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Neue Galeria-Insolvenz: Das Milliardengeschäft hinter dem Absturz

Дата публикации: 21-10-2026 15:56:00

Galeria ist erneut insolvent. Hohe Mieten und fallende Immobilienwerte verschärfen die Krise. Warum nun auch Eigentümer, Banken und Fonds unter Druck geraten.

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Vier Insolvenzen in sechs Jahren, mehr als 11.000 Beschäftigte in Sorge: Galeria scheitert nicht nur am Wandel des Einzelhandels. Auch das riskante Geschäft mit Kaufhausimmobilien belastet den Konzern.

Galeria ist wieder pleite. Zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren hat Deutschlands einst größter Warenhauskonzern Insolvenz angemeldet. Mehr als 11.000 Beschäftigte sind betroffen, die 83 verbliebenen Filialen sollen vorerst geöffnet bleiben. Bis Dezember erhalten die Mitarbeiter Insolvenzgeld. Danach ist ihre Zukunft ungewiss. Dabei haben Gläubiger bereits Milliarden abgeschrieben, Beschäftigte auf Gehalt verzichtet und Investoren wiederholt einen Neuanfang versprochen. Warum reicht es trotzdem nicht?

Das teure Geschäft mit den Warenhäusern

Ein Teil der Antwort liegt außerhalb der Warenhäuser. Ihre Gebäude wurden über Jahrzehnte zu begehrten Anlageobjekten. Investoren kauften sie, verlangten hohe Mieten und kalkulierten mit steigenden Immobilienwerten.

Für die Eigentümer war das ein einträgliches Geschäft. Für den Warenhauskonzern wurden die Mieten zunehmend zur Belastung. Inzwischen fallen die Immobilienpreise, und die Verluste treffen auch jene, die am Geschäft mit den Kaufhäusern verdienen wollten.

Immer neue Rettungen, immer weniger Kaufhäuser

Die jüngste Insolvenz hatte sich abgezeichnet. Bereits im Frühjahr 2026 klagten Vermieter über ausbleibende Mietzahlungen. Im Juni sicherte sich Galeria eine Finanzierung über bis zu 160 Millionen Euro vom US-Unternehmen Gordon Brothers. Einen Monat später stellte das Management 33 Standorte infrage.

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Anfang Oktober ging es erneut zum Insolvenzgericht. Das Amtsgericht Düsseldorf bestellte den Insolvenzrechtler Frank Kebekus zum vorläufigen Verwalter. Der Betrieb läuft zunächst weiter. Ob Galeria das Weihnachtsgeschäft übersteht und welche Filialen danach noch geöffnet sein werden, ist offen.

  • 2020 war der Konzern während der Pandemie erstmals in die Insolvenz gegangen.
  • 2022 folgte das zweite Verfahren mit weiteren Einschnitten und Filialschließungen.
  • Im Januar 2024 kam die dritte Insolvenz, nachdem das Firmenimperium des österreichischen Unternehmers René Benko zusammengebrochen war.
Neue Investoren

Seit Sommer 2024 gehört Galeria einem Investorenkonsortium um den früheren Kosmetikmanager Bernd Beetz und die US-Gesellschaft NRDC. Beetz war bereits Aufsichtsratsvorsitzender von Kaufhof gewesen und kannte die Schwierigkeiten des Unternehmens. Die vierte Insolvenz hält er für vermeidbar.

Er wirft der Geschäftsführung vor, den Umbau des Konzerns nicht schnell genug vorangetrieben zu haben. Klingt nicht sonderlich glaubhaft: Denn die Investoren um Beetz tragen seit mehr als zwei Jahren selbst die Verantwortung für die strategische Ausrichtung.

„Haarsträubende Managementfehler“

Die Probleme des Warenhausgeschäfts sind bekannt. Der Onlinehandel zieht Kaufkraft aus den Innenstädten ab. Galeria hat über Jahre zu wenig in seine Filialen investiert. Attraktive Marken fehlen, viele Verkaufsflächen sind überholt. Kunden, die früher regelmäßig bei Karstadt oder Kaufhof einkauften, finden anderswo ein attraktiveres Angebot.

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sank der Marktanteil der Warenhäuser und vergleichbarer Handelsformate seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. Die Gewerkschaft Verdi macht auch die Unternehmensführung verantwortlich. „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt“, kritisiert die für den Handel zuständige Gewerkschafterin Silke Zimmer.

