Der Irankrieg lässt Dieselpreise weltweit in die Höhe schnellen, was Staatshaushalte strapaziert, zusätzliche Kosten für Unternehmen verursacht und Vertriebsketten vom Bauernhof zum Hafen lahmlegt.
Der Irankrieg lässt Dieselpreise weltweit in die Höhe schnellen, was Staatshaushalte strapaziert, zusätzliche Kosten für Unternehmen verursacht und Vertriebsketten vom Bauernhof zum Hafen lahmlegt.
Nun droht Präsident Donald Trump damit, den Dieselexport der Vereinigten Staaten, die der wichtigste Lieferant für mehr als ein Dutzend Länder – einschließlich Mexiko, Kanada und eines großen Teils Europas – sind, zu verbieten oder einzuschränken. Ölmanager und Staats- und Regierungschefs sprechen zunehmend eindringliche Warnungen aus, dass die Folge weltweite Preissprünge bei allem von Lebensmitteln bis hin zu Flugbenzin sein könnten.
„Ich denke, das hätte eine ganze Menge an Konsequenzen, die in Betracht gezogen werden müssen“, so Meg O’Neill, CEO des britischen Ölriesen BP, in einem Interview am Donnerstag.
O’Neill merkte an, dass die Diskussion über ein Verbot zu einem Zeitpunkt kommt, an dem BP und andere Ölgesellschaften darauf fokussiert sind, „jeden Tag so viel durch unser System zu schleusen, wie wir überhaupt können, und zu versuchen, jeden Liter Benzin oder Diesel zu unseren Kunden zu bringen“.
Diesel, unter den Treibstoffen oft als das Arbeitspferd der Weltwirtschaft bezeichnet, wird in Raffinerien aus Rohöl hergestellt. Er treibt die schweren Maschinen, Lastwagen, Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte an, die für die Schwerindustrie essentiell sind. Wenn Dieselpreise steigen, dann steigen auch Fracht- und andere Transportkosten, was sich oft kaskadenartig in höhere Preise für Dinge wie Essen im Supermarkt oder sogar Benzin an der Zapfsäule niederschlägt – denn die Schwerlast-Tankwagen, die den Treibstoff liefern, fahren selbst mit Diesel.
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Der Hauptgrund für den Preissprung ist ein Mangel an Raffineriekapazitäten aufgrund des Irankriegs. Raketenangriffe haben Raffinerien im Nahen Osten beschädigt und die Störungen der Schifffahrt in der Region haben den Transport erschwert. Zudem hat die Ukraine mehrere russische Raffinerien angegriffen und beschädigt. Das hat Russland, einen wichtigen Exporteur, dazu gezwungen, seinen Dieselvorrat zu horten.
In den Vereinigten Staaten kletterten die Verbraucherpreise für Diesel auf ein Rekordhoch von mehr als 6,50 Dollar pro Gallone – beinahe 70 Prozent höher als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Das setzt Trump und die Republikaner unter immensen Druck, Wege zur Kostensenkung zu finden, insbesondere vor den Zwischenwahlen im November.
In Europa und in Großbritannien ist der Dieselpreis seit Mitte Juni um 40 Prozent gestiegen. In Kanada sind die Preise in den letzten zwölf Wochen auf Rekordhöhen von mehr als zwei kanadischen Dollar pro Liter geklettert – eine Steigerung von circa 59 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg. An einigen Orten führen Dieselknappheit und hohe Treibstoffkosten dazu, dass Bewässerungspumpen trockenstehen, was die Reisernten beeinträchtigt.
Analysten warnen beinahe im Einklang davor, dass die Folge – sollten die Vereinigten Staaten ihren Diesel vom Weltmarkt fernhalten – zwar eine kurzfristige Preissenkung für Amerikaner wäre, dem Rest der Welt jedoch rasch schaden würde. Selbst in den Vereinigten Staaten, warnen viele, wäre ein Verbot schnell selbstzerstörerisch.
„Das wäre ein gewaltiger Schock und Schlag“, so Robert McNally, Präsident des Washingtoner Forschungs- und Beratungsunternehmens Rapidan Energy Group. „Dem Rest der Welt bliebe nichts anderes übrig, als einen riesigen Preisanstieg für Diesel hinzunehmen“, fuhr er fort.
Capital Economics, ein Forschungsunternehmen mit Sitz in London, warnte davor, dass ein US-Diesel-Exportverbot einen Schock verursachen könnte, der mit der Erdgaskrise in Europa nach Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 vergleichbar wäre. In dessen Folge stiegen Gaspreise laut der Europäischen Zentralbank um mehr als 180 Prozent.
Trump deutete am Mittwoch an, dass er nach wie vor ein Verbot in Erwägung ziehe. „Ich denke drüber nach“, erklärte er.
Ben Dietderich, ein Sprecher des US-Energieministers Chris Wright, sagte, dass Vertreter der Trump-Regierung „weiterhin eng zusammenarbeiten, während sie eine Reihe an Möglichkeiten abwägen, um dem amerikanischen Volk zu helfen, die Energiekosten zu senken“.
