Eine höhere Beitragsbemessungsgrenze könnte Beiträge für viele senken. Unsere Rechnung zeigt, wer bis zu 477 Euro spart und wer mehr zahlt.
Wer mehr als 69.750 Euro in diesem Jahr verdient, zahlt auf den Mehrverdienst keine Krankenkassenbeiträge mehr. Die Beitragsbemessungsgrenze zu erhöhen oder abzuschaffen, könnte dabei vielen helfen.
Ohne Beitragsbemessungsgrenze hätten die Krankenkassen rund 30 Milliarden Euro mehr Einnahmen pro Jahr. Würde diese Summe dazu eingesetzt, die Beiträge zu senken, läge der durchschnittliche Zusatzbeitrag statt bei 3,1 nur noch bei 1,7 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Musterrechnung von uns. Es gibt aber mehrere Haken.
Die Krankenkassen in Deutschland finanzieren sich zum Großteil durch die Beiträge der gesetzlich Versicherten. Auf das beitragspflichtige Einkommen werden in der gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich 14,6 Prozent allgemeiner Beitrag erhoben. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Er liegt im Durchschnitt derzeit bei rund 3,1 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen beide Beiträge je zur Hälfte.
Es gibt aber einen Deckel. Beiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig. Die liegt dieses Jahr bei 69.750 Euro Bruttoeinkommen im Jahr oder 5812,50 Euro im Monat. Im kommenden Jahr könnte sie nach einem Entwurf des Bundessozialministeriums auf 76.500 Euro im Jahr oder 6375 Euro im Monat steigen.
Eine solche Erhöhung steigert auch die Einnahmen der Kassen. Bei 76.500 Euro als neuer Grenze müssten alle, die mehr als 69.750 Euro verdienen und gesetzlich versichert sind, Beiträge auf maximal 6750 Euro zusätzliches Einkommen bezahlen. Bei den aktuellen Beitragssätzen wären das Mehrkosten von rund 597 Euro im Jahr für Arbeitnehmer. Die Krankenkassen benötigen die zusätzlichen Einnahmen, um die steigenden Kosten von Ärzten, Krankenhäusern, Therapien, medizinischen Geräten, Arznei- und Hilfsmitteln zu bezahlen.
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Steigende Einnahmen aus einer Erhöhung oder gar Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze könnten aber auch dafür eingesetzt werden, die Beiträge für alle Versicherten zu senken. Wir haben das für mehrere Musterfälle durchgerechnet.
Während alle, die unter der heutigen Beitragsbemessungsgrenze liegen, Beiträge sparen würden, müssten viele mit Einkommen darüber mehr bezahlen. Schon bei einer Anhebung der Grenze auf 75.000 Euro liegt die zusätzliche Belastung für alle mit mindestens diesem Bruttojahresgehalt bei 400 Euro. Bei 80.000 Euro würden alle ab diesem Gehalt rund 788 Euro mehr pro Jahr bezahlen. Bei 90.000 Euro läge die maximale Mehrbelastung bei rund 1574 Euro. Steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf 100.000 Euro, sind es für Menschen mit höherem Einkommen sogar 2375 Euro extra.
Für alle, deren Einkommen zwischen der heutigen und der fiktiven künftigen Grenze läge, ergäbe sich aber eine kuriose Situation. Je stärker die Bundesregierung die Beitragsbemessungsgrenze anheben würde, umso geringer wäre ihre Mehrbelastung. Das liegt daran, dass mit höheren Grenzen die Beitragssätze stärker sinken würden. So wäre ein Wegfall der Grenze für Menschen mit sechsstelligem Einkommen auch günstiger als nur eine Anhebung auf 100.000 Euro.
Die von uns errechneten Zahlen beruhen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Einkommensverteilung. Zudem nehmen wir die Zahlen des aktuellen Jahresberichts des Bundesamtes für soziale Sicherung für die Beitragsbasis, also die Summe der beitragspflichtigen Einkommen. Bei besonders hohen Einkommen von mehr als 96.000 Euro pro Jahr gibt es keine genauen Verteilungsdaten mehr. Hier hilft eine Rechnung von Heinz Rothgang. Der Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Bremen hatte für die Linke 2021 ausgerechnet, dass eine Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze zu Mehreinnahmen von 25 Milliarden Euro führen würde. Sie beruhte auf Zahlen aus dem Jahr 2018. Hochgerechnet auf 2026 wären es 30,4 Milliarden Euro.
Neben dieser notwendigen Schätzung für besonders hohe Einkommen ist die Rechnung aber noch an anderen Stellen stark vereinfacht.
„Wieso eigentlich immer die Einnahmenseite erhöhen?“
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