Die Durchsuchungsbeschlüsse wegen des Zeit-Podcasts "House of Block" wurden viel kritisiert. Kritik gibt es aber auch an dem Podcast selbst. Geht er zu weit, bedroht er den Prozess und welches Nachspiel könnte der Auftritt der Tochter haben?
Ende September erschütterte die Veröffentlichung eines Podcasts die Welt des Block-Prozesses: In dem Podcast "ZEIT Verbrechen" erschien eine neue Reihe, "House of Block", die die Geschichte des eskalierten Sorgerechtsstreits nachzeichnet – und zwar erzählt von unter anderem Stephan Hensel, seiner neuen Frau Astrid Have und der entführten Tochter. Sie ist heute 15 Jahre alt.
Sie wollte nach Jahren, in denen öffentlich so viel über sie gesprochen wurde, endlich selbst sprechen, ihre eigene Geschichte erzählen – ein nur allzu verständlicher Wunsch bei einem Tatopfer, das schon so viel Medienberichterstattung über sich ergehen lassen musste.
Vieles an dem Podcast kann man kritisieren. Was man nicht tun darf, ist die Kritik an dem Podcast mit der rechtlichen Zulässigkeit der Durchsuchungsbeschlüsse und der Sicherstellungsmaßnahmen gegen die Zeit und Anne Kunze zu verwechseln. Denn dabei geht es um Fragen, die weit über den Block-Prozess hinausgehen: Um die Pressefreiheit in der Demokratie.
Wer einem Podcast-Auftritt zustimmen kannGrundsätzlich sind bei einem Auftritt in einem Podcast erstmal Persönlichkeitsrechte nach Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz (GG) iVm. Art. 1 Abs. 1 GG wie das Recht am eigenen Wort betroffen. Darein kann man grundsätzlich einwilligen – die Frage ist nur, wie das bei Kindern und in dieser besonderen Konstellation geht. Zum Zeitpunkt der ersten Aufnahmen waren die beiden in der Silvesternacht entführten Kinder 10 und 13 Jahre alt; bei Veröffentlichung des Podcasts 12 und 15 Jahre.
Worum geht es im Block-Prozess?
Die Staatsanwaltschaft (StA), vertreten durch Oberstaatsanwältin (OStA) Mona Paul und StA Marvin Steinberg, wirft der 53-jährigen Unternehmenserbin Christina Block laut Anklage vor dem Landgericht (LG) Hamburg vor, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder, damals zehn und 13 Jahre alt, bei deren Vater Stephan Hensel in der Silvesternacht 2023/24 in dessen Wahlheimat Dänemark in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. Hensel tritt im Verfahren als Nebenkläger auf, ihn vertritt Dr. Philip von der Meden. Die Kinder werden von Dr. Tanja Jeney vertreten. Christina Blocks Verteidigung besteht aus Dr. Ingo Bott und seiner Kollegin Paula Wlodarek.
Zum Zeitpunkt der Entführung hatten die Eltern geteiltes Sorgerecht, der Mutter stand das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zu. Der Vater hatte die Kinder im August 2021 rechtswidrig in Dänemark zurückbehalten. Das Hanseatische Oberlandesgericht (HansOLG) verpflichtete ihn zur Herausgabe der Kinder. Dänemark vollstreckt jedoch keine deutschen familiengerichtlichen Entscheidungen. Nach der Entführung hielten sich die Kinder einige Tage bei ihrer Mutter auf. Anfang Januar 2024 ordnete das OLG Hamburg die Herausgabe an den Vater an, bei dem sie bis heute leben.
Neben Block sind noch ihr Lebensgefährte, Sportmoderator Gerhard Delling (Verteidiger Dr. David Rieks), ihre Cousine Uta B. (Verteidiger Reinhard Daum) und deren Ehemann Mark B. (Verteidiger Nils Fock) sowie Sicherheitsunternehmer Andreas P. (Verteidigerin Gül Pinar) wegen mutmaßlicher Beihilfehandlungen angeklagt.
Dem Vertrauensanwalt der Blocks, Dr. Andreas Costard (Verteidiger Dr. Marko Voß), wird eine täterschaftliche Beteiligung vorgeworfen. Für ihn und Block stehen zudem Veruntreuungs-Vorwürfe im Raum. Wie die übrigen Angeklagten auch bestreitet er die Vorwürfe vollständig. Nur der an der Entführung unmittelbar beteiligte Israeli Tal S. (Verteidiger Dr. Sascha Böttner) hat bislang ein Geständnis abgelegt.
Dr. Tobias Hermann von der Media Kanzlei erklärt LTO: "Nach deutschem Recht bedürfen Minderjährige der Einwilligung ihrer gesetzlichen Vertreter nach § 1626 Abs. 1 S. 2 BGB, d.h. in der Regel beider Eltern. Die §§ 104 ff. BGB gelten hier analog." Die dänischen Gerichte hatten dem Vater nach der Silvesterentführung das alleinige Sorgerecht zugesprochen, die deutschen Gerichte erklärten sich schließlich für unzuständig. Damit kam es auf die Zustimmung der Mutter nicht mehr an; dass ihre Tochter in dem Podcast selbst sprach, erfuhr auch sie laut ihrem Verteidiger erst mit Veröffentlichung. Ab 14 Jahren, so Hermann, müsse zusätzlich das Kind selbst zustimmen – diese "Doppelzuständigkeit" ab 14 Jahren ergebe sich aus Literatur und Rechtsprechung. Die älteste Tochter des Ex-Paares, die ebenfalls zu Wort kommt, ist bereits volljährig und braucht daher keine Zustimmung der Eltern mehr. Die Familie Hensel versichert LTO über ihren Anwalt, dass für sämtliche Aufnahmen und Zitate der Kinder die entsprechenden Zustimmungen vorliegen.
Weil das Sorgerecht auch eine Sorgepflicht beinhaltet, können Eltern ihr Sorgerecht nicht zur Verfolgung eigennütziger Interessen, sondern nur zum Schutz des Kindes nutzen – wo Entscheidungen der Eltern dem Schutz ihrer Kinder also widersprechen, sind sie vom Sorgerecht nicht mehr umfasst. Solange kein Gericht etwas anderes entschieden hat, muss man aber davon ausgehen, dass die Entscheidung über die Zustimmung noch von Stephan Hensels Sorgerecht für seine Kinder umfasst war.
