STOCKHOLM. Schlechte Luft in Schulen und Kitas kann die Gesundheit von Kindern erheblich beeinträchtigen. Die Folgen reichen von Atemwegsbeschwerden und Asthma bis zu einer verminderten Lungenfunktion. Auch Lernfähigkeit, Konzentration und krankheitsbedingte Fehlzeiten können betroffen sein. Zu diesen Ergebnissen kommt die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten in einer umfassenden wissenschaftlichen Bestandsaufnahme, die im ausdrücklichen Auftrag der Regierung entstanden […]
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STOCKHOLM. Schlechte Luft in Schulen und Kitas kann die Gesundheit von Kindern erheblich beeinträchtigen. Die Folgen reichen von Atemwegsbeschwerden und Asthma bis zu einer verminderten Lungenfunktion. Auch Lernfähigkeit, Konzentration und krankheitsbedingte Fehlzeiten können betroffen sein. Zu diesen Ergebnissen kommt die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten in einer umfassenden wissenschaftlichen Bestandsaufnahme, die im ausdrücklichen Auftrag der Regierung entstanden ist – und die Schlussfolgerungen auch für deutsche Schulen erlaubt.
Lüftung hilft. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock„Friskare luft ger friskare barn“ – gesündere Luft sorgt für gesündere Kinder. Der Titel der Veröffentlichung der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Doch die Konsequenzen, die sich aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben, reichen weit über regelmäßiges Fensteröffnen hinaus. Es geht um Atemwegserkrankungen, um die Bedingungen für erfolgreiches Lernen, um soziale Ungleichheit und um die Verantwortung für die Gebäude, in denen Kinder unterrichtet werden.
Die schwedische Regierung hatte die Behörde ausdrücklich beauftragt, Maßnahmen zur Verringerung von Atemwegsbeschwerden bei Kindern zu identifizieren. Sie sollte untersuchen, welchen Schadstoffen Kinder innerhalb und außerhalb von Schulen und Kitas ausgesetzt sind, welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben und welche Verbesserungen möglich sind.
Dass Schweden diese Fragen auf Regierungsebene behandeln lässt, hat eine Vorgeschichte. Bereits Anfang der 1990er-Jahre rückten Allergien, Asthma, Feuchtigkeitsschäden und unzureichend funktionierende Lüftungsanlagen in den Fokus der Politik. 1991 beschloss das Parlament verpflichtende Lüftungskontrollen, die 1992 eingeführt wurden. Bis heute müssen die Anlagen in Schulen und Kitas grundsätzlich alle drei Jahre überprüft werden.
Hinzu kommen konkrete Richtwerte für die Frischluftversorgung: mindestens sieben Liter Außenluft pro Sekunde und Person sowie zusätzlich 0,35 Liter pro Sekunde und Quadratmeter Bodenfläche. Eine CO₂-Konzentration über 1.000 ppm gilt als Hinweis auf möglicherweise unzureichende Lüftung.
Die 2025 veröffentlichte wissenschaftliche Bestandsaufnahme führt diese Politik fort. Auf 71 Seiten trägt die Behörde internationale Studien, schwedische Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. Ihre Ergebnisse lassen sich zu sechs Schlussfolgerungen verdichten, die auch für den Schulbau in Deutschland relevant sind.
Erstens: Die Qualität der Schulgebäude kann das Erkrankungsrisiko von Kindern beeinflussen.
Kinder reagieren besonders empfindlich auf Luftschadstoffe. Ihre Lunge und ihre Atemwege befinden sich noch in der Entwicklung. Zugleich halten sie sich täglich viele Stunden in Schulen und Kitas auf. Dort können Schadstoffe aus Baumaterialien und Möbeln, Staub, Allergene, Schimmel und Krankheitserreger die Raumluft belasten. Hinzu kommen Verkehrsemissionen, die über Fenster oder Lüftungsanlagen in die Gebäude gelangen.
