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Vom Ukraine-Szenario beim Gas sind wir weit entfernt

Дата публикации: 02-10-2026 05:26:00

Die globale Erdgasversorgung ist weiter gestört. An den Märkten werden längerfristige Unterbrechungen eingepreist. Erwartet uns ein Preisschock?

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Die globale Erdgasversorgung ist weiter gestört. An den Märkten werden längerfristige Unterbrechungen eingepreist. Erwartet uns ein Preisschock?

Erdgas wird im Großhandel immer teurer. An der niederländischen Börse kostet Gas aktuell (29. September) um die 70 Euro pro Megawattstunde. Noch Ende Juni hatten sie rund 44 Euro gekostet – es bestand Hoffnung, dass sich die Lage am Persischen Golf beruhigt. Je länger der Konflikt anhält, umso geringer wird sie. Im Gegenteil, die Auswirkungen erinnern stark an den Ukraine-Krieg. Er hatte vor ein paar Jahren für den höchsten Anstieg der Großhandels-Gaspreise der Geschichte gesorgt. Wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario im Irankrieg?

Was Sie dazu wissen müssen:

  • Es kommt wieder etwas mehr Gas aus Katar durch die Straße von Hormus.
  • Die Preise im Großhandel sind gegenüber Sommer noch deutlich erhöht.
  • Für ein Szenario wie im Ukraine-Krieg fehlt aber noch der notwendige Druck.
  • Dieser könnte entstehen, wenn die Bundesregierung Gas zukauft.
340 Euro pro Megawattstunde

Für den Vergleich ist ein Blick ins späte Jahr 2021 wichtig. Die Gaspreise waren schon lange vor dem russischen Angriff deutlich gestiegen, wenn auch nur punktuell. Damals lief die Weltwirtschaft nach der Coronavirus-Pandemie wieder warm und die internationale Nachfrage war gestiegen. Der russische Angriff hat die Lage deutlich verschärft: Die Gaslieferungen von Russland nach Deutschland kamen zum Erliegen.

Gaspreise im Überblick:

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  • 11. Oktober 2021: 93,6 Euro pro Megawattstunde
  • 22. August 2022: 340 Euro/mWh
  • 5. Dezember 2022: 139 Euro/mWh
  • 20. Februar 2023: 51 Euro/mWh

Der Preis fiel schnell wieder, aber es dauerte Monate, bis er auf das Vorkrisenniveau gefallen war. Die Zahlen zeigen: Um den Rekord zu erreichen, müsste Gas noch um die 270 Euro pro Megawattstunde teurer werden. Das funktioniert für gewöhnlich nicht über Nacht. Selbst dann, wenn der Preis stetig steigt, würde es bis ins neue Jahr dauern, bis der TTF-Preis an den Rekordwert heranreicht.

Bei den Haushalten kam die Rekordjagd verspätet an. Laut BDEW lag der durchschnittliche Erdgaspreis für Haushalte im Jahr 2023 mit 14,35 Cent pro Kilowattstunde deutlich über dem von 2022 – obwohl sich Gas im Großhandel da wieder weitgehend beruhigt hatte.

Beschaffung, Netzentgelt, Steuern

Diese Verzögerung ergibt sich aus der Art und Weise, wie sich der Gaspreis zusammensetzt, und am Kaufverhalten der Energiekonzerne. Entscheidend sind diese drei Bestandteile:

  1. der Preis für die Beschaffung und den Vertrieb des Gases
  2. Netzentgelt
  3. staatlich veranlasste Preisbestandteile wie Steuern und die Konzessionsabgabe

Weil viele Energieversorger ihre Energie langfristig beschaffen, können sie Marktschwankungen abfedern, solange sie nur kurz anhalten. Wegen der Eigenheit bei der Beschaffung war der erste Iran-Schock im Frühjahr 2026 nicht bei den Verbrauchern angekommen. Je länger die Krise aber anhält, umso teurer wird es für die Unternehmen, weil sie zwangsläufig irgendwann das teurere Gas einkaufen müssen. Und je teurer die Beschaffung für die Unternehmen wird, umso mehr zahlen die Verbraucher am Ende, weil die Unternehmen die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben.

Zusammengefasst: Energie wird erst mit Verzug teurer. Dafür kann sie auch dann noch teuer sein, wenn eine Krise bereits vorüber ist.

Szenarien für massiven Gaspreis-Schub

Die Ausgangslage am Persischen Golf hat sich Richtung Ende September etwas gebessert. Internationalen Medien zufolge schafft Katar es, mehr flüssiges Erdgas (LNG) durch die Straße von Hormus zu bringen. Mehr Gas auf dem Markt bedeutet grob gesagt sinkende Preise. Es ist auch nicht so, dass die Situation sich groß verschlimmern kann, denn es ist über die letzten Monate ohnehin wenig Gas durch die wichtige Meerenge gelangt.