Die Frage der PresseethikAber wie sieht es mit der Verantwortlichkeit der Zeit und der Journalistin Anne Kunze aus, die den Podcast veröffentlichten? Das Wort "Presseethik" fiel in diesem Zusammenhang schnell. Minderjährige, schwer traumatisierte Tatopfer in einem Podcast zu Wort kommen zu lassen, kritisierten viele Journalisten als rote Linie. Moralisch kann das sicherlich durchaus kontrovers diskutiert werden, die rechtliche Lage ist dagegen relativ klar:
"Grundsätzlich handeln Journalistinnen und Journalisten ethisch einwandfrei, wenn sie sich im Rahmen von Recht und Gesetz halten", sagt Presserechtler Prof. Dr. Stefan Engels. In den kritischen Auseinandersetzungen um den Podcast fiel schnell das Schlagwort "Pressekodex". Die Richtlinie 8.3 des Pressekodex regelt, dass insbesondere in der Berichterstattung über Straftaten Minderjährige in der Regel nicht identifizierbar sein dürfen. Der Pressekodex ist aber eben gerade kein Gesetz, sondern eine freiwillige Selbstverpflichtung. Zudem sollen diese Richtlinien im Einzelfall die journalistische Entscheidungsfindung erleichtern, wie Engels betont. Schon die Formulierung "in der Regel" zeige jedoch, dass auch hier ein Spielraum besteht.
Ebenfalls rechtlich unproblematisch ist die – laut Familie Hensel ebenfalls freigegebene – Verwendung der Alarmknopf-Aufnahmen: Damit werden zwar Aktenbestandteile im Wortlaut öffentlich im Sinne des § 353d Nr. 3 StGB wiedergegeben. Da sie aber bereits in der öffentlichen Hauptverhandlung abgespielt wurden, stellt das keine verbotene Mitteilung mehr dar, weshalb die Verwendung in dem Podcast nicht strafbar ist.
Auch im Strafprozess gilt die MeinungsfreiheitBerichterstattung in Strafprozessen ist immer eine Abwägung von Unschuldsvermutung und Persönlichkeitsrechten der Beteiligten, der Meinungsfreiheit und dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit. Geboten ist eine ausgewogene Berichterstattung, um eine mögliche Prangerwirkung zu verhindern. Anne Kunze hat sich über mehr als zweieinhalb Jahre hinweg intensiv mit der Familie Hensel – und damit nur mit einer der zwei Parteien des Streits – ausgetauscht und lässt sie diese umfangreich in dem Podcast selbst zu Wort kommen. Das könnte Zweifel an der Ausgewogenheit wecken.
Stephan Hensels Aussagen bleiben jedoch nicht vollkommen uneingeordnet stehen: Immer wieder gibt die Journalistin aus dem Off Kontext und äußert sich auch gelegentlich kritisch dazu. Da Christina Block in dem Podcast selbst nicht sprechen wollte, lässt Kunze sie mittels einer Schauspielerin, die Äußerungen Blocks vor Gericht oder in der Presse vertont, sprechen. Auch mit Blocks Sprecher und ihrem Verteidiger sprach sie "stundenlang", sagt sie im Podcast. Ob das ausreicht, wird am Ende wieder eine Wertungsfrage sein. Offensichtlich unausgewogen dürfte es aber wohl nicht sein.
Zu einer ausgewogenen Berichterstattung können auch die konkreten Vorwürfe der Opfer gehören. Da die Aussagen der Kinder bei der Polizei im Wege der Selbstleseliste zwar in die Hauptverhandlung eingeführt, aber nicht öffentlich verlesen wurden, kann es gerade Teil ausgewogener Berichterstattung sein, dass die Opfer ihre Geschichte in den Medien selbst erzählen (BGH, Urt. v. 19. 3. 2013, Az. VI ZR 93/12).
Zudem gilt die Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 GG auch in einem laufenden Strafverfahren, laut BGH sogar ganz besonders für Opfer – der Druck, der auf ihnen laste, könne nachvollziehbar dazu führen, einen weithin von der Öffentlichkeit begleiteten Prozess "kommunikativ verarbeiten" zu wollen (Urt. v. 19. 3. 2013, Az. VI ZR 93/12). Der Berliner Strafrechtsprofessor Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Heger stellt klar, dass das aufgrund der Unschuldsvermutung auch für Beschuldigte eines Strafverfahrens wie Hensel und seine Ehefrau gelten müsse. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage: Stephan Hensel erklärt in dem Podcast etwa, er hätte sich damals entschieden, die Kinder nicht zur Mutter zurückkehren zu lassen, obwohl ihm sein Anwalt ganz klar gesagt hatte, er müsse die Kinder zurückbringen.
Gegen Stephan Hensel und seine neue Ehefrau läuft ebenfalls ein Strafverfahren wegen Kindesentziehung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Kinder von Oktober 2021 bis Januar 2024 rechtswidrig in Dänemark einbehalten zu haben, da das HansOLG Christina Block das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen und Hensel zur Herausgabe der Kinder verpflichtet hatte. Das LG bejahte im April 2024 einen hinreichenden Tatverdacht, den es für die Eröffnung braucht. Seitdem liegt das Verfahren bei der gleichen Jugendschutzkammer, die auch im Block-Prozess zuständig ist.
Bedroht der Podcast die Unvoreingenommenheit des Gerichts?Möglicherweise problematisch ist, dass sich hier Opferzeugen medial zu einem Tatgeschehen äußern, zu dem sie vor Gericht die Aussage verweigern, und Aufnahmen verwendet werden, die kaum zwei Wochen nach der Tat entstanden sind – und damit ein halbes Jahr vor der formellen polizeilichen Vernehmung.
Zunächst muss man differenzieren: Die Schilderungen der minderjährigen Tochter zum Tatgeschehen selbst stammen ausschließlich von Aufnahmen, die fast ein Jahr nach der polizeilichen Vernehmung entstanden.
