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Frankreichs Schulden schüren Angst vor der Eurokrise – 4 Lehren aus Griechenland zeigen, was jetzt auf dem Spiel steht

Дата публикации: 07-10-2026 05:09:00

Frankreichs Schulden setzen Europa unter Druck. Vier Lehren aus Griechenlands Krise zeigen, was Paris jetzt vermeiden muss.

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Frankreichs Schulden wecken Erinnerungen an Griechenlands Krise. Vier Lehren könnten Paris helfen, das Vertrauen der Anleger zu sichern – bevor Europa erneut eingreifen muss.

Geschlossene Banken, Schlangen vor Geldautomaten, Proteste gegen immer neue Sparprogramme: Viele erinnern sich noch an die Bilder aus Griechenland. Die Schuldenkrise bedrohte damals Ersparnisse, Jobs und den Zusammenhalt Europas.

Heute wächst die Sorge um Frankreichs Staatsfinanzen. Das Land steht zwar (noch) nicht dort, wo Griechenland damals stand. Doch es muss Antworten auf Fragen finden, die Europa schon einmal erschütterten: Wie gewinnt eine Regierung verlorenes Vertrauen zurück? Wie spart sie, ohne die Wirtschaft abzuwürgen? Und wer kann überhaupt noch helfen, wenn diesmal eine der größten Volkswirtschaften Europas in Not gerät?

Zusätzlicher Druck kommt aus den USA: Steigende Renditen amerikanischer Staatsanleihen können auch die Kreditkosten in Europa erhöhen. Frankreich trifft das in einer ohnehin angespannten Lage. Anleger verlangen bereits höhere Zinsen, weil sie an der Haushaltspolitik zweifeln. Paris muss Vertrauen zurückgewinnen, während neue Schulden teurer werden.

Lehre 1: Vertrauen zurückgewinnen, bevor es fehlt

Am Anfang stand ein Vertrauensverlust: Als Griechenlands Haushaltsdefizit weit größer ausfiel als erwartet, zweifelten Investoren zunehmend an der Zahlungsfähigkeit des Staates. Sie verlangten immer höhere Zinsen – bis diese nicht mehr tragbar waren und Griechenland den regulären Zugang zum Kapitalmarkt verlor.

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Frankreich kann zwar weiterhin Anleihen verkaufen, muss Investoren wegen hoher Defizite und politischer Unsicherheit aber zunehmend höhere Zinsen bieten. Noch hat Paris damit einen Handlungsspielraum, den Athen damals verlor. Ihn zu nutzen, bevor die Geldgeber den Kurs vorgeben, ist eine zentrale Lehre aus Griechenlands Krise.

Das heißt: Die französische Regierung muss einen glaubwürdigen Haushaltskurs durchsetzen, solange sie noch Handlungsspielraum hat. Doch das Parlament ist in drei große Lager gespalten, von denen keines allein eine Mehrheit hat. Ohne Kompromisse bleibt es bei Ankündigungen – und die reichen nicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Hohe amerikanische Anleiherenditen können indes den Zeitdruck erhöhen. Sie können die Renditeansprüche internationaler Anleger auch gegenüber europäischen Schuldnern immer weiter nach oben treiben. Frankreich müsste dann den weltweiten Zinsdruck zusätzlich zu seinem eigenen Vertrauensproblem verkraften.

Lehre 2: Ein Sparprogramm braucht eine Wachstumsstrategie

Griechenland zeigte auch, dass Sparen allein eine Schuldenkrise nicht löst. Kürzt der Staat Ausgaben und erhöht Steuern, haben Bürger und Unternehmen weniger Geld zum Ausgeben und Investieren.

Die Folge: Die Wirtschaft schrumpft, der Staat nimmt weniger Steuern ein. Trotz aller Einsparungen können die Schulden dadurch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung weiter steigen.

Die griechische Wirtschaft brach damals viel stärker ein als erwartet, hält der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) – der Rettungsfonds der Eurozone – rückblickend fest. Für Frankreich heißt das: Die Regierung muss sparen, ohne dabei die Wirtschaft zusätzlich zu schwächen.