Allerdings gibt es zwei Szenarien, in denen die Gasbeschaffung massiv teurer werden kann.

Nummer eins: Die Bundesregierung weist Trading Hub Europe an, physisches Gas zu kaufen. Der Schritt gilt als eine der möglichen Notlösungen, um die deutschen Gasspeicher zu befüllen. Marktbeobachter fürchten in dem Fall einen größeren Anstieg der Großhandelspreise. Allerdings sieht die Bundesregierung ein solches Szenario noch nicht gekommen.

Nummer zwei: Die USA unter Präsident Donald Trump schränken ihre LNG-Lieferungen ein. Aktuell gibt es dafür keine Anzeichen, allerdings denkt die Regierung derzeit über Diesel-Exportbeschränkungen nach wegen der hohen Dieselpreise im Land. Sollte das Gas knapp oder teuer werden – etwa im Zuge eines kalten Winters – wäre ein ähnlicher Schritt eben genauso beim LNG denkbar.

Keine Anzeichen für Versorgungs-Engpass

Sollte sich die Lage stabil halten, besteht nicht viel Grund zur Sorge. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gibt aktuell auf ganzer Linie Entwarnung. Die Lage sei zwar etwas angespannter als in den vergangenen Jahren, aber es gebe keine Anzeichen für einen Versorgungsengpass.

„Staatliche Eingriffe sollten höchst sorgsam überlegt sein, denn sie beeinflussen das Marktgeschehen und damit die Preise“, heißt es aus dem BMWE.

Eine Maßnahme weicht jedoch von der Routine der vergangenen Jahre ab: Trading Hub Europe führt eine Sonderausschreibung für Long-Term-Options (LTO) schon jetzt durch, obwohl die in den vergangenen Jahren eher zum Jahresende stattfand. Diese Ausschreibung soll den Netzbetrieb sicherstellen.

Zuletzt sieht die Bundesregierung auch keine Bedrohung durch US-Lieferstopps für LNG.

„Die USA haben sehr große Gasvorkommen und es existieren Langfrist-Verträge. Es liegen uns keine Anzeichen vor, dass die USA ihren Verpflichtungen nicht nachkommen“, sagt eine BMWE-Sprecherin zu FOCUS online.

Insgesamt fünf LNG-Terminals nehmen Lieferungen nach Deutschland an. Ein Großteil davon kommt aus den USA.

Verbraucher, die sich schon jetzt vor etwaigen Schwankungen im Gaspreis und daraus folgenden Preisanpassungen ihrer Energieanbieter schützen wollen, können das mittels sogenannter Preisgarantietarife tun. Diese fixieren einen bestimmten Preis für Strom und Gas, der sich auch dann nicht ändert, wenn geopolitische Krisen die Kosten für die Unternehmen nach oben treiben.

  1. Öl- und Gasheizung optimieren: Spezielle Absenkungszeiten zu programmieren, kann Heizkosten sparen. Moderne Systeme können außerdem individuelle Einstellungen für Werktag und Wochenende haben. Gar nicht zu heizen, begünstigt Schimmelbildung.
  2. Heizkörper entlüften: Der Heizkörper wird nicht vollständig warm oder macht seltsame Geräusche? Das können Hinweise darauf sein, dass zu viel Luft darin zirkuliert. In solchen Fällen muss die Heizungsanlage mehr Energie aufwenden, um einen Raum zu erwärmen.
  3. Thermostat auf Wohlfühltemperatur: Schimmel bei zu kalten Räumen, teure Energie bei zu warmen – jeder Raum sollte im besten Fall die optimale Temperatur haben. Das lässt sich mit einem Heizungsthermostaten einrichten. Die Verbraucherzentrale rät zu Stufe 3: Damit ist der Raum um die 20 Grad Celsius warm und damit auf der optimalen Temperatur.
  4. Heizkörper freihalten: Wenn Heizkörper mit Decken oder Kissen behängt oder blockiert sind, können sie ihre volle Wärmeleistung nicht gleichmäßig in den Raum abgeben.
  5. Auf dichte Türen und Fenster achten: Undichte Türen und Fenster kosten Geld: Durch sie entweicht warme Luft, was direkt zu einem größeren Heizbedarf führt und damit zu mehr Energieverbrauch.
  6. Energieverträge prüfen: Das nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, kann aber Hunderte von Euro pro Jahr sparen. Wer regelmäßig Vergleiche anstellt, kann durch einen Wechsel (sowohl beim Strom- als auch beim Gasvertrag) einen günstigeren Vertrag bekommen.

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