Dennoch äußern einige Experten, mit denen LTO gesprochen hat, Bedenken hinsichtlich der Auswirkung solcher Podcast-Aufnahmen auf den laufenden Strafprozess, besonders hinsichtlich der Unvoreingenommenheit von Zeugen und Gericht. So sei denkbar, dass sich die Kammer und Schöffen den öffentlich verbreiteten Inhalten und Stimmungen nicht vollständig entziehen können und diese bewusst oder unbewusst in ihre Wahrnehmung und Bewertung des Sachverhalts einfließen lassen – auch mit Folgen für das Strafverfahren gegen Hensel und seine Ehefrau.
Umgang mit dem Podcast im Prozess Wie kann das Gericht mit diesem Podcast nun umgehen? Nicht, indem es die Durchsuchung der Zeit-Redaktion und der Privatwohnung von Anne Kunze anordnet, um die Rohaufnahmen sicherzustellen, so viel steht fest. Wie LTO analysierte, war dieses Vorgehen wohl rechtswidrig, was auch andere Rechtsexperten so sehen. Gesprächsaufzeichnungen von Quellen mit einer Journalistin sind Mitteilungen, die auch dann uneinschränkbar dem Zeugnisverweigerungsrecht und damit einem Beschlagnahmeverbot unterliegen, wenn die Quellen ihre Identitäten bereits selbst offenbart haben – denn geschützt ist nicht die Quelle, sondern die Funktionsfähigkeit der Presse.
Anne Kunze hatte den Kindern versprochen, dass alles, was sie ihr im Vertrauen erzählten, bei ihr sicher wäre und nichts öffentlich würde, was sie nicht selbst freigaben, sagte die Familie Hensel LTO. Dieses Versprechen brach, als die Beamten mit einem Durchsuchungsbeschluss an ihre Tür klopften und die Aufnahmen sicherstellten. Fällt aber das Vertrauen in die Vertraulichkeit der Presse, fällt sie mit ihr – und damit verlieren Demokratie und Rechtsstaat eine tragende Säule.
So sehen es auch Martin Heger und Medienstrafrechtlerin Prof. Dr. Anna H. Albrecht von der Universität Potsdam. Sie sind sich aber auch einig, dass man die öffentlich zugänglichen Podcast-Aufnahmen in Augenschein nehmen könnte. Bei der Würdigung der Zeugenaussagen könne das Gericht solche öffentlichen Aussagen berücksichtigen. "Dann mag ein in dubio pro reo näher rücken als bei einer bloßen Selbstentlastung, die man ja als Schutzbehauptung abtun könnte", so Heger. Soweit durch die Einführung der Tonbandaufnahme aber Wahrnehmungen von Zeugen eingeführt werden sollen, die deren Aussage ersetzen, stehe dies, so Albrecht, zumindest in einem Spannungsverhältnis zu den Erwägungen, mit denen der Gesetzgeber in § 250 StPO den Vorrang des Personalbeweises gegenüber dem Urkundsbeweis festlegte.
Selbstbestimmung, aber zu welchem Preis?Stephan Hensels Anwalt Dr. Philip von der Meden erklärt gegenüber LTO, er habe sich dafür ausgesprochen, dass die Kinder nicht vor Gericht aussagen müssen. Damit habe er ihnen ersparen wollen, "sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit den kritischsten Nachfragen diverser Verteidiger im Kreuzverhör, die auf ihre Glaubwürdigkeit zielen, stellen zu müssen". Zu beachten ist hier allerdings, dass minderjährige Zeugen nach § 241a Abs. 1 StPO grundsätzlich nur von der Vorsitzenden selbst befragt werden. Sie kann der Verteidigung zwar auch Fragen gestatten – dass die Jugendschutzkammer hier ein Kreuzverhör der Kinder zugelassen hätte, erscheint aber wohl eher abwegig. Zudem hätte die Möglichkeit bestanden, die Kinder nach § 247a StPO an einem anderen Ort zu vernehmen, um ihnen eben diese Konfrontation zu ersparen. Auch Christina Block selbst hatte an die Vorsitzende Richterin appelliert, ihrer Tochter eine öffentliche Aussage zu ersparen.*
Aber auch mit einer öffentlichen Aussage wäre etwas Entscheidendes anders gewesen: Eine öffentliche Aussage in einem Strafprozess ist keine mediale Selbstöffnung. Ein Auftritt in einem Podcast, vor eben jener von von der Meden angesprochenen Weltöffentlichkeit, schon.
Eine solche Selbstöffnung, bei der jemand sich aktiv in die Öffentlichkeit bewegt, indem er oder sie etwa persönliche Informationen in der Presse preisgibt, verschiebt die Abwägung zwischen der Meinungs- und Pressefreiheit und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Grundsätzlich sind minderjährige Tatopfer ganz besonders geschützt. Von ihnen geht keine "Selbstverursachung" des öffentlichen Interesses aus, wie der Medienrechtler Stefan Engels erklärt; Presseberichterstattung über sie ist nur in einem sehr begrenzten Rahmen zulässig.
Gehen sie den Schritt in die Öffentlichkeit aber selbst, stets begleitet von den Sorgeberechtigten natürlich, entfällt dieser absolute Schutz entsprechend der Preisgabe. Die Entscheidung darüber können sie mit zunehmender Reife zunehmend selbst treffen: "Je bewusster und eigenständiger sich das Kind selbst zu Wort meldet, desto eher tritt sein Persönlichkeitsschutz hinter die Meinungs- und Pressefreiheit zurück", so Stefan Engels. Er betont aber, ohne Detailkenntnisse nur abstrakt Leitlinien aufzeigen zu können.
Der Podcast, der laut Familie Hensel in präziser Abstimmung mit den Kindern erfolgte, mag also wohlüberlegt und kontrolliert gewesen sein – die durch diesen ersten Schritt legitimierte öffentliche Berichterstattung liegt aber außerhalb ihrer Kontrolle. Mit diesem so nachvollziehbaren Wunsch nach Selbstbestimmung und Kontrolle über die eigene Geschichte könnten sie eben jene mit diesem Schritt verloren haben.