Die Regierung braucht demnach einen Plan für mehrere Jahre und muss darauf achten, dass ihre Kürzungen Unternehmen und Bürger nicht überfordern und damit die Wirtschaft weiter schwächen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan.

Der Internationale Währungsfonds empfiehlt Frankreich entsprechend, die Haushaltskonsolidierung mit wachstumsfördernden Reformen zu verbinden. Ein politisch bequemes Weiterwirtschaften auf Kredit wäre ebenso riskant wie ein abruptes Kürzungsprogramm, das Investitionen und Nachfrage abwürgt.

Lehre 3: Die Banken dürfen nicht mitgerissen werden

Eine Staatsschuldenkrise bleibt selten im Finanzministerium. Banken halten Staatsanleihen. Verlieren diese an Wert oder werden Forderungen gekürzt, können erhebliche Verluste entstehen. Gleichzeitig gefährdet eine schwache Wirtschaft die Rückzahlung von Unternehmenskrediten.

Wie schnell eine Schuldenkrise auf andere Länder übergreifen kann, zeigte Griechenland 2012: Auch zyprische Banken hatten griechische Staatsanleihen gekauft. Als Griechenland einen Teil seiner Schulden nicht mehr zurückzahlen musste, verloren sie laut ESM mehr als vier Milliarden Euro – über 22 Prozent der damaligen Wirtschaftsleistung Zyperns.

Bei Frankreich wäre die Größenordnung erheblich größer: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat einen wesentlich größeren Schuldenberg, dessen Anleihen Banken, Versicherer und Fonds auch außerhalb Frankreichs halten. Ein Schuldenschnitt könnte deshalb deutlich höhere Verluste verursachen und das europäische Finanzsystem härter treffen.

Wie groß der Schaden wäre, hinge davon ab, wie viel Geld Frankreich nicht zurückzahlen würde – und welche Banken, Versicherer und Fonds dadurch Verluste erleiden würden. Europas Banken haben heute zwar größere finanzielle Reserven – gegen eine Krise in dieser Dimension wären sie dennoch nicht automatisch gewappnet.

Lehre 4: Mehr als Griechenlands Rettung kann der Euro-Rettungsfonds nicht stemmen

Hilfskredite verschafften Griechenland damals Zeit. Bei Frankreich würde dieselbe Strategie aber erheblich größere Mittel verlangen.

Reuters zufolge plant Paris für 2027 Anleiheausgaben von 340 Milliarden Euro. Der Euro-Rettungsfonds kann insgesamt höchstens 500 Milliarden Euro verleihen. Ein Teil davon ist bereits durch frühere Hilfskredite gebunden. Frankreichs Finanzierung über mehrere Jahre abzusichern, wäre deshalb eine erheblich größere Aufgabe als die Rettung Griechenlands.

Frankreichs wichtigste Lehre wäre deshalb, eine umfassende Abhängigkeit von Hilfsprogrammen frühzeitig zu verhindern. Je früher Paris das Vertrauen der Anleger zurückgewinnt, desto größer ist die Chance, dass Europa solche Rettungsmaßnahmen gar nicht erst braucht.

Die griechische Warnung gilt für ganz Europa

Griechenlands Krise hat gezeigt: Misstrauen macht an Grenzen nicht halt. Frankreich müsste nicht erst zahlungsunfähig werden, um andere Länder unter Druck zu setzen. Schon anhaltende Zweifel an seinen Staatsfinanzen könnten Kredite auch dort verteuern, wo sich die Haushaltslage verbessert.

Befürchten Anleger eine neue Eurokrise, könnten sie auch von anderen Staaten höhere Zinsen verlangen. Das würde wiederum deren Spielraum etwa für Schulen, Straßen oder Entlastungen der Bürger verkleinern, weil ein größerer Teil der Staatseinnahmen für Zinszahlungen gebraucht würde – selbst wenn sie ihre Finanzen besser im Griff haben als Frankreich.

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