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"Stückleglück": Wie eine Lehrgangs-Reihe auf Streuobstwiesen Lust macht

Дата публикации: 08-10-2026 11:33:15

Streuobstwiesen gehören zum Albtrauf wie der Most ins Fass. Doch viele "Stückle" werden nicht mehr gepflegt und verwildern. Ein Kurs will das ändern und für Landschaftsschutz begeistern.

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Es zwitschert, summt und brummt an diesem sonnigen Herbstvormittag auf einem schwäbischen "Stückle" in Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen). Denn neben den verschiedenen Obstsorten, die jetzt im Oktober geerntet werden, gibt es auf der Streuobstwiese zahlreiche Vögel und Insekten zu entdecken. Die Biodiversität auf der Streuobstwiese spielte auch beim Jahrespraktikum "Stückleglück" eine Rolle. Diese Kurs-Reihe haben die Streuobstberater mehrerer Landkreise mit dem Verein Streuobstparadies entwickelt. Das Pilotprojekt in Holzmaden (Kreis Esslingen) ist vor Kurzem zu Ende gegangen. Eine Teilnehmerin war Margit Müller - ihr gehört dieses Stückle unterhalb der Limburg.

Margit Müller besuchte ersten "Stückleglück"-Kurs

"Das war ein schöner Schwerpunkt für mich, zu sehen, was da selbst gemacht oder beigetragen werden kann", erzählt Margit Müller. "Weil mir das einfach auch am Herzen liegt." Ihr Stückle in Weilheim bewirtschaftet sie seit mittlerweile sieben Jahren. Beim "Stückleglück"-Kurs hat sie neue Impulse erhalten.

Margit Müller bei der Apfelernte auf ihrem Stückle in Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen).

Im Herbst gibt es für Margit Müller einiges zu tun: Die Erntezeit hat begonnen. SWR Luisa Bleich

Sechs Mal haben sich die 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Jahr verteilt getroffen, um mehr über die Arbeit auf einer Streuobstwiese zu lernen. "Biodiversität war im Frühjahr das Thema, als alles geblüht hat", erzählt Jana Gneiting, Kursleiterin und Fachberaterin für Obst- und Gartenbau im Kreis Esslingen. Im Winter wurden die Bäume beschnitten, im Sommer gab es theoretischen Input zu rechtlichen Fragen, im Herbst wurden Äpfel aufgelesen und in die Mosterei gebracht. Das sollte auch einen Anreiz schaffen: "Was habe ich davon neben der Arbeit?", formuliert ihn Jana Gneiting.

"Es geht um viel Gemeinschaft und auch Freude. Deshalb auch der Name: 'Stückleglück''', ergänzt Lisa Ziehe, Co-Geschäftsführerin des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies. Denn das Ziel sei es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Lust zu machen auf die Streuobstwiese.

Lisa Ziehe vom Schwäbischen Streuobstparadies und Jana Gneiting vom Landkreis Esslingen stehen vor einem Baum auf einer Streuobstwiese.

Lisa Ziehe (links) vom Verein Schwäbisches Streuobstparadies und Jana Gneiting, Fachberaterin für Obst- und Gartenbau des Kreises Esslingen. SWR Luisa Bleich Immaterielles Kulturerbe in Not

Der Streuobstanbau zählt zum Immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Das Land Baden-Württemberg hat die größte Streuobstlandschaft in ganz Mitteleuropa. Nach Angaben der Naturschutzorganisation BUND haben sich die Baumbestände seit den 1960er-Jahren aber fast halbiert. Das merkt auch Lisa Ziehe. "Wir beobachten einen ganz intensiven Rückgang der Streuobstflächen. Und das, was noch da ist, ist zu einem relativ großen Teil auch in einem schlechten Zustand", erzählt sie.

Wir beobachten einen ganz intensiven Rückgang der Streuobstflächen.