Die Gesundheitsbehörde verweist auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Luftverschmutzung die Lungenfunktion von Kindern beeinträchtigen und das Risiko für Asthma sowie Atemwegsinfektionen erhöhen kann. Bei bereits erkrankten Kindern können sich die Beschwerden verstärken. Auch Feuchtigkeit und Schimmel sind mit gesundheitlichen Risiken verbunden.
Besonders problematisch ist, dass Kinder häufig mehreren Belastungen gleichzeitig ausgesetzt sind. Welche Auswirkungen unterschiedliche chemische Stoffe in den tatsächlich vorkommenden Konzentrationen und Kombinationen haben, ist nach Einschätzung der Behörde noch nicht ausreichend erforscht.
Heinz Trox-Stiftung
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Gesunde Luft, besseres Lernen: Wie Schulen ihre Klassenräume zukunftsfähig gestalten können
Gute Luftqualität schützt die Gesundheit und schafft bessere Voraussetzungen für konzentriertes Lernen. Doch bei der Sanierung von Klassenzimmern kommt es auf mehr an als auf ausreichende Lüftung: Auch Temperatur, Akustik und Beleuchtung beeinflussen die Bedingungen, unter denen Kinder lernen und Lehrkräfte unterrichten.
Die Heinz Trox-Stiftung zeigt in ihrem kostenlosen Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren“, wie Schulen und Schulträger diese Faktoren gemeinsam berücksichtigen können. Die Publikation bietet Orientierung für die Planung und Modernisierung gesunder, lernförderlicher Unterrichtsräume.
Leitfaden kostenlos herunterladen · Mehr zum Zukunftsraum Schule
Zweitens: Schlechte Luft kann die Bildungsbedingungen verschlechtern – und auch Lehrkräfte beeinträchtigen.
Die schwedische Gesundheitsbehörde verweist auf Untersuchungen, die Zusammenhänge zwischen unzureichender Luftqualität, körperlichen Beschwerden und verminderter kognitiver Leistungsfähigkeit beschreiben. Müdigkeit, Kopfschmerzen, gereizte Augen und Atemwegsbeschwerden können die Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten beeinträchtigen.
Unter Berufung auf eine wissenschaftliche Literaturübersicht von Sadrizadeh und weiteren Forschenden aus dem Jahr 2022 erklärt die Behörde: „Viele Studien zeigen, dass eine schlechtere Luftqualität im Klassenzimmer die kognitiven Fähigkeiten und das Lernen der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigt und die krankheitsbedingten Fehlzeiten erhöht.“
Die Folgen betreffen nicht ausschließlich Kinder. Auch Lehrkräfte werden in der Untersuchung ausdrücklich genannt. So heißt es im Abschnitt über die Lüftung von Unterrichtsräumen: „Erhöhte CO₂-Konzentrationen führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in Klassenzimmern und Vorschulen Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten erleben. Bei hohen Konzentrationen können außerdem Kopfschmerzen auftreten.“
Drittens: Fensteröffnen allein ist nicht unter allen Bedingungen ein verlässliches Lüftungskonzept.
Die schwedische Gesundheitsbehörde betrachtet die Lüftung als zentralen Bestandteil gesunder Innenräume. Sie soll belastete Luft durch geeignete Außenluft ersetzen. Entscheidend sind dabei die Luftmenge, ihre Verteilung im Raum und die tatsächliche Funktionsfähigkeit der Anlagen.
Bei natürlicher Lüftung hängt der Luftaustausch unter anderem von Wind und Temperaturunterschieden ab. Gerade bei warmem und windstillem Wetter kann er deshalb unzureichend sein. Auch die Belegung eines Raums und die vorhandenen Fensterflächen beeinflussen, wie viel Frischluft tatsächlich zur Verfügung steht.
Allerdings genügt auch der Einbau einer Lüftungsanlage allein nicht. Die Behörde betont, mindestens ebenso wichtig sei es, „dass die zugeführte Außenluft sauber ist und die Schadstoffquellen im Innenraum minimiert werden“.