Für die Beschäftigten ist die Insolvenzserie besonders bitter. Bereits seit 2019 verzichteten sie im Rahmen eines Notlagentarifvertrags auf Teile ihrer Ansprüche. Nils Reinhardt, Betriebsratsvorsitzender einer Galeria-Filiale, berichtete noch während der Insolvenz 2024 von neuer Aufbruchstimmung, obwohl das Personal bereits deutlich reduziert worden war. Die Mitarbeiter haben ihren Beitrag zur Rettung geleistet. Genützt hat es wenig.

Das Milliardengeschäft mit den Kaufhäusern

Zum wirtschaftlichen Niedergang des Einzelhandels kommt jedoch im Galerie-Fall ein hochspekulatives Immobiliengeschäft, das die Probleme verschärfte. Die Warenhäuser waren längst nicht mehr nur Verkaufsstätten. Für Investoren zählten vor allem die Grundstücke in erstklassigen Innenstadtlagen, die langfristigen Mietverträge und die Aussicht auf steigende Immobilienpreise.

Wie schnell solche Bewertungen jedoch ins Rutschen geraten können, zeigt Hannover. Dort wurde eine ehemalige Galeria-Kaufhof-Immobilie im September 2023 laut der Immobilien Zeitung noch mit 171,4 Millionen Euro bewertet. Ein halbes Jahr später kam ein Gutachten nur noch auf 124 Millionen Euro. Die Differenz beträgt 47,4 Millionen Euro, knapp 28 Prozent. Der Standort hatte sich nicht verändert. Wohl aber die wirtschaftlichen Aussichten. Wenn ein Kaufhaus als Mieter ausfällt, sinken die erwarteten Einnahmen. Zugleich kostet es viel Geld, die großen Gebäude für andere Nutzungen umzubauen.

Verkauft, vermietet, unter Druck

Jahrzehntelang waren Kaufhäuser in zentralen Lagen begehrte Immobilien. Langfristige Mietverträge versprachen sichere Einnahmen, steigende Marktpreise erhöhten den Wert der Gebäude. Banken finanzierten die Geschäfte und akzeptierten die Immobilien als Kreditsicherheiten. Für Galeria hatte das Modell jedoch einen entscheidenden Nachteil. Bereits 2006 verkaufte der damalige Karstadt-Konzern rund 170 Immobilien für insgesamt etwa 4,5 Milliarden Euro an das von Goldman Sachs initiierte Highstreet-Konsortium.

Später waren an dem Immobiliengeschäft unter anderem auch Gesellschaften aus dem Umfeld der Deutschen Bank beteiligt. Karstadt hatte damit einen großen Teil seines Immobilienvermögens abgegeben und musste fortan Miete bezahlen. Die Eigentümer profitierten von den Einnahmen. Der Händler musste sie erwirtschaften, während sein Geschäft immer schlechter lief. Niedrigere Mieten hätten die Warenhäuser entlastet, zugleich aber die Rendite und möglicherweise die Bewertungen der Immobilien geschmälert.

In Benkos Reich verschwanden Milliarden

Der österreichische Unternehmer René Benko trieb das Geschäft mit Handelsimmobilien auf die Spitze. Seine Signa-Gruppe kontrollierte Warenhäuser, Luxusimmobilien und große Bauprojekte in europäischen Metropolen. Das Portfolio der Signa Prime wurde zeitweise mit 20,4 Milliarden Euro bewertet und enthielt zahlreiche Galeria-Kaufhäuser. Dann stiegen die Zinsen. Kredite wurden teurer, Käufer zurückhaltender, Immobilien verloren an Wert. Für die hoch verschuldete Signa-Gruppe wurde die Finanzierung immer schwieriger.

Bereits für das Geschäftsjahr 2022 musste Signa Prime ihre Immobilien um rund eine Milliarde Euro abwerten. Die Gesellschaft schrieb einen Milliardenverlust. Gleichzeitig standen laut Jahresbericht Verbindlichkeiten von fast 10,8 Milliarden Euro in den Büchern. Das Verhältnis zwischen Schulden und Immobilienwerten wurde zunehmend gefährlich.

KaDeWe zeigt, wie schnell Immobilien Milliarden verlieren

Wie groß die Unterschiede zwischen früheren Bewertungen und später erzielbaren Preisen waren, zeigt das Berliner KaDeWe. Noch im November 2023 bewertete Signa die Immobilie nach Recherchen der Financial Times mit 1,5 Milliarden Euro. Fünf Monate später übernahm die thailändische Central Group das Gebäude.