Rechtlich zulässig, aber mit KonsequenzenPhilip von der Meden betont, man habe sich bei diesem Schritt nach dem Willen der Kinder gerichtet. Das Mädchen habe unbedingt sprechen wollen und sei reif genug, das selbst zu entscheiden. Andernfalls wäre sie auf keinen Fall in dem Podcast aufgetaucht – ihr Bruder spreche ja auch nicht, das werde auch akzeptiert. Selbst zu hören ist der Junge in dem Podcast nicht. Was aber zu hören ist, ist eine Aussage des Jungen zu dem Kinderpsychologen Dr. R., mit der Kunze den damals 10-Jährigen zitiert. Dieses Zitat hatte Hensel für ihn mit seiner Zustimmung freigegeben – und damit eine öffentliche Äußerung seines Sohnes zugelassen.
Am Ende bleibt es also dabei: Rechtlich ist die Veröffentlichung des Podcasts wohl nicht zu beanstanden. Die Äußerungen durften gemacht werden und die Zeit durfte sie veröffentlichen. Moralisch kann man darüber sicherlich streiten – Anne Kunze und die Zeit haben mit der Veröffentlichung dieses Podcasts eine Entscheidung getroffen; eine Entscheidung, die man kritisieren kann. Das Gericht kann nun die veröffentlichten Podcast-Folgen durch in Augenscheinnahme in den Prozess einführen und verwerten, um etwa die Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen vor Gericht und der Polizei zu beurteilen. Was es wohl nicht tun durfte, war, Durchsuchungsbeschlüsse zu erlassen und umfassendes Material mit vertraulichen Äußerungen sicherzustellen.
Die beiden Hensel-Töchter, die in dem Podcast zu Wort kommen, haben sich mit ihrem Auftritt dort nun selbst in die Öffentlichkeit begeben. Zu diesem Schritt hatten sie jedes Recht – er hat jedoch auch Konsequenzen. Ob Stephan Hensel seine minderjährigen Kinder davor hätte beschützen müssen, ist eine andere Frage – eine, die das Recht nicht beantworten kann und auf welche die Beteiligten wohl erst in einigen Jahren eine Antwort haben werden. Seine eigenen Aussagen und die seiner minderjährigen Kinder muss er selbst verantworten – und sich den Konsequenzen stellen, die sich daraus nun ergeben können.
*Absatz ergänzt um Hinweise auf §§ 241a, 247a StPO [jh, 20.10.2026, 11:42]
Tag 1 – Prozessauftakt: Hat sie die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben? In Hamburg hat der Prozess gegen Steak-House-Erbin Christina und weitere Angeklagte begonnen. Die Verteidigung macht der Staatsanwaltschaft viele Vorwürfe.
Tag 2 - Strafprozess gegen Christina Block vorerst unterbrochen: Eigentlich war eine Einlassung der Block-House-Erbin angekündigt, doch der Prozess gegen Christina Block wurde unterbrochen. Grund ist ein Streit um die Nebenklage ihrer 14-jährigen Tochter. Die Verhandlung wird am 25. Juli fortgesetzt.
Tag 3 - "Du hast mich fertig gemacht": "Ich habe die Entführung meiner Kinder weder beauftragt noch gewollt": Über mehrere Stunden ließ sich Christina Block vor der Strafkammer des LG Hamburg ausführlich im Entführungsprozess gegen sie ein und schilderte ihre Sicht der Dinge.
Tag 4 - "Sie haben meiner Tochter einen Alarmknopf um den Hals gehängt": Im "Block-Prozess" schildert Christina Block ihre verzweifelten Pläne, ihre Kinder zurückzuholen – von Bootsfahrten bis Maskenbildner. Im Fokus: Freundin "Olga", 120.000 Euro Bargeld und der Vorwurf eines Alarmknopfs um den Hals der Tochter.
Tag 5 - "Ich habe die schlechteste Position, meine Kinder jemals wiederzusehen": Routine im Saal, aber offene Fragen im Verfahren: Christina Block antwortet ausweichend, schildert Erinnerungslücken und wirft ihrem Ex-Mann Manipulation vor. Die Rolle der Cyberfirma bleibt ungeklärt.
Tag 6 - "Ich werde von nun an insgesamt schweigen": Am sechsten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess verweigerte Christina Block alle Antworten auf Fragen der Nebenklage. Prozessuale Fragen, Framing- und Manipulationsanschuldigungen dominierten im aufgeladenen Gerichtssaal.
Tag 7 - "Bestrafen Sie mich": Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".
Tag 8 - "Sie wirkte wie im Traum": Der Angeklagte Tal S. schildert am achten Verhandlungstag, wie er den Kindern Klebeband über Mund und Hände legte – bei dem Mädchen "härter", als es nicht kooperierte. Später gerieten Blocks Verteidiger und die Vorsitzende noch aneinander.
Tag 9 - "Hätte niemals gedacht, als rechtstreuer Bürger jemals vor Gericht zu stehen": Im Block-Prozess bestreiten ihr Lebenspartner Gerhard Delling, Cousine Uta B. und Sicherheitsunternehmer P. jede Beteiligung an der Entführung der Block-Kinder. Vater Hensel spricht derweil von Gewalt und "Todesangst" in der Silvesternacht.
Tag 10 - "Zum Glück hatte ich meine Hände schützend vor dem Gesicht": Blocks Ex-Ehemann beschreibt im Hamburger Entführungsprozess Schläge, Tritte und die Schreie der gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht. Zudem wirft er Christina Block häusliche Gewalt vor, dem die Hauptangeklagte widersprach.
Tag 11 - "Unsere Verteidigerpflicht ist, das Wort zu erheben, wenn es notwendig ist": Im Prozess gegen Christina Block entbrennt eine hitzige Auseinandersetzung um Verteidigerrechte. Nebenkläger Hensel berichtet über die psychische Belastung der Kinder mit Aussagen, die stellenweise für Irritationen im Saal sorgten.
Tag 12 - "Wir haben Kinder, die funktionieren": Am zwölften Verhandlungstag ging die Befragung Stephan Hensels weiter. Er musste sich Vorhalte machen lassen, die ins Persönlichste gingen. Eine Verteidigerin lockte den Nebenkläger mit ihren Fragen sichtbar aus der Reserve.
