Anna Laura Hübner aus Stuttgart hat doch nicht beim Ceres Award abgeräumt, weder als beste Unternehmerin der Landwirtschaft noch beim Gesamtsieg als "Landwirtin des Jahres".
Landwirtin Anna Laura Hübner hat am Mittwochabend nicht den Preis für die beste Landwirtin des Jahres gewonnen. "Ich bin fein damit", sagt Anna Laura Hübner nach der Preisverleihung gegenüber dem SWR. "Theresa Ungru hat ihn verdient gewonnen." Damit ging der Preis in der Kategorie "Unternehmerin" und auch der Gesamtsieg "Landwirtin des Jahres" am Mittwochabend nach Nordrhein-Westfalen. Anna Laura Hübner vom Reyerhof in Stuttgart-Möhringen schaut trotzdem positiv auf das Event.
"Mit ihrer Kombination aus fachlicher Kompetenz, wirtschaftlicher Umsicht, ökologischer Verantwortung und kultureller Offenheit zeigt Anna Laura Hübner wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft aussieht". Mit diesen Worten schickte die Jury Anna Laura Hübner ins Rennen, und zwar in der Kategorie "Unternehmerin". Im Sommer hatte die Jury der Landwirtschaftszeitung "Agrarheute" den Reyerhof in Stuttgart-Möhringen besucht und sich dieses Bild von der Landwirtin gemacht. Insgesamt 21 Landwirtinnen und Landwirte aus dem deutschsprachigen Raum hatten sich für das Finale des Ceres Award qualifiziert.
Anna Laura Hübner ist Landwirtin mit LeidenschaftEin bis zwei Stunden am Tag sitzt Anna Laura Hübner im Sattel - aber nicht auf dem Rücken eines Pferdes oder im Traktor, sondern auf dem Fahrrad. Die junge Landwirtin leitet zusammen mit Lukas Dreyer den Reyerhof, mitten im Stadtzentrum von Stuttgart-Möhringen.

Weil die Felder nicht direkt am Hof liegen, sondern ein Stückchen weiter draußen am Möhringer Stadtrand, ist das Rad für sie das schnellste "Dienstfahrzeug". Erstes Ziel an diesem Tag: die Streuobstwiese in einem idyllischen Tal zwischen Sonnenberg und Möhringen. Drei Rinder begrüßen sie mit einem lauten "Muh!". Kurz den Strom ausschalten, Zaun öffnen - und die Tiere ziehen mit ordentlich Appetit auf das frische Weidestück. Zaun umbauen, Strom wieder an, und weiter geht's zum Gemüseacker, wo ihre Kolleginnen schon mitten in der Zuckerhut-Ernte stecken.

Der Reyerhof baut Gemüse, Getreide und Futterpflanzen nach biologisch-dynamischen Prinzipien an. Die rund 300 Hühner werden zu 70 Prozent mit eigenem Futter versorgt, die 10 Milchkühe sogar zu 100 Prozent. Der Kuhdung landet anschließend wieder auf den Feldern - ein geschlossener Kreislauf, wie er in der Biolandwirtschaft typisch ist.

Knapp 700 Mitglieder halten Anteile am Hof und bekommen jede Woche das, was gerade reif ist: Obst, Gemüse, je nach Saison. Im hofeigenen Laden, einem weiteren wichtigen Standbein des Demeter-Betriebs, gibt es unter anderem Milch von den eigenen Kühen.

Anna Laura Hübner ist gelernte Landwirtin und seit 2018 Betriebsleiterin auf dem Reyerhof. Gemeinsam mit Lukas Dreyer führt sie ein Team von 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er kümmert sich vor allem um den Ackerbau, sie unter anderem um die Kühe - die liegen ihr besonders am Herzen. "Ich mag Kühe, sehr gern sogar. Ich bin mit Kühen aufgewachsen, vielleicht deshalb." Ansonsten ist die 33-Jährige überall da, wo sie gerade gebraucht wird und wo es brennt.
Als Unternehmerin muss sie dauernd abwägen und entscheiden. "Es wird immer spannend, wenn es kritisch wird", sagt sie. Kritisch wird es im kommenden Winter beim Futter: Wegen des trockenen Sommers sind die Wiesen schlecht gewachsen, die Heupreise explodiert. Eigentlich müsste Hübner aus betriebswirtschaftlicher Sicht einen Teil der Rinder schlachten. Die Folge: Der Fleischverkauf käme aus dem Rhythmus, eine Zeit lang gäbe es kein Fleisch - und manche Kunden wären wohl unzufrieden. "Es ist kein einfaches Jahr, aber es ist ein freudiges Jahr", sagt sie trotzdem optimistisch.
Ceres Award wäre nicht erster, aber bedeutendster PreisDer Reyerhof hat bereits den Streuobstwiesenpreis und den Preis für das beste Betriebskonzept in Baden-Württemberg gewonnen. Für den Ceres Award hatte ihre Partnerin sie vorgeschlagen. Der Preis gilt als wichtigste Auszeichnung für Landwirtinnen und Landwirte im deutschsprachigen Raum - benannt nach Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Verliehen wurde er von der Landwirtschaftszeitung "Agrarheute" am Mittwochabend in Berlin.
Anna Laura Hübner war in der Kategorie "Unternehmerin" nominiert und hatte damit auch die Chance auf den Gesamtsieg "Landwirtin des Jahres", dotiert mit 20.000 Euro.