Ein schimmelbelasteter Raum wird nicht dadurch unproblematisch, dass mehr Luft hineingeblasen wird. Mobile Luftreiniger wiederum können bestimmte Partikel entfernen, ersetzen aber keine ausreichende Frischluftversorgung. Die Behörde betrachtet sie deshalb vor allem als ergänzende oder vorübergehende Maßnahme.
Viertens: Gesunde Schulen können soziale Nachteile zumindest teilweise ausgleichen.
Luftverschmutzung ist nicht gleichmäßig verteilt. Wohnlage, Verkehrsbelastung und wirtschaftliche Möglichkeiten beeinflussen, welchen Schadstoffen Familien ausgesetzt sind.
Für ihren Regierungsauftrag hat die Behörde die modellierten Luftschadstoffkonzentrationen an schwedischen Kitas mit sozioökonomischen Daten verglichen. Einrichtungen in Gebieten mit den niedrigsten Einkommen wiesen im Durchschnitt höhere Belastungen auf als solche in Gebieten mit den höchsten Einkommen.
Deshalb misst die Behörde guten Schul- und Kitaumgebungen eine besondere Bedeutung zu. Sie könnten eine „wichtige ausgleichende Funktion“ erfüllen, insbesondere in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten. Schulgebäude und Außenanlagen können dazu beitragen, dass Kinder unabhängig von ihrer familiären Herkunft zumindest während des Bildungsalltags gesunde Bedingungen vorfinden.
Fünftens: Gesundheitsschutz beginnt nicht erst an der Eingangstür der Schule.
Die schwedische Untersuchung bezieht ausdrücklich die Umgebung der Gebäude ein. Schulen und Kitas an stark befahrenen Straßen können höheren Schadstoffbelastungen ausgesetzt sein. Die Lage eines Schulstandorts ist deshalb auch eine gesundheitspolitische Entscheidung.
Die Behörde empfiehlt, die Nähe zu belasteten Verkehrswegen bei der Standortplanung zu berücksichtigen, den Fuß- und Radverkehr zu fördern und Bildungseinrichtungen stärker zu begrünen.
Grünflächen können nicht nur Bewegung und Aufenthalt im Freien fördern, sondern auch die Hitzebelastung verringern und günstige Bedingungen für die psychische und kognitive Entwicklung schaffen. Die Behörde verweist auf Studien, in denen Kinder an Schulen mit größeren Grünflächen bei Tests kognitiver Funktionen bessere Ergebnisse erzielten.
Sechstens: Gesunde Schulgebäude brauchen Kontrolle – nicht nur Vorschriften.
Schweden schreibt bereits seit den 1990er-Jahren regelmäßige Kontrollen der Lüftungsanlagen in Schulen und Kitas vor. Doch die technische Überprüfung der Lüftung ist nicht gleichbedeutend mit einer systematischen Erfassung der Schadstoffbelastung in den Unterrichtsräumen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde wird die Innenraumluft bislang nur vereinzelt untersucht. Vorhandene Messdaten sind zudem nicht zentral zusammengeführt, sodass Vergleiche zwischen Schulen und Regionen schwierig sind.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Für die meisten Schadstoffe in Innenräumen fehlen gesundheitsbasierte Richtwerte, anhand derer sich Belastungen bewerten ließen. Die Behörde empfiehlt deshalb, die Voraussetzungen für eine systematische Überwachung der Innenraumluft zu untersuchen und zusätzliche Richtwerte zu entwickeln.
Die schwedische Gesundheitsbehörde sieht also weiteren Handlungsbedarf – und fordert grundsätzlich (noch) mehr Problembewusstsein – und konsequentes Handeln. So formuliert Folkhälsomyndigheten ausdrücklich: „„Gesundheitsfördernde Maßnahmen in Schulen und Kitas, die sowohl die Innenräume als auch das räumliche Umfeld einbeziehen, müssen bei der räumlichen Planung und Verwaltung stärker berücksichtigt werden.“ News4teachers
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