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Raumfahrt in Deutschland: Münchner Start-up macht Druck für die Raumfahrt

Дата публикации: 31-08-2026 08:16:00




In einer alten Siemens-Halle in München entwickelt das Start-up „deltaVision“ neuartige Ventile und Pumpen für die aufstrebende Raumfahrt-Industrie. Schon jetzt arbeitet das junge Unternehmen mit Raumfahrtfirmen aus der ganzen Welt zusammen.



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Raumfahrt in Deutschland Münchner Start-up macht Druck für die Raumfahrt

31.08.2026 · 10:16 Uhr

Das Betankungssystem muss unter Extrembedingungen funktionieren.

Das Betankungssystem muss unter Extrembedingungen funktionieren.

Foto: deltaVision

München · In einer alten Siemens-Halle in München entwickelt das Start-up „deltaVision“ neuartige Ventile und Pumpen für die aufstrebende Raumfahrt-Industrie. Schon jetzt arbeitet das junge Unternehmen mit Raumfahrtfirmen aus der ganzen Welt zusammen.

Der Weltraum scheint dunkel, kalt, leer – und auch lukrativ. Immer mehr Raketen sollen immer häufiger starten und immer mehr Satelliten ins All bringen. Der Erfolg liegt jedoch nicht nur in den Triebwerken.

So modern Raumfahrt klingt, viele Komponenten stammen aus der Zeit einer überschaubaren Zahl von Starts. Als die Raketenentwicklung noch weitgehend von staatlichen Institutionen geprägt und der Markt klein war. „Sehr viel Technologie ist tatsächlich aus den Sechzigern, als du viel Geld hattest. Wenn du da Dinge gelöst hattest, hat man das im Prinzip immer wieder kopiert“, sagt Alex Plebuch. Der 40-jährige Ingenieur aus dem Sauerland ist einer der Gründer von „deltaVision“. Und das Start-up hat seine Chance im wachsenden Weltraummarkt gefunden: Es konzentriert sich auf essenzielle Komponenten. Früher bei nur sechs Raketenstarts im Jahr sei das noch eine absolute Nische gewesen. Doch die Zeiten haben sich gewandelt.

„So eine Rakete ist im Prinzip wie eine riesige Flasche und die Inhalte der Flaschen müssen irgendwie in ein Triebwerk. Mit dem richtigen Druck und der richtigen Menge.“ Damit das funktioniert, braucht es Ventile, Druckregler und Pumpen – Komponenten also, die „deltaVision“ entwickelt und baut. Für die Raumfahrt seien sie ungefähr das, was Schalter für elektronische Schaltkreise sind, erklärt Plebuch. „Nur halt mit Treibstoff. So ein bisschen größer und ein bisschen gefährlicher würde ich fast sagen, weil da viel Energie drin ist. Aber von der Logik sehr, sehr ähnlich.“

Wenn man eine Rakete erblickt, sieht man „da so einen riesigen Tank und jeder denkt sich ,boah krass‘“, sagt der Ingenieur. „Bei uns ist das ganz anders. Wir bauen diese kleineren Komponenten. Die sind aber so dicht gepackt, dass es eine ganz andere Komplexität hat.“ Die Herausforderung ist, Bauteile zu entwickeln, die gleichzeitig klein und leicht sind, aber hohen Drücken standhalten können – und bei tiefen Temperaturen von bis zu minus 200 Grad Celsius funktionieren. Und die Temperaturen können sich bei einem Start schnell ändern. „Die ganzen Toleranzen musst du genau verstehen. Dann ist da noch das Thema Elektromagnetik. Jeder einzelne Spalt macht die magnetischen Kreisläufe quasi zunichte. Da ist bei uns sehr viel Wissen, aber auch sehr viel Schmerz reingeflossen.“

Erfolg mit Komponenten

Und der Bedarf an hochpräzisen, leichten und robusten Magnet- und Druckventilen, elektromotorischen Druckreglern und Pumpen war in der boomenden, aufstrebenden Raumfahrtindustrie so hoch, dass das erst 2022 gegründete Start-up nach eigenen Angaben schon nach einem Jahr schwarze Zahlen schrieb. Mittlerweile zählt das Unternehmen mit 135 Angestellten aus 29 Nationen etwa 60 Kunden. „Im Prinzip kaufen fast alle Start-ups in Europa, die sich mit Antrieben beschäftigen, bei uns ein oder überlegen gerade, bei uns einzukaufen“, sagt Plebuch. Daneben zählen mehrere etablierte Unternehmen aus Europa, den USA und aus Asien zu den Kunden – und sogar zwei aus Australien.

Das Start-up will so auch eine europäische Lieferkettenlücke schließen: Während Raketenhersteller vieles lange selbst entwickelten, wurden Satelliten-Bauteile häufig aus den USA bezogen. Um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten, hat „deltaVision“ im Juli seine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei 10,2 Millionen Euro eingesammelt. „Wir investieren nicht in ein Versprechen, sondern in ein profitables Geschäftsmodell mit enormem Rückenwind und internationalen Wachstumschancen“, sagt Johannes Pichler von KT Ventures, einer der Investoren. Schon jetzt steht das Geschäft auf mehreren Standbeinen: Man liefert an Satellitenkonstellationen, man hat auch wiederkehrende Verträge mit Entwicklern von Raketen.

