Der Aargauer Gesundheitsdirektor ist in den vergangenen Tagen verstärkt als möglicher Nachfolger von Guy Parmelin gehandelt worden. Kurz vor Ablauf der Meldefrist steht nun die Entscheidung von Jean-Pierre Gallati fest.
Die Unterstützung wurde zunehmend prominenter. Zuerst die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli, später der Aargauer Ständerat und frühere FDP-Präsident Thierry Burkart . Die beiden Polit-Schwergewichte attestierten dem Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati die Fähigkeit, Bundesrat zu werden. Auch Marianne Binder (Mitte), das zweite Aargauer Mitglied im Ständerat, sagte jüngst, sie würde Gallati wählen.
Jean-Pierre Gallati hielt sich lange bedeckt, ob er Nachfolger von Guy Parmelin im Bundesrat werden will.Bild: Sandra Ardizzone
Nach vielen Absagen aus der Deutschschweiz, unter anderem von Rickli oder dem von Christoph Blocher präferierten Pascal Schmid, rückte der Aargauer Gesundheitsdirektor mehr und mehr in den Fokus. Doch kommunikativ tauchte er ab.
SVP Aargau nominiert Gallati einstimmigNach der Rücktrittsankündigung von Guy Parmelin liess der 60-Jährige lediglich ausrichten, dass er sich eine Kandidatur überlege. Er werde eine mögliche Kandidatur mit seinem privaten und politischen Umfeld besprechen. Von diesem Wording rückte er auch in den darauffolgenden Tagen und Wochen nie ab.
Bis am Freitag müssen die Kantonalparteien der Findungskommission der SVP Schweiz die Kandidaten melden. Kurz vor dem Mittag verschickt die Aargauer Kantonalpartei ein Mail an die Medien. Darin steht: «Die Geschäftsleitung der SVP Kanton Aargau empfiehlt Regierungsrat Jean-Pierre Gallati einstimmig als Nachfolger von Bundesrat Guy Parmelin.»
Die Nomination von Gallati geht nun an die Findungskommission der SVP Schweiz. Die Geschäftsleitung der SVP Aargau empfiehlt ihn für das Ticket zur Ersatzwahl in den Bundesrat vom 9. Dezember. Der Rechtsanwalt aus Wohlen bringt laut Mitteilung «langjährige Erfahrung in Exekutive, Parlament und Wirtschaft mit, sowie Führungserfahrung als Major der Schweizer Armee.»
«Er hat bewiesen, dass er führen kann»Die SVP Aargau betont: «Jean-Pierre Gallati hat bewiesen, dass er führen kann. Er steht klar für eine unabhängige Schweiz, eine begrenzte Zuwanderung und eine starke Armee.» In der Geschäftsleitung der Kantonalpartei, die Gallati einstimmig nominiert hat, sitzen folgende Personen:
Gallati kandidiert also für den Bundesrat. Ob er am 9. Dezember auch auf dem offiziellen Ticket der SVP Schweiz stehen wird, ist hingegen noch ungewiss. Die Findungskommission unter der Leitung von alt Nationalrat Caspar Baader prüft die Kandidaturen und führt bis am 6. November Gespräche. Die SVP-Fraktion entscheidet am 20. November über die offizielle Nomination.
Neben Gallati haben auch die Genfer Nationalrätin und SVP-Vizepräsidentin Céline Amaudruz , der Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann , der ehemalige SVP-Präsident Marco Chiesa , der Bernjurassier Pierre Alain Schnegg , aber auch der Walliser Nationalrat Michael Graber sowie Staatsrat Franz Ruppen (ebenfalls Wallis) ihre Ambitionen angemeldet. Dazu hat die SVP des Kantons Zug auch Thomas Aeschi nominiert, derweil sich dieser eine weitere Bedenkzeit ausbedungen hat.
Der Aargauer Gesundheitsdirektor schaffte im Herbst 2019 den Sprung in den Nationalrat, wo er aber nur wenige Monate politisierte. Denn nur einen Monat später wurde er auch zum Nachfolger von Franziska Roth in die Aargauer Regierung gewählt. Er setzte sich hauchdünn gegen Yvonne Feri (SP) durch. Die Arbeit als Regierungsrat nahm Gallati bereits Mitte Dezember 2019 auf und schob sozusagen eine Doppelschicht. Im darauffolgenden Frühling trat er dann aus dem Nationalrat zurück.
Regierungsratskollege Stephan Attiger überreicht Jean-Pierre Gallati an dessen ersten Arbeitstag einen Zopfschlüssel.Bild: Colin Frei
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