Ein gewaltiges Sturmsystem sorgt für gefährliche Bedingungen an der Küste. Trotz seines Kurses aufs offene Meer warnen Meteorologen vor den Folgen.
Stand: 23.10.2026, 18:30 Uhr
Ein gewaltiges Sturmsystem sorgt für gefährliche Bedingungen an der Küste. Trotz seines Kurses aufs offene Meer warnen Meteorologen vor den Folgen.
Miami – Erst vor wenigen Tagen hat Sturmtief „Adam“ im Mittelmeerraum schwere Unwetter ausgelöst und mehrere Menschenleben gefordert. Jetzt sorgt der nächste Sturm für extreme Wetterbedingungen: Obwohl sich „Josephine“ zunehmend von der US-Ostküste entfernt und auf den offenen Atlantik hinauszieht, sind die Auswirkungen weiterhin deutlich zu spüren: Hohe Wellen, heftige Windböen und gefährliche Meeresströmungen setzen den Küstenregionen in den Vereinigten Staaten zu.

Laut dem National Hurricane Center (NHC) kam es zu leichten bis örtlich mäßigen Küstenüberflutungen. Diese könnten insbesondere bei Hochwasser noch bis zum Ende der Woche anhalten. Inzwischen hat sich der Sturm zu einem kräftigen außertropischen Tiefdruckgebiet entwickelt, das Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke erreichen könnte.
Sturm „Josephine“ zieht mit über 100 Kilometern pro Stunde Richtung MeerWie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, befand sich das Zentrum von Sturm „Josephine“ am Donnerstag (22. Oktober) noch rund 380 Kilometer ost-südöstlich der Insel Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts und etwa 540 Kilometer süd-südwestlich von Halifax in Kanada. Mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von rund 100 Kilometern pro Stunde zog das kräftige außertropische Tief mit etwa 28 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordosten der Vereinigten Staaten.
Solche Sturmsysteme beziehen ihre Energie vor allem aus den Temperaturunterschieden zwischen warmen und kalten Luftmassen. Nach Einschätzung des US-Hurrikanzentrums sollte sich das Tief in der Nacht zum Freitag weiter verstärken und zeitweise Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke erreichen. Dabei bewegt es sich weiter von der Küste weg.

Denn trotz der zunehmenden Entfernung zur US-Küste sind die Auswirkungen von „Josephine“ deutlich zu spüren. Das US-Hurrikanzentrum warnte vor hohen Wellen, lebensgefährlicher Brandung und gefährlichen Rückströmungen bis in den Osten Kanadas. Besonders tückisch sind sogenannte Brandungsrückströme. Sie entstehen, wenn Wasser mit hoher Geschwindigkeit vom Strand zurück ins Meer fließt. Selbst erfahrene Schwimmer können dadurch in lebensgefährliche Situationen geraten.
An Teilen der mittleren US-Atlantikküste werden weiterhin leichte bis örtlich mäßige Küstenüberflutungen gemeldet. Nach Einschätzung des NHC könnten diese insbesondere bei Hochwasser noch bis zum Ende der Woche anhalten.
Der amerikanische Wetterdienst National Weather Service (NWS) hatte außerdem Sturmwarnungen für Teile des Nordostens und der mittleren Atlantikküste herausgegeben. Wie AP berichtet, wurden dort Windgeschwindigkeiten von mehr als 63 Kilometern pro Stunde erwartet. Die Warnungen galten zunächst bis Freitagvormittag (23. Oktober). Auch für kleinere Wasserfahrzeuge wurden bis zu den Outer Banks im Bundesstaat North Carolina Hinweise auf gefährliche Bedingungen ausgegeben.
Während Josephine abzieht, verstärkt sich ein weiterer Sturm zum HurrikanUnterdessen entwickelt sich über dem Pazifik ein weiteres kräftiges Sturmsystem. Der zunächst als Tropensturm eingestufte „Vance“ hat an Fahrt aufgenommen und wurde am frühen Freitagmorgen (23. Oktober) zu einem Hurrikan der Kategorie 1 hochgestuft, teilte das NHC mit. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, erreichte der Sturm etwa 710 Kilometer süd-südwestlich von der mexikanischen Stadt Acapulco anhaltende Windgeschwindigkeiten von rund 140 Kilometern pro Stunde.
„Vance“ bewegte sich Freitagmorgen mit neun Kilometern pro Stunde in Richtung Nord-Nordwest. Meteorologen rechnen mit einer weiteren Verstärkung. Im Tagesverlauf könnte der Sturm zu einem schweren Hurrikan der Kategorie 3 werden. Dafür müsste er anhaltende Windgeschwindigkeiten von mindestens 178 Kilometern pro Stunde erreichen.
Sturmgefahr bleibt trotz abziehendem Tief bestehenFür die Küstenbewohner und Reisenden an der US-Ostküste bleibt Josephine vor allem wegen der hohen Wellen und gefährlichen Meeresströmungen ein Risiko. Das NHC weist darauf hin, dass die Auswirkungen eines Sturms auch dann noch an Land zu spüren sein können, wenn dessen Zentrum längst aufs offene Meer hinausgezogen ist.
Besonders an Stränden und auf dem Wasser sollten die örtlichen Wetterwarnungen beachtet werden. Wie lange die gefährlichen Bedingungen anhalten, hängt von der weiteren Entwicklung und den jeweiligen Küstenverhältnissen ab. (cln)