Und dabei profitiert das Start-up dann auch von der Materialforschung in den 1960ern. „Im Prinzip wurde damals schon gelöst, was man heute braucht.“ So verzichtet „deltaVision“ beispielsweise auf 3D-Druck. Das sei per Definition ein kritischer Prozess in der Raumfahrt, weil es im Prinzip wie Schweißen sei. Und man versuche, kritische Prozesse so weit es möglich sei zu vermeiden oder zu internalisieren. „Wir fertigen zumeist klassisch, hoch präzise, über Drehen, Fräsen“, erklärt Plebuch. „Und bei uns kommen hauptsächlich typische Werkstoffe zum Einsatz. Unter anderem Aluminium, Edelstähle, Titan, Kupfer und Hochleistungspolymere.“

Alex Plebuch aus Menden (Mitte) hat „Deltavision“ mit Denis Kiefel (39 aus Baden-Württemberg, l.) und Matthias Günther (44 aus Sachsen-Anhalt, r.) gegründet.

Alex Plebuch aus Menden (Mitte) hat „Deltavision“ mit Denis Kiefel (39 aus Baden-Württemberg, l.) und Matthias Günther (44 aus Sachsen-Anhalt, r.) gegründet.

Foto: deltaVision

Standardisierung als Ziel

Der wachsende Bedarf erhöht den Druck, solche Komponenten künftig in höheren Stückzahlen und mit mehr Standardisierung anzubieten. Laut dem jüngsten Space-Economy-Bericht der Europäischen Weltraumorganisation Esa war der Markt für Raumfahrzeugbau und Startdienstleistungen 2025 rund 75 Milliarden Euro groß. Das hängt aber auch davon ab, wie oft Raketen starten können. Teure Spezialanfertigungen oder sogar Einzelstücke bei den Komponenten sind da eher Hürden – auch wenn jeder Kunde etwas Eigenes möchte. Das Konzept von „deltaVision“ sieht etwas anders vor. „Wo wir uns hinentwickeln, ist zu sagen: Das ist das Portfolio. Das sind die Varianten, die möglich sind. Die haben wir auch alle schon mal gemacht und die funktionieren“, erklärt Plebuch. „Wir sehen da wirklich einen strategischen Mehrwert. Wir wollen zu diesem katalogbasierten Angebot kommen, damit die Leute auch Klarheit für ihre Systeme haben.“ Das Unternehmen will sich damit aber nicht begnügen. Das Start-up entwickelt zunehmend integrierte Produkte aus Mechanik, Elektronik und Software.

Die angestrebte Standardisierung hat für Plebuch allerdings auch Grenzen. „Gleichzeitig gibt es im Weltraum noch so viel ungelöstes Zeug. Alleine die ganzen Mondlandfähren, die jetzt gerade entwickelt werden. Es gibt noch so viel Neues. Da ist schon noch Pioniergeist da.“ Und der soll nicht nur bei Raketen Halt machen. „Wir wollen kritische Lücken in der Lieferkette schließen, zunächst mit Komponenten. Damit verdienen wir Geld und bauen gleichzeitig Produktions-, Qualitäts- und Systemwissen auf. Das ist wichtig, wenn wir langfristig wiederverwendbare und im Orbit betankbare Raumfahrzeuge ermöglichen wollen.“

Systeme für Betankung im Orbit

Tatsächlich hat „deltaVision“ bereits eine Art komplexen Tankrüssel für die Betankung von Raumfahrzeugen im Orbit entwickelt. Was sich auf der Erde mit Händen lösen lässt, ist im Weltraum komplizierter. Neben einer stabilen automatischen mechanischen Verbindung muss auch Treibstoff sicher transferiert werden können. Gleichzeitig müssen die Systeme hohen Drücken und extremen Umweltbedingungen standhalten. „Unser Tankrüssel befindet sich inzwischen in der dritten Generation. Wir haben ihn mit realen Treibstoffen getestet, und das war erfolgreich. Als Nächstes soll er ins All geschickt werden. Der Tankrüssel wird in standardisierte Schnittstellen integriert, die Raumfahrzeuge zum Andocken benötigen.“ Das junge Unternehmen arbeitet zudem mit der ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bereits an Betankungsmodulen für Raumfahrzeuge.

Es sind große Ziele, die sich das Unternehmen aus München gesetzt hat. „Arbeiterkinder mit großen Träumen“, beschreibt es Plebuch, der eigentlich aus Menden im Sauerland kommt.

Warum entstand das Start-up dann in München? „Für kommerzielle Raumfahrt gab es in NRW lange Zeit wenig Möglichkeiten. München und Bremen waren für mich die entscheidenden Standorte – und weil ich im Bereich Antriebssysteme arbeiten wollte, fiel die Wahl auf München. Dort habe ich meine beiden Mitgründer kennengelernt. Und die Technische Universität ist für uns besonders bedeutend, weil wir hier sehr viel Talent finden.“

Allerdings hat er seine alte Heimat nicht vergessen. Und auch nicht, dass Bundeskanzler Friedrich Merz ebenfalls aus dem Sauerland kommt. „Wir Sauerländer müssen zusammenhalten. Deshalb lade ich den Kanzler sehr gerne nach München ein, damit er sich deltaVision anschauen kann. Dann darf er auch gerne mal den Orbitaltankrüssel in die Hand nehmen.“

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