Tag 13 - "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie etwas Böses wollten": Am dreizehnten Verhandlungstag des Block-Prozesses sorgt die Befragung von Nebenkläger Stephan Hensel erneut für Streit im Saal: An die Presse geleakte Akten, § 55 StPO, und ein ungewöhnlich emotionales Statement eines israelischen Mitangeklagten.
Tag 14 - "Alles, was aus Deutschland kam, wurde verteufelt": Am vierzehnten Verhandlungstag im Block-Prozess dominiert die juristische Kontroverse zum Umgang mit Handydaten. Block präsentiert sich kämpferisch, attackiert Hensel und bittet eindringlich, ihre Tochter nicht öffentlich aussagen zu lassen.
Tag 15 - Augenzeugen schildern Entführung der Kinder: Am 15. Verhandlungstag berichten Augenzeugen von der Entführung in der Silvesternacht 2023/24, während ein emotionaler Brief der Großeltern und Erklärungen zu psychischer Belastung der Kinder sowie Blocks Einlassungen für Spannung sorgen.
Tag 16 - "In so einer rekordverdächtigen Zeit bin ich noch nie aufgeflogen": Ein Sicherheitsberater berichtet über die Observation der Block-Kinder in Dänemark, sein Auffliegen vor Ort, einen riskanten Plan und ein heikles Mittagessen mit Anwälten: Einblicke in den 16. Verhandlungstag des Block-Prozesses.
Tag 17 - "Das ist alles nicht meine Kanne Bier": In welchem Verhältnis standen deutsche und israelische Sicherheitsfirmen? Aufschluss darüber sollte die Befragung des nächsten Zeugen im Block-Prozess geben. Außerdem gab es erneut Streit darum, ob Datenträger ausgewertet werden durften.
Tag 18 - "Die ganze Sache ist nicht mein cup of tea": Wie ist der Kontakt zur Firma zustandegekommen, die die Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll? Am Mittwoch sagte ein geheimnisvoller Zeuge aus, der "in höchsten Sicherheitskreisen" verkehrt.
Tag 19 - "Eine nicht mehr hinnehmbare Verletzung der Unschuldsvermutung": Während der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes seine Aussage verweigert, flammt der Streit über die ausgelesenen Handydaten von Christina Block wieder auf: Mehrere Verteidiger stellen Befangenheitsanträge am 19. Prozesstag.
Tag 20 - "Wer hat mit der israelischen Sicherheitsfirma gesprochen?": 20. Tag im Block-Prozess: Gericht und Staatsanwaltschaft würgen eine Erklärung Christina Blocks ab. Außerdem berichten Zeugen von ungewöhnlichen Hotelübernachtungen im Elysee-Hotel. Wer hatte Kontakt zur israelischen Sicherheitsfirma?
Tag 21 - Warum die Vorsitzende der Steakhouse-Erbin mit Haftbefehl drohte: Im Block-Prozess dreht sich an Tag 21 alles um die mysteriöse israelische Sicherheitsfirma, massive Zweifel an IT-Warnungen und eine scharfe Ansage der Vorsitzenden: Christina Block geht in Haft, wenn sie weiter Kontakt zu Zeugen hat.
Tag 22 - Audioaufnahmen aus der Silvesternacht 2023/24 erschüttern den Saal: Im Mittelpunkt von Tag 22 stand die Inaugenscheinnahme mehrerer Audioaufzeichnungen nach § 86 StPO. Die Dateien dokumentieren in Tonaufnahmen dramatische Minuten einer Entführung.
Tag 23 - "Hier lügt jemand": Christina Block soll den Auftrag erteilt haben, zwei ihrer Kinder aus der Obhut des Ex-Manns zu entführen. Dessen neue Ehefrau wendet sich als Zeugin direkt an die Angeklagte – und spricht am 23. Verhandlungstag von "Todesangst" der Tochter.
Tag 24 - "BKH - Bring Kids Home": Zuschauergedrängel, doppelte Sicherheitskontrollen, gespannte Blicke. Im Mittelpunkt: Die Vernehmung von David Barkay, Geschäftsführer der Firma, die die Block-Kinder entführt haben soll. Am Ende des Tages gibt es eine böse Überraschung.
Tag 25 - "Operation Golden Ice #5" und der Moment der Entscheidung: Am 25. Prozesstag schildert der Organisator der Entführung minutiös den Ablauf und wie die Aktion fast abgebrochen worden wäre. Sein Narrativ der Gewaltfreiheit gerät ins Wanken, als die Vorsitzende seine Aussage Punkt für Punkt prüft.
Tag 26 - "Ich bin erleichtert, dass Sie jetzt tun, was getan werden muss": Klare Fragen, knappe Antworten: Am 26. Prozesstag gerät Cyber Cupula-Chef Barkay unter Druck. Es geht um kostenlose Unterbringung, Gratisbüro, Chats und Kameras in Dänemark - und die Grenze zwischen Informationsbeschaffung und Entführung.
Tag 28 - "Dass Hensel die Kinder isoliert hat, war eine Machtdemonstration": Am 28. Verhandlungstag haben im Block-Prozess Ex-Mitarbeiterinnen des Hamburger Jugendamts ausgesagt. Sie werfen Blocks Ex-Mann vor, höchst unkooperativ gewesen zu sein. Diese Vorgeschichte sei eine "Zäsur", sind sich die Verteidiger einig.
Tag 29 - "Ex-Hotelmitarbeiter sagen im Block-Prozess aus Offene Rechnungen, geschlossene Augen”: Am 19. Verhandlungstag führte der Block-Prozess tief hinein in die Welt eines Luxushotels jenseits regulärer Abläufe. Außerdem wollten zwei Anwälte wissen, gegen welchen Vorwurf sie verteidigen sollen.
Tag 30 – "Es war mein Traum, in einem Wohnmobil durch Europa zu reisen": Überraschendes Wiedersehen, der israelische Ex-Agent David Barkay sagt erneut detailliert vor Gericht aus. Wo er Erinnerungslücken hat, lässt das Gericht seine Notizbuchseiten an die Wand projizieren. Ein Eintrag stammt von Christina Block.
Tag 31 - "Jede Mutter hier im Raum würde so handeln": Ein Zeuge im Blitzlicht, der immer wieder ausweicht: Das Gericht ringt Barkay Details zur Entführung der Block-Kinder ab. Je mehr er einräumt, desto brüchiger wird seine Erzählung von einer "Rettung" im Interesse der Kinder.
