Wohnen, Lebensmittel, Strom, Autos: Nach fast fünf Jahren auf der Insel zeigt Nicolas Kreutter, womit Auswanderer in Irland wirklich rechnen müssen.
Wohnen, Lebensmittel, Strom und Autos: Nach fast fünf Jahren auf der Insel zeigt Nicolas Kreutter, womit Auswanderer in Irland wirklich rechnen müssen.
Aus irgendeinem Grund hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass das Leben in Irland günstiger sei als in Deutschland. Doch in den fast fünf Jahren, die ich inzwischen mit meiner Familie hier lebe, haben wir immer wieder Auswanderer gesehen, die hier ihr blaues Wunder erlebt haben.
Auch in meinem Auswanderer-Podcast „Einfach Aussteigen“ erfahre ich oft, dass die tatsächlichen Lebenshaltungskosten eines Landes vor der Auswanderung unterschätzt werden.
Nicolas Kreutter ist Journalist, Buchautor und Gründer des Auswanderer-Podcasts „Einfach aussteigen“. Er ist selbst zweimal ausgewandert und Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Als wir 2022 nach Irland ausgewandert sind, haben wir für unser erstes Haus 1600 Euro im Monat bezahlt. Das fanden wir damals schon nicht gerade günstig. Heute wäre das größere Problem allerdings, überhaupt ein vergleichbares Haus zur Miete zu finden.
Irland steckt seit Jahren in einer massiven Wohnungskrise. Und auch Kaufen ist deutlich teurer geworden. Im dritten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Angebotspreis einer Immobilie landesweit bei knapp 445.000 Euro. Wohlgemerkt: Das ist der sogenannte Asking Price und nicht zwingend der Preis, zu dem das Haus am Ende verkauft wird. Die Angebotspreise sind inzwischen 44 Prozent höher als noch vor Corona und sie steigen aufgrund der Wohnungsnot weiter.
Wir haben unser Haus im Südosten der Insel im Jahr 2022 gekauft. Für etwas Vergleichbares müssten wir hier in unserer Gegend heute nach meiner Einschätzung locker 20 Prozent mehr bezahlen.
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Unsere aktuelle Stromrechnung zeigt ziemlich gut, was Energie hier kostet: Für die vergangenen zwei Monate haben wir 245,81 Euro bezahlt – und das im Sommer. Tagsüber kostet uns die Kilowattstunde rund 42 Cent, zu Spitzenzeiten sogar rund 47 Cent.
Geheizt wird bei uns allerdings gar nicht mit Strom. Wir nutzen Öl und Pellets und geben dafür zusätzlich rund 2000 Euro im Jahr aus. Gerade Heizöl ist in diesem Jahr wieder deutlich teurer geworden – wie in vielen Ländern.
Im Supermarkt fällt der Unterschied weniger extrem aus. Ein Liter Milch kostet rund 1,40 Euro, zwölf Eier knapp 4 Euro, ein Kilo Hähnchenfilet gut 10 Euro und ein Kilo Tomaten rund 4 Euro.
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Teuer wird es dagegen beim Ausgehen. Für ein normales Hauptgericht im Restaurant zahlt man inzwischen schnell 25 Euro, Kindergerichte gibt es selten unter 10 Euro. Selbst am Foodtruck kommen Burger, Pommes und ein Bier bei uns auf etwa 20 Euro pro Person.
Wer raucht oder Alkohol trinkt, merkt den Unterschied noch stärker. Eine Packung Zigaretten kostet inzwischen rund 19 Euro, eine durchschnittliche Flasche Wein etwa 12 Euro. Tatsächlich gehören Alkohol und vor allem Tabak in Irland zu den teuersten in der gesamten EU.
Was viele Auswanderer ebenfalls unterschätzen, sind die Autopreise. Irland ist ein kleiner Markt, viele Fahrzeuge werden importiert und bei der Registrierung fällt zusätzlich die Vehicle Registration Tax an. Das macht sowohl Neu- als auch viele importierte Gebrauchtwagen teuer.
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Und auch das Tanken geht ins Geld – ist allerdings noch etwas günstiger als aktuell in Deutschland: Für einen Liter Diesel zahle ich rund 2,15 Euro, und auch in den vergangenen Monaten lag der Preis nur selten unter zwei Euro.
Wir haben uns zusätzlich für eine private Krankenversicherung entschieden. Ich zahle dafür 260 Euro im Monat, meine Frau und unser Sohn zusammen weitere 330 Euro. Macht 590 Euro jeden Monat.
Verpflichtend ist eine private Krankenversicherung in Irland allerdings nicht. Wer ausschließlich das öffentliche Gesundheitssystem nutzt, hat diese monatlichen Kosten nicht. Ganz kostenlos ist die medizinische Versorgung deshalb aber nicht: Wer keine Medical Card oder GP Visit Card hat, zahlt einen normalen Hausarztbesuch in der Regel selbst – bei uns sind das etwa 70 Euro.
Nach fast fünf Jahren fällt mir auch immer wieder auf, dass bestimmte Dienstleistungen günstiger sein können als in Deutschland. Für Handwerker, Autowerkstätten oder den Friseur zahlen wir hier häufig weniger.
Trotzdem würde ich aus unserer persönlichen Erfahrung sagen: Wer aus Deutschland kommt, sollte für einen vergleichbaren Lebensstandard in Irland grob 15 bis 20 Prozent mehr Budget einplanen.
Das ist keine statistische Größe und hängt natürlich stark davon ab, wo und wie man lebt. Aber viele kleinere Unterschiede summieren sich – dazu kommt der gefühlte „Inselzuschlag“: Irland ist ein vergleichsweise kleiner Markt und viele Waren müssen auf die Insel gebracht werden.
Irland ist für uns trotz der hohen Kosten zum idealen Zuhause geworden. Aber die grüne Insel gibt es eben nicht zum Schnäppchenpreis. Wer mit deutschen Lebenshaltungskosten kalkuliert, kann hier ziemlich schnell eine böse Überraschung erleben.