Teil des Problems ist, dass viele Streuobstwiesen, vor allem an und auf der Schwäbischen Alb, in Privatbesitz sind und oft nicht mehr gepflegt werden und verkommen. Oft sei unklar, wem eine Streuobstwiese gehöre. Manchmal seien die Stückle auch Teil einer Erbmasse. "Dann wohnen die Erbengemeinschaften irgendwo, vielleicht auch weiter weg, und wissen nicht mal, dass sie eine Streuobstwiese irgendwo im Schwäbischen besitzen", sagt Lisa Ziehe.

Streuobstwiesen sind menschengemacht

Ohne den Menschen hat die Streuobstlandschaft aber keine Zukunft. "Das ist eine Kulturlandschaft. Ohne menschliche Pflege existiert eine Streuobstwiese nicht allzu lang", erklärt Lisa Ziehe. "Und wenn wir wollen, dass die weiterhin ökologisch so wertvoll sind, dann sollten wir sie pflegen." Das "Stückleglück" soll Hemmungen abbauen, Anreize setzen und Wissen vermitteln. Kursleiterin Jana Gneiting ist guter Dinge, dass das auch funktioniert. "Wir sehen auch gerade bei dem Projekt, dass es immer mehr Leute gibt, die sich interessieren und die was machen möchten und den Naturraum schätzen."

Mit dem Jahrespraktikum sollen vor allem Menschen erreicht werden, die noch keine großen Erfahrungen in Sachen Streuobstwiese haben. Familien, Ruheständler, Menschen, die frisch eine Streuobstwiese gepachtet haben oder mit dem Gedanken spielen. "Da sehen wir einfach Bedarf bei den Leuten, die nicht schon in x-ter Generation hier im Schwäbischen Streuobstblut in den Adern haben, dass man denen Zugang zu diesem Wissen gibt", sagt Lisa Ziehe.

Netzwerk für Streuobstwiesenbesitzer

Ziel sei es auch, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander zu vernetzen. Beispielsweise dass man sich gegenseitig unterstützt oder Geräte ausleiht. "Eine Wiese allein zu bewirtschaften, ist auf die Dauer eine Überforderung", sagt Lisa Ziehe.

Den Austausch in der Gruppe schätzt auch Margit Müller. Der Arbeitsaufwand an sich macht ihr nichts aus. "Es ist ein super Fitnessprogramm", sagt sie und lacht. Denn wenn die Wiese gemäht, die Bäume beschnitten, Heu und Gras zusammengerecht und das Obst geerntet ist, "dann gibt es ja auch wieder Zeiten, wo man sich auf die Bank setzen kann und den Äpfeln beim Wachsen zuschauen kann sozusagen", sagt sie.

Viele Äpfel hängen an einem Apfelbaum auf einer Streuobstwiese.

Die Bäume hängen voll. Auch, wenn die Ernte durch den heißen und trockenen Sommer nicht so üppig ausfällt wie sonst. SWR Luisa Bleich

Im Sommer und vor allem jetzt im Herbst ist ohnehin die Zeit, wo Margit Müller die Früchte ihrer Arbeit ernten kann - wortwörtlich. Auf ihrem Stückle finden sich verschiedene Apfelsorten, Süß- und Sauerkirschen, Zwetschgen, Birnen, außerdem ein frisch gepflanzter Mirabellen- und ein Renekloden-Baum.

"Stückleglück" in den Kreisen Böblingen und Esslingen

In Herrenberg (Kreis Böblingen) ist der nächste "Stückleglück"-Kurs bereits angelaufen, Interessierte können sich dafür aber weiterhin beim Böblinger Landratsamt melden unter 07031/6632543. Im Kreis Esslingen soll es nächstes Jahr wieder einen Kurs geben. Das Ziel ist es, das Angebot in Zukunft noch weiter zu etablieren. "Wir hoffen, dass das Projekt ein Selbstläufer wird", sagt Jana Gneiting und dass in den kommenden Jahren auch Obst- und Gartenbauvereine ihr eigenes "Stückleglück" starten.

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