Tag 32 - "Ich bestreite, dass der Zeuge irgendeinen Sachverstand hat": Ein von Christina Block konsultierter Kinderpsychologe schildert seine Eindrücke von den entführten Kindern. Am Ende stehen jedoch nicht seine Beobachtungen im Fokus, sondern ein Frontalangriff der Verteidigung auf seine fachliche Kompetenz.
Tag 33 - “Eine objektive Wahrheitsfindung ist nicht mehr möglich”: Weil ein Zeuge nicht erschien, beschäftigte sich das LG Hamburg mit Anträgen der Verteidigung. Der skurrilste: Blocks Verteidiger will das Verfahren wegen der Medienberichterstattung einstellen lassen. Es gebe zu viele "Realitätsangebote".
Tag 34 - "Ich will nicht, dass diese Frau im Knast sitzt, weil ich etwas gesagt habe": Treffen mit Christina Block, die er zuvor nicht erwähnt hat: Der mitangeklagte Israeli Tal S. macht eine interessante Einlassung. Zusätzlich geht es am Freitag um die Rolle von Blocks Vater: Welche Rolle spielte "der Patriarch"?
Tag 35 – "Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe": Ein militärisch präziser Plan, der gründlich schiefgeht: im Block-Prozess schildert Kronzeuge David Barkay, wie die "Rettung der Kinder" zum Fiasko geriet.
Tag 36 - “Wir wollten in der Lage sein, alles zu hören, was rein- und rausging”: David Barkay gibt Einblicke in die Überwachung der Familie Hensel, seine eigene Rolle entfacht eine Diskussion.
Tag 37 – "Hier nur für Sie der Bericht, Smiley":Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes sagt zu einem Hausbesuch bei Christina Block und den Kindern aus – gab es eine Sonderbehandlung? Eine Befragung mit Folgen für das mögliche Strafmaß. Und am Ende spielt sogar der Krieg im Nahen Osten eine Rolle.
Tag 38 - "Hätte die Polizei ihren Job gemacht, wären wir heute nicht hier": Zwei Kripo-Beamtinnen standen im Fokus des Prozesstages. Blocks Verteidiger Ingo Bott nutzt ihre Aussagen für schwere Vorwürfe gegen die Polizei – und sieht darin zugleich ein Argument gegen den Vorsatz seiner Mandantin.
Tag 39 - "Der Mossad wäre stolz auf das TiktTok-Verhalten seiner Agenten": Die Waffen der privaten Block-Security-Leute, ausgerechnet ein Polizist, der sich an kaum etwas erinnert, und vermeintliche Mossad-Agenten im Bademantel, die sich Herzen auf TikTok schicken. Das war Tag 39. Und es war hitzig und verwirrend.
Tag 40 - "Ich warte kurz, bis das Theater hier vorbei ist": Am Donnerstag sagt ein Kriminalpolizist als Zeuge im Block-Prozess ruhig und prägnant aus. Ein deutlicher Kontrast dazu, wie sich nicht nur Verteidigung und Gericht gegenseitig angehen, sondern auch die Verteidiger untereinander.
Tag 41 - "Das Haus wie ein Museum für eine Familie, die auseinandergerissen wurde": Am 41. Prozesstag hagelt es von den Anwälten Vorwürfe. Gegen die Arbeit der Ermittler, gegen die Anwälte auf der Gegenseite - und gegen das Publikum. Schließlich muss die Vorsitzende eingreifen. Auch als Fotos aus dem Block-Haus gezeigt werden.
Tag 42 - "Das perfekte Verbrechen gibt's nur im Kino": Warum kontaktierte die Polizei nach dem Notruf in der Silvesternacht nicht die Mutter der entführten Kinder? Wer bei der Polizei wichtige Entscheidungen traf, diese Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Tag 42 und die Block-Woche enden abrupt.
Tag 43 - "Spannend, was für eine Zeugin die Nebenklage da aus dem Hut zaubert": Eine Nachbarin belastet Christina Block zunächst schwer, ihre Zeugenaussage gerät bei der Befragung aber gehörig ins Wanken. Das Bild von einer Polizei, die nicht genau erklären kann, was sie in der Silvesternacht tat, verfestigt sich.
Tag 44 – "Zuerst haben die Kinder noch Mama gesagt, dann nur noch Christina": Die Vernehmung einer Polizeibeamtin sorgt für Streit. Dann schildert die plötzlich eine für den Prozess wohl bedeutende Aussage von Christina Block. All das sorgt für einen emotionalen 44. Tag. Bis einen Angeklagten offenbar die Kräfte verlassen.
Tag 45 - "Wovor haben Sie denn Angst, Frau Staatsanwältin?": Der Streit über zulässige Fragen kocht über, eine Staatsanwältin ist streitlustig und Gerhard Delling bekommt statt eines Geburtstagsgeschenks harte Worte: Der Bericht zum 45. Verhandlungstag im Blockprozess.
Tag 46 - "Wenn ich was sage, werden mir schlechte Sachen passieren": Warum sollte ein israelischer Bauingenieur zum Fluchtwagenfahrer der Entführung werden? Und wurde er später bedroht? Eine Aussage zur Block-Großmutter gibt Rätsel auf und die Anwälte wollen am 46. Prozesstag die Fotografen aussperren.
Tag 47 - Der Fluchtwagenfahrer gerät ins Schleudern: Am 47. Tag im Block-Prozess zeigen die Strafverteidiger unterschiedliche Künste bei der Zeugenbefragung. In den Aussagen des Fluchtwagenfahrers tauchen Widersprüche auf. Das Gericht lehnt mit fragwürdiger Begründung eine Beschlagnahme ab.
Tag 48 – Welchem Zeugen kann man noch glauben?: Block bekommt zum Geburtstag einen kurzen Verhandlungstag, den sogar die Blumen überleben, die eine Zuschauerin ihr mitbringt. Derweil streiten Verteidigung und Nebenklage darüber, wie streng Abweichungen in Zeugenaussagen zu bewerten sind.
