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Ohne Mutter keine Chance: So retten Ehrenamtliche Fledermaus-Babys

Дата публикации: 05-07-2026 10:54:12

Fledermaus-Babys ohne Mutter haben allein keine Überlebenschance. Ehrenamtliche sorgen dafür, dass aus den hilflosen Jungtieren flugfähige Wildtiere werden.

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Ein Tier, kaum mehrere Zentimeter groß, liegt allein auf dem Boden. Keine Mutter in Sicht, das Kleine kann noch nicht fliegen. Besonders im Frühsommer werden viele Jungtiere so hilflos gefunden: ohne Mutter, geschwächt und vielleicht verletzt. Ihnen zu helfen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V. (AGF BW) auf die Fahne geschrieben. Sie bündelt die Arbeit vieler Ehrenamtlicher: darunter auch Tiziana Cuttica aus Gaggenau (Kreis Rastatt).

Deshalb brauchen die Fledermaus-Babys Hilfe

Eine Fledermaus, die tagsüber allein auf dem Boden liegt, ist eigentlich immer ein Notfall, weiß Päpplerin Tiziana Cuttica. Am besten sei es, das Tier mit Handschuhen vorsichtig aufzuheben, in eine Kiste zu setzen und das Fledermaus Nottelefon anzurufen. Ohne Hilfe haben die Jungtiere kaum Chancen: Sie können noch nicht fliegen und brauchen - wie andere Babys auch - regelmäßig Milch.

Eine Fledermaus isst eigentlich um die 1.000 Mücken pro Nacht. Sie haben sehr viel Hunger.

Die kleinen Fledermäuse werden von Ende Mai bis Mitte Juni geboren. Ihre Mütter schließen sich zu sogenannten Wochenstuben zusammen. Dort werden die Jungen geboren und aufgezogen. In dieser Zeit sind die Mütter allerdings oft nachts lange unterwegs, um genügend Insekten für sich und ihre Babys zu fangen. Währenddessen hängen die Kleinen allein in ihrem Quartier und können bei Störungen herunterfallen. Fledermäuse zählen laut dem Bundesamt für Naturschutz zu den besonders gefährdeten Ordnungen der Säugetiere.

Ehrenamtliche päppeln Fledermaus-Babys ohne Mutter auf.

Fledermaus-Päpplerin Tiziana Cuttica aus Gaggenau füttert einen ihrer Schützlinge. SWR

Fledermaus-Mütter können ihre Babys nicht retten

Das Problem bei vielen heimischen Fledermausarten: Sie können, selbst wenn sie schon alt genug sind und fliegen, nicht von einer flachen Ebene aus abheben. Auch können Mütter ihre Babys am Boden nicht aufheben, da sie von dort aus selbst nicht mehr starten können.

Wochenstuben, die sich in Gebäuden befinden, zum Beispiel unter dem Dach, in Rollladenkästen oder hinter Verkleidungen, sind anfällig für Störungen. Auch die Hitze sei ein großes Problem für die Tiere, erzählt die Fledermaus-Expertin Tanja Götz. Sie ist wie Tiziana Cuttica Päpplerin, koordiniert aber auch all die Fledermaus-Pflegestellen in der Region Karlsruhe und im Murgtal. Wegen der Hitze hätten viele Mütter ihr Quartier verlassen und die Kleinen zurücklassen müssen.

Bei den Temperaturen von 50 Grad unterm Dach haben viele Mütter ihre Jungen zurückgelassen. Sie müssen um ihr eigenes Leben kämpfen.

Ehrenamtliche päppeln Fledermaus-Babys ohne Mutter auf.

