Saudi-Arabien liefert wieder mehr Öl aus, obwohl die Spannungen am Golf bestehen. Asien soll deutlich weniger zahlen. Für Europa wird Saudi-Öl teurer.
Saudi-Arabien liefert wieder mehr Öl aus, obwohl die Spannungen am Golf bestehen. Asien soll deutlich weniger zahlen. Für Europa wird Saudi-Öl teurer.
Ein am Montag (5. Oktober) veröffentlichtes Preisdokument soll zeigen, dass Saudi-Arabien seine Ölpreise teils deutlich anpasst. Die Preise für Lieferungen nach Asien im November sind „überraschend“ auf ein Sechsjahrestief gefallen, berichtet „Reuters“. Für Nordwesteuropa und den Mittelmeerraum steigen die Preise dagegen.
Das Wichtigste in Kürze:
Saudi-Arabien hat den offiziellen Verkaufspreis für die Ölsorte „Arab Light“ für den asiatischen Markt gegenüber dem Vormonat um drei US-Dollar heruntergeschraubt. Die Sorte ist damit pro Barrel (1 Barrel entspricht 159 Liter) fünf US-Dollar unter dem Durchschnitt der Preise für Oman- und Dubai-Rohöl. Wie Reuters unter Berufung auf eigene Daten berichtete, ist das der höchste Monatsabschlag seit Juni 2020.
Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco hat den Official Selling Price (OSP) der schwereren Ölsorten „Arab Medium“ und „Arab Heavy“ für den asiatischen Markt um fünf US-Dollar gesenkt. Mit der Angelegenheit vertraute Personen hatten im Vorfeld berichtet, dass Saudi Aramco mit diesen Preisnachlässen die hohen Frachtraten kompensieren will, die asiatische Käufer zahlen. So will sich der Staatskonzern seinen Marktanteil sichern, nachdem die Hormus-Krise den globalen Ölmarkt ins Chaos gestürzt hatte.
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Die OSPs für Käufer in Nordwesteuropa steigen dagegen über alle Ölsorten um drei US-Dollar pro Barrel. Abnehmer in den USA haben keine Veränderungen am Preis zu erwarten.
Die Analysten von „Lloyd’s List“ haben festgestellt, dass mehrere Indizes, die die Frachtraten verfolgen, zuletzt drastisch angestiegen sind. Der Suezmax-Index (Strecke USA-Europa) sprang im Wochenvergleich um 150 Prozent, der für Westafrika-Europa um 145 Prozent. Suezmax-Schiffe sind von den Maßen her auf eine Passage des Suezkanals ausgerichtet. Ähnlich sieht es für VLCC-Frachtschiffe (VLCC bedeutet Very Large Crude Carrier, also große, auf Rohöl ausgelegte Schiffe) aus: Der Index für die Westafrika-China-Route stieg um 43 Prozent auf um die 700.000 US-Dollar und der für US-Golf-China um 20 Prozent.
Saudi-Arabien war über die vergangenen Monate dazu übergegangen, Schiff-zu-Schiff-Umladungen außerhalb der Straße von Hormus durchzuführen. So soll das Land Millionen von Barrels Rohöl verkauft haben – die Ölströme durch die Wasserstraße waren fast wieder auf das Vorkriegsniveau geklettert.
Darüber hinaus hat das Land Öl über eine Pipeline an den Rotmeerhafen Yanbu gebracht und von dort weiterverschifft. Zahlen von Kpler zeigen, dass die Rohölexporte des Nahen Ostens im September auf 16,3 Millionen Barrel pro Tag gestiegen sind – gegenüber dem Vorkriegsniveau fehlen der Region nurmehr drei Millionen Barrel täglich.
Die verschiedenen Maßnahmen, die Saudi-Arabien verfolgt, um die Exporte wieder anzutreiben, funktionieren, sind aber teuer und teils kompliziert. Der Rohölpreis der Sorte West Texas Intermediate sinkt zwar derzeit deutlich (87 US-Dollar pro Barrel am 6. Oktober), ist aber im Vergleich zum Januar noch stark erhöht.
Für Europa haben diese Preisanpassungen mehrere Seiten. Saudi-Arabien ist mit unter sieben Prozent eher ein kleinerer Zulieferer für die Europäische Union – viel wichtiger sind die USA (14,6 Prozent) und Norwegen (12,8 Prozent). Billigeres Öl für Asien kann bedeuten, dass Asien andere Teile des Weltmarkts dafür weniger stark beansprucht.