Ein US-Exportverbot von Diesel würde schweren Schaden in Europa anrichten, das seit dem Verlust russischer Lieferungen zunehmend abhängig von amerikanischem Treibstoff geworden ist.
Der Kontinent geht außerdem mit Gasspeichern auf Mehrjahrestiefständen in den Winter, was von den Störungen im Nahen Osten getrieben wird.
„Europa ist eine der am stärksten gefährdeten Regionen, wenn nicht die am stärksten gefährdete, was Diesel angeht, weil Europa eine riesige Menge an Diesel importiert, und wir in die harte Jahreszeit, die Winterzeit, eintreten“, erklärte Fatih Birol, Leiter der Internationalen Energieagentur, diese Woche bei einem Treffen der EU-Energieminister in Dublin.
Europa importiert nach Angaben des Marktdatenunternehmens S&P Global ungefähr 1,5 Millionen Barrel pro Tag, wobei ein Drittel davon aus den Vereinigten Staaten stammt. Die Abhängigkeit von amerikanischen Importen wird durch einen Rückgang europäischer Raffinerien in den letzten Jahren aufgrund hoher Betriebskosten und Klimaregulierungen noch erschwert.
Grundsätzlich erwarten Analysten, dass Asien von einem potentiellen US-Verbot von Dieselexporten weniger direkt betroffen wäre als andere Regionen, einschließlich Europa. Das liege daran, dass Asien seinen Bedarf hauptsächlich von örtlichen Herstellern bezieht, darunter Südkorea und China, die zu den größten der Welt gehören.
Asien ist gewöhnlich ein Nettoexporteur von Diesel und erhält laut Vortexa, einem Rohstoffdatenunternehmen, jährlich nur einen kleinen Anteil an US-Dieselexporten.
Das Problem für Asien sei, dass eine verminderte Dieselversorgung in Europa, Lateinamerika und andernorts die Preise weltweit in die Höhe treiben würde, so Sushant Gupta, Forschungsleiter für Raffinerie und Öl in der Region Asien-Pazifik bei der Energieberatung Wood Mackenzie.
„Die Welt strauchelt bereits unter dem Druck der Dieselknappheit“, so Gupta. Wenn Europa der Diesel ausgehe, werde es die Preise verfügbarer Anbieter in die Höhe treiben, erklärt er. „Ob es Asien ist oder ob es Europa ist, sie sind alle global miteinander verbunden.“
Asien schafft es trotzdem, sich den Großteil des Öls zu sichern, das es braucht, jedoch zu deutlich höheren Kosten, die sich in den Dieselpreisen widerspiegeln. Die Richtpreise für in Asien verkauften Diesel sind zwar von einem Höchststand von mehr als 200 Dollar pro Barrel im März gesunken, doch mit 180 Dollar pro Barrel Mitte September bleibt das momentane Niveau auf dem doppelten Stand verglichen mit den Werten vor dem Krieg.
Zu den Ländern, die für Versorgungsengpässe und Dieselpreissteigerungen am anfälligsten sind, gehören Australien und viele Nationen in Südostasien, die die größten Dieselimporteure der Region sind.
Auf den Philippinen und andernorts hat der hohe Preis für Diesel und andere Treibstoffe zu einem Anstieg der Inflation geführt. Die Asiatische Entwicklungsbank sagt voraus, dass sich die Inflation in Entwicklungsländern Asiens und des Pazifiks von drei Prozent im Vorjahr in diesem Jahr auf 4,2 Prozent beschleunigen werde. Mehrere Regierungen, darunter Indonesien und Malaysia, haben mit Energiesubventionen begonnen, um Preise zu senken, das erhöht jedoch die staatliche Schuldenlast.
Ungewiss ist für die globalen Märkte, wie viel Diesel China, der weltweit größte Ölimporteur, in den kommenden Monaten exportieren wird. Unmittel nach dem Beginn des Kriegs im Iran schränkte China die Dieselexporte ein – ein Schritt, der die ohnehin hohen Preise für Diesel und andere Erdölprodukte für große Importeure in Asien verschärfte.
China habe jedoch, berichten Analysten, erneut damit begonnen, einige seiner größeren Exporte von raffinierten Rohölprodukten einzuschränken, darunter Diesel.
Im Moment sei „China das einzige Land, das Kapazitäten übrig hat, um mehr Rohöl zu verarbeiten, um Diesel zu produzieren“, so Gupta. Wenn die Vereinigten Staaten sich für ein Exportverbot entscheiden, „können andere große Raffinerien nicht mehr verarbeiten, um mehr Diesel zu produzieren, um diese Lücke zu schließen.“
Lisa Friedmann und River Akira Davis / The New York Times
© 2026 The New York Times Company
Dieser Artikel wurde übersetzt von Gilles Bargon
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