Tag 49 – "Kommste mit zur Auslandsobservierung, kannste viel lernen": Mit dem Dolch nach Dänemark - im Blockprozess beschreibt ein Privatdetektiv eine Observation in Dänemark, die vor allem eines war: kurz, chaotisch und "eine Riesenkacke". Die Staatsanwaltschaft hält sie für alles andere als harmlos.
Tag 50 – Olga packt aus und belastet nicht nur Christina Block: Die lang erwartete Aussage von "Olga" drängt den Fokus auf die Frage, wer die treibende Kraft hinter der Entführung der Kinder von Christina Block war. Die Vorsitzende liefert am Ende zwei Paukenschläge für den weiteren Prozessfortgang.
Tag 51 – Christina Block, Codename "Marienkäfer": Keren T., die "rechte Hand" des mutmaßlichen Chef-Entführers und Schlüsselfigur, sagt aus. Sie belastet Block, ihren Vater, den Familienanwalt und sogar den Leiter des Hamburger Hafens, stellt damit aber auch ihre Glaubwürdigkeit infrage.
Tag 52 – War "Happy New Year" ein Code für "Wir haben die Kinder"?: Im Block-Prozess dürfen die Verteidiger die wichtige Zeugin "Olga" befragen. Es geht um bewaffnete Israelis, die ihre Angelegenheiten selbst regeln, um codierte Nachrichten, Unrechtsbewusstsein und Hamburger Lichtverhältnisse im Winter.
Tag 53 – Rückholung ist nicht gleich Entführung: Rechtsweg, Rückholung, Entführung: Im Block-Prozess wird zunehmend entscheidend, wer welche Stufe der geplanten Rückkehr der Kinder kannte und billigte. Der Verteidiger von Blocks Familienanwalt attackiert an Tag 53 die Schlüsselzeugin.
Tag 54 – "Brauchen Sie eine Pause, um ein Ablehnungsgesuch zu formulieren?": Die Befragung von Christina Blocks Psychologen R. zieht sich so in die Länge, dass es ordentlich zwischen Block-Verteidiger Bott und der Vorsitzenden Richterin Hildebrandt kracht. Die Erklärungen zu "Olgas" Befragung werden daher verschoben.
Tag 55 – "Die Gerichtssprache ist Deutsch, das denke ich mir nicht aus": Am 55. Tag beginnen die mit Spannung erwarteten Erklärungen der Verteidiger zur Befragung Keren T.s, die unter dem Decknamen "Olga" eine Schlüsselrolle gespielt haben soll. Für Nebenklagevertreter von der Meden wird es kein angenehmer Tag.
Tag 56 – Voß' großer Rundumschlag: Der Streit um zulässige Fragen und den Umgangston im Saal kocht über: Es wird sich gegenseitig korrigiert und verspottet, dann ruft Stephan Hensel ins Mikrofon. Costard-Verteidiger Voß legt sich besonders mit dem Gericht und zwei Anwälten an.
Tag 57 – "Ich habe niemals Leute manipuliert, ich habe andere Dinge getan": Ingo Bott hält eine Lesestunde. Der vermeintliche Kronzeuge Barkay erklärt bei seinem letzten Auftritt im Zeugenstand, dass er früher für den israelischen Geheimdienst gearbeitet hat. Was bleibt von der Befragung der israelischen Zeugen?
Tag 58 – Warum glaubte man anderen – den Angeklagten aber nicht?: Als eine Ermittlerin erklärt, dass das Verfahren gegen andere eingestellt wurde, weil man sich auf deren Wort verlassen habe, kochen im Block-Prozess die Emotionen über. Misst die Staatsanwaltschaft mit zweierlei Maß?
Tag 59 – die Kammer denkt an den August, die Verteidigung an den BGH: Was darf eine zentrale Ermittlerin zum Block-Komplex aussagen? Am 59. Verhandlungstag zeichnet sich ab: Die Verteidiger bereiten sich schon auf die Revision vor. Und der Abschluss des Prozesses im August lässt sich wohl nicht mehr halten.
Tag 60 – Die Antwort auf alle Fragen lautet "David Barkay": Der zweite mutmaßliche Fluchtwagenfahrer berichtet per Videoschalte von der Entführung in der Silvesternacht: Beim Chef der Israelis, David Barkay, seien alle Fäden zusammengelaufen. Christina Block könnte noch etwas anderes gelegen kommen.
Tag 61 – "Sie war wie Prinzessin Diana": Kafka, Diana und David Barkay: Die Block-Verteidigung versucht, den mutmaßlichen Chef-Entführer als Strippenzieher darzustellen. Wer brachte die Kinder zuerst in Gefahr? "Profis" hätten bei der Aktion wohl nie mitgemacht.
Tag 62 – Der Entführer, der James Bond sein wollte: Ein Model aus GNTM weint nach einer Ansprache von Christina Block, wird zum Entführer und trinkt später angeblich mit einem Polizeihund aus einer Pfütze. Der Block-Prozess wird immer bizarrer – und zugleich immer schwerer aufzuklären.
Tag 63 – Letzter Entführer macht Christina Block verantwortlich: Sündenbock oder Selbsterhaltungs-Lügner mit Gewissen? Als letzter Zeuge der Kammer schildert der mutmaßliche Entführer Jonathan G., wie David Barkay ihn manipuliert habe – und macht auch Christina Block persönlich verantwortlich.
Tag 64 – Doch noch ein Haftbefehl gegen Christina Block?: Eskalation im Block-Prozess: Hat die Hauptangeklagte versucht, die Gutachterin ihrer Kinder zu beeinflussen? Die Vorsitzende lässt vor dem Ausschluss der Öffentlichkeit die Bombe platzen. Muss Block auf den letzten Metern noch in U-Haft?
Tag 65 – Entscheidende Stunden hinter verschlossenen Türen: Die kinderpsychiatrische Gutachterin sagt bei ausgeschlossener Öffentlichkeit aus. Es geht um die psychischen Schäden, die die entführten Kinder erlitten – und damit möglicherweise um die Frage, ob Christina Block ins Gefängnis muss.