Da geht noch was: Als die Fledermaus-Babys zu Tiziana Cuttica kamen, wogen sie gerade mal zwei Gramm. SWR

Alle paar Stunden füttern: Vollzeitjob Päpplerin

Alleingelassene und geschwächte Fledermaus-Babys brauchen viel Zuwendung und vor allem Nahrung. Tiziana Cuttica und Tanja Götz geben ihnen eine spezielle Welpenersatzmilch mit zusätzlichen Nährstoffen. Wenn die ersten Zähnchen kommen, gibt es zusätzlich Insekten, oft Drohnenbrut. Das ist nährstoffreiche Spezialnahrung, die oft von Imkern bezogen wird und in der Fledermauspflege als protein- und fettreiche Kost eingesetzt wird. Die Fledermaus-Babys von Tiziana Cuttica konnten in der einen Woche, die sie bereits bei ihr sind, ihr Gewicht von zwei auf vier Gramm verdoppeln. Nicht alle würden gleich gern fressen, manche müsse man auch mal zum Fressen bewegen, erzählt die Ersatz-Mama.

Jedes Tier habe so seine Eigenarten, sagt Tiziana Cuttica. Fledermaus-Junges Karl zum Beispiel kleckere beim Fressen immer und verschlucke sich an der Milch, während "Schreihals" seinem Namen alle Ehre mache.

Liebenswerte "Underdogs": Tiziana und ihre Fledermaus-Babys

Nicht nur ihr ganz eigener Charakter mache die Fledermäuse so liebenswert, sagt Tiziana Cuttica. Auch dass ausgewachsene Tiere pro Nacht bis zu 1.000 Mücken fressen, gefalle der Päpplerin. Um Fledermäuse ranken sich viele Vorurteile und Mythen, unter anderem werden die Tiere mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht. Und jahrhundertelang glaubte man, Fledermäuse seien bösartige, blutsaugende Vampire. Tiziana Cuttica liebt ihre Mäuse dennoch. Sie weiß allerdings auch, dass ihre Schützlinge in ihr vor allem eines sehen: eine Futterquelle. "Für mich ist es das Schönste, wenn ich sehe, wie groß und stark die Tiere geworden sind und ich sie dann selbstständig wieder in die Natur entlassen kann."

Wie bei den eigenen Kindern: Man muss sie fliegen lassen.

Als Rentnerin habe sie nach einer Beschäftigung gesucht. Besonders wichtig sei ihr dabei gewesen, etwas für die Natur zu tun. Dass sie mit dem Aufpäppeln von Fledermäusen einen kleinen Beitrag zum Artenschutz leisten kann, erfülle sie. Alle europäischen Fledermausarten sind in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) erfasst und deshalb auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders und streng geschützt.

Ehrenamtliche päppeln Fledermaus-Babys ohne Mutter auf.

Tanja Götz und Tiziana Cuttica kümmern sich um ihre Pflege-Fledermäuse. SWR

Jeder kann Päppler werden

Man brauche ein gewisses Fingerspitzengefühl, da sind sich Tanja Götz und Tiziana Cuttica einig. Doch abgesehen davon könne grundsätzlich jeder Fledermaus-Päppler oder Fledermaus-Päpplerin werden. Voraussetzung seien allerdings auch fachliche Kenntnisse.

Tiziana Cuttica hat dafür einen Päpplerkurs absolviert. Tanja Götz, die die Fledermaus-Babys auf rund zehn Päpplerinnen und Päppler im Raum Karlsruhe und im Murgtal verteilt, hat zusätzlich eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Sachverständigen für Fledermausschutz gemacht. Wer selbst Fledermäuse päppeln möchte, kann entsprechende Kurse besuchen, zum Beispiel bei der AG Fledermausschutz. Diese sind allerdings oft früh ausgebucht.

Ehrenamtliche päppeln Fledermaus-Babys wieder auf.

SWR Hannah Radgen

Es sind Wildtiere: Auswilderung ist das Ziel

Wenn die kleinen Fledermäuse stark genug sind, dürfen sie in einem Flugzelt ihre ersten Flugversuche unternehmen. "Sie müssen fliegen können, um wieder ausgewildert zu werden", weiß Tanja Götz. Und vor allem müssen sie flugsicher sein.

Hitze und immer weniger geeignete Räume für die Tiere seien ein Problem für den Arterhalt. Schutz sei deshalb wichtig. Oberstes Ziel sei es dabei natürlich immer, die Tiere wieder auszuwildern. Die Päpplerinnen und Päppler wollen damit ihren Beitrag zum Artenschutz leisten. So sollen aus Waisen wieder Wildtiere werden.

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