Der berichtete Kaufpreis lag bei rund einer Milliarde Euro. Der Verkaufspreis blieb damit rechnerisch ein Drittel unter der vorherigen Bewertung. Ende 2023 brach Benkos Firmenimperium zusammen. Die für Galeria zugesagten Sanierungsmittel standen nicht mehr wie geplant zur Verfügung. Im Januar 2024 musste die Warenhauskette erneut Insolvenz anmelden.

Jetzt geraten Banken und Fonds unter Druck

Mit der vierten Insolvenz wächst das Risiko für die Eigentümer der verbliebenen Kaufhäuser erneut. Sie müssen damit rechnen, dass Galeria weitere Mietsenkungen verlangt, Standorte schließt oder als Mieter ganz ausfällt. Das würde die Immobilienwerte zusätzlich belasten.

Bislang konnten die Eigentümer davon ausgehen, dass der Warenhausbetrieb trotz wiederholter Insolvenzen weiterging. Mietverträge wurden angepasst, Gläubiger verzichteten auf Forderungen, neue Investoren versprachen die Sanierung. Solange die Filialen geöffnet blieben, gab es zumindest die Aussicht auf künftige Mieteinnahmen.

Hinzu kommt, dass Gewerbeimmobilien nicht wie Aktien täglich gehandelt werden. Ihr Wert wird von Gutachtern ermittelt. Dabei spielen die erwarteten Mieteinnahmen, das Leerstandsrisiko und die Renditen vergleichbarer Objekte eine wichtige Rolle. Fehlen aktuelle Verkaufspreise, hängt viel von diesen Annahmen ab. Mit jeder neuen Insolvenz wird es schwieriger, optimistische Erwartungen zu begründen.

BaFin warnt vor Risiken im Gewerbeimmobilienmarkt

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Risiken im Blick. Sie zählt Gewerbeimmobilien auch 2026 zu den Gefahren für die Finanzbranche und will kontrollieren, ob Banken ihre Bestände regelmäßig und angemessen bewerten. Bei Instituten mit besonders hohen Risiken sind Sonderprüfungen vorgesehen.

Für Immobilienfonds können niedrigere Gebäudewerte sinkende Anteilspreise bedeuten. Banken müssen prüfen, ob ihre Kredite noch ausreichend besichert sind und ob zusätzliche Risikovorsorge notwendig wird. Eine Abwertung führt zwar nicht automatisch zu einem Kreditausfall. Sie kann aber die Finanzierung der Eigentümer erheblich erschweren.

Galerias Krise könnte neue Abschreibungen auslösen

Die ersten Verluste sind bereits verbucht. Die Commerzbank-Tochter Commerz Real hat verbliebene Forderungen aus früheren Signa-Geschäften vollständig wertberichtigt. Dazu gehören Ansprüche aus dem Verkauf von Beteiligungen an acht Kaufhof-Immobilien. Das zeigt, dass die finanziellen Folgen der Immobilienkrise längst bei institutionellen Investoren angekommen sind.

Ob die vierte Galeria-Insolvenz nun eine breitere Abwertungswelle auslöst, hängt vor allem davon ab, wie viele Filialen schließen und welche Mieten sich für die Gebäude anschließend noch erzielen lassen. Für die Eigentümer könnte die nächste Bewertung dramatisch ausfallen.

In Bremerhaven zahlt die öffentliche Hand

Was aus einem Kaufhaus wird, das niemand mehr als Kaufhaus braucht, lässt sich in Bremerhaven beobachten. Dort kaufte die Stadt bereits 2021 das ehemalige Karstadt-Gebäude von einem Immobilienfonds für 15 Millionen Euro. Der private Eigentümer war die Immobilie damit los. Wieviel Geld er verlor, ist nicht bekannt. Seit Sommer 2024 wird das Gebäude zurückgebaut. Asbestfunde verzögerten die Arbeiten. Wo früher Kunden einkauften, ist eine große Baustelle entstanden. Die Stadt will das Grundstück neu entwickeln und dort unter anderem Raum für Kultur und Begegnung schaffen.

Der geplante Neubau wird inzwischen auf rund 90 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen die finanziellen Belastungen durch Grundstückskauf und Rückbau. Für die öffentliche Hand ist das eine gewaltige Rechnung. Und sie wird umso größer, je mehr die ursprünglichen Besitzer an der Ausgangs-Bewertung der Immobilien hängen.

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