Tag 66 – Ausgerechnet auf der Zielgeraden meldet sich der nächste Israeli: Eigentlich hat das Gericht sein Beweisprogramm schon für abgeschlossen erklärt, da meldet sich der nächste, mutmaßlich an der Entführung in der Silvesternacht beteiligte Israeli. Muss die Kammer diesen möglichen Zeugen jetzt anhören?
Tag 67 – Das letzte Mal ohne die Presse: Nach vier Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit steht das Ergebnis des Gutachtens zu den zwei Block-Kindern fest. Mutter Christina Block trägt Schwarz, Vater Stephan Hensel ist abwesend. Immerhin: Ohne die Presse geht es gut voran.
Tag 68 – "Es geht nicht darum, ob Frau Block eine gute Mutter ist": Wieder öffentlich, wird die Kammer im Block-Prozess mit Anträgen überschüttet. Die Gutachtenerstattung wirkt noch nach, es wird viel diskutiert und am Ende macht die Vorsitzende der Verteidigung eine emotionale Ansage.
Tag 69 – Anwältin belächelt Eintrag ins "Klassenbuch": Ein durchgestochenes Gutachten, eine Richterin, die nicht Wachhund sein will, und eine Alarmanlage. Bei der Befragung einer Polizistin kommt es zu Schrei-Duellen. Dann ist alles schneller vorbei als gedacht, am Tag 69 im Block-Prozess.
Tag 70 – Verteidiger werfen Ermittlern schlampige Arbeit vor: An Tag 70 im Block-Prozess nimmt die Kammer Erklärungen zur abgeschlossenen Vernehmung der Hauptermittlerin B. entgegen. Dabei könnte sich ein belastender Verdacht der Verteidigung bestätigt haben, der fast so alt ist wie der Prozess selbst.
Tag 71 – Staatsanwaltschaft räumt Fehler ein: "Das ist peinlich": Gerhard Dellings Smartphone, Christina Blocks Tagebuch und die Prozessplanung bringen die Stimmung auf einen neuen Tiefpunkt. Statt der erwarteten Aussage von Christina Block, gibt es ein unerwartetes Eingeständnis der Staatsanwaltschaft.
Tag 72 – "Meine Liebe ist und bleibt bedingungslos": Christina Block sagt nach langer Pause wieder aus, korrigiert frühere Aussagen und schiebt die Verantwortung auf den Familienanwalt. Mit ihren Erklärungen zur Selbstleseliste halten einige Verteidiger ihre letzten großen öffentlichen Worte.
Tag 73 – "Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen": Block liest weinend aus ihrem Tagebuch vor, ringt um Erklärungen, vier Stunden lang. Ihre wohl letzte öffentliche Einlassung wird zum Drahtseilakt. Und die Richterin macht eine plötzliche Ankündigung.
Tag 74 – Die Bande der Verteidiger brechen: Die Verteidiger unterstützen sich bisher gegenseitig, um das jeweils Beste für ihre Mandanten herauszuholen. Vor der Prozesspause bekriegen sie sich aber untereinander und blasen zum Großangriff auf Blocks Verteidigungslinie – doch die hält.
Tag 75 – "Ganz klar, dass die Angeklagte Block nicht schuldig ist": Christina Blocks Ex-Verteidiger legt als Zeuge einen mindestens selbstbewussten Auftritt hin, während das Gericht vom "Maulkorb-Paragrafen" Gebrauch macht. Die Dynamik im Block-Prozess lässt auch auf den letzten Metern einfach nicht nach.
Tag 76 – Will das Gericht der Verteidigung die Zeit abschneiden?: Die Kammer drängt den Prozess Richtung Ende, die Verteidigung ist aber noch nicht fertig: Es wird weiter um die Einsicht in Beweismittel bei der Polizei gekämpft und die Cousine von Christina Block trifft eine späte und harte Ankündigung.
Tag 77 – Block-Tochter sagt zwar nicht vor Gericht aus, aber im Podcast: Am 77. Prozesstag geht es zunächst um Zeugenfragen. Was wusste Hamburgs Innensenator Andy Grote über die Block-Entführung – und muss er vor Gericht aussagen? Die eigentliche Bombe des Tages platzt, als alle Beteiligten wieder zu Hause sind.
Tag 78 – "Frau Block konnte erstmals nach zwei Jahren die Stimme ihrer Tochter hören": Gerhard Delling lässt sich ausführlich ein und berichtet von "dunklen Stunden" und Chaos am Neujahrstag. Der Podcast-Auftritt der Block-Tochter sorgt für Bestürzung – und alles wartet gespannt auf Stephan Hensels Reaktion.
Tag 79 – "Hätten Sie nicht ebenso gehandelt?": Eine Sonderkonstellation im Strafrecht könnte für die Block-Cousine Uta B. und ihren Mann Mark B. entscheidend werden. Ob die Argumentation ihrer Anwälte zieht? Außerdem ist Stephan Hensel erneut als Zeuge geladen – es dürfte knallen.
Tag 80 – "Pervertierung des deutschen Rechts": Am 80. Prozesstag nimmt der Prozess wieder Fahrt auf. Ex-Mann Hensel will nicht aussagen, obwohl er zuvor im Zeit-Podcast sprach. Kann Hensel trotz des Ehekriegs die Aussage verweigern? Und muss nun die Zeit-Journalistin vor Gericht aussagen?
Tag 81 – Ein Tag, den es nicht gebraucht hätte: Nach über 80 Verhandlungstagen hätte man sich den 81. wohl sparen können: Kaum eine halbe Stunde geht er, Beweisprogramm gibt es keins. Für Unruhe sorgen Entwicklungen bei den IT-Asservaten – und die Verhaftung von Ex-BND-Chef Hanning.
Tag 82 – Durchsuchungsbeschluss mit Lücken: Der Zeit-Podcast hat die Kammer aufgeweckt, diese könnte aber mit ihrem Durchsuchungsbeschluss rechtlich zu weit gegangen sein. Podcast-Journalistin Kunze spricht gegenüber LTO von einem "schwarzen Tag". LTO hat sich den Beschluss angeschaut.
Zitiervorschlag
Auftritt der Kinder im Zeit-Podcast zum Block-Prozess:
. In: Legal Tribune Online,
19.10.2026
, https://www.lto.de/persistent/a_id/61179 (abgerufen am:
26.10.2026
)
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