiesen und kleine Waldstücke. Gerade diese Vielfalt mache das Gebiet so wertvoll, so Lisa Maier.
Dort leben Vogelarten, die in der Stadt längst keinen Lebensraum mehr finden, so Maier. "Im Schilf singen Teichrohrsänger, mit etwas Glück lässt sich sogar ein Pirol hören." Dazu kämen seltene Pflanzen wie Orchideen oder die Sibirische Schwertlilie.
Hier gibt es Vogelarten, die gibt es so in Konstanz in der Stadt eben nicht. Die finden genau hier in diesem Feuchtgebiet ihren Lebensraum.
Was im Wollmatinger Ried zu beobachten ist, zeigt sich inzwischen auch in vielen anderen Feuchtgebieten Baden-Württembergs. Heiße Sommer und längere Trockenphasen setzen Mooren, Rieden und Auen immer stärker zu.
Kai-Steffen Frank vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg beobachtet diese Entwicklung seit Jahren. "Feuchtgebietsschutz ist etwas ganz Wichtiges, gerade in Zeiten, wo es immer trockener wird. Man sieht, dass die Feuchtgebiete immer wieder in den Trockenstress kommen, oberflächlich abtrocknen und es damit auch den Pflanzen und Tieren, die vom Wasser abhängig sind, einfach wirklich zum Teil schlecht geht."
Die Folgen werden schnell sichtbar. Pflanzen vertrocknen, Amphibien verlieren ihre Laichgewässer und Wasservögel finden schlechtere Bedingungen zum Brüten.
Im Wollmatinger Ried wird das besonders deutlich. Viele Vogelarten bauen ihre Nester im Schilf - geschützt durch das Wasser. Fehlt das Wasser, fehlen auch sichere Brutplätze. Vor dem Schilf, da wo noch Wasser ist, warten Haubentaucher, Blässhühner und andere Vögel darauf, dass sie mit dem Brüten starten können. Sie brauchen Schilf, das im Wasser steht, sagt Lisa Maier. Nur dort seien sie sicher vor Fressfeinden.
Ein trockener Sommer allein sei für ein Feuchtgebiet noch kein Problem, so Maier. Kritisch werde es, wenn sich solche Jahre häuften. "Wenn jetzt mal ein Jahr trocken und heiß ist, das kann das Ried ab. Aber wenn das jetzt eben nicht nur dieses Jahr ist - letztes Jahr war es beispielsweise auch schon so - dann wird es irgendwann problematisch."
Feuchtgebiete sind weit mehr als Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Sie helfen auch den Menschen. Sie speichern Wasser, filtern es und geben es in trockenen Zeiten langsam wieder an die Landschaft ab.
Kai-Steffen Frank vom BUND beschreibt das mit einem einfachen Bild: "Feuchtgebiete funktionieren wie ein Schwamm. Wenn es viel regnet, nehmen sie Wasser auf. Wenn es austrocknet, behalten sie die Feuchtigkeit und geben sie langsam wieder an die Landschaft ab."
Dadurch helfen sie dabei, Hochwasser abzumildern, Trockenzeiten besser zu überstehen und das Grundwasser zu sichern. Naturschützer sehen sie deshalb als einen wichtigen Baustein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels.
Dass das Wollmatinger Ried heute zu den bedeutendsten Schutzgebieten Baden-Württembergs gehört, hat auch mit einem internationalen Abkommen zu tun. Bereits 1976 wurde das Gebiet als sogenanntes Ramsar-Gebiet anerkannt. Deutschland war ein Jahr zuvor der Ramsar-Konvention beigetreten, die sich weltweit für den Schutz von Feuchtgebieten einsetzt. Am Montag gab es zum 50. Jubiläum einen Festakt im Inselhotel in Konstanz.
Die Ramsar-Konvention gilt als das älteste internationale Naturschutzabkommen der Welt. Heute haben mehr als 170 Staaten das Abkommen unterzeichnet. Ziel ist es, Feuchtgebiete dauerhaft zu erhalten - weil sie Lebensraum für Tiere und Pflanzen sind, Wasser speichern und helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern.
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