Ein Bremer Anwalt wird von Googles KI fälschlich des Betrugs bezichtigt. Der Fall zeigt, welche rechtlichen Möglichkeiten Betroffene haben.
Ein Bremer Anwalt wird von Googles KI fälschlich des Betrugs bezichtigt. Der Fall zeigt, welche rechtlichen Möglichkeiten Betroffene haben.
Stellen Sie sich vor, ein künftiger Geschäftspartner googelt Ihren Namen und liest, Sie hätten Kunden betrogen und müssten sich deshalb vor Gericht verantworten. Nichts davon stimmt, doch der Satz steht dort, formuliert von einer Maschine, die ihn mit der Selbstverständlichkeit eines Lexikons präsentiert. Genau das ist dem Bremer Rechtsanwalt Michael Zinke widerfahren.
Wie buten un binnen berichtet, beschuldigt die KI von Google ihn fälschlich des Betrugs und der Untreue und lässt ihn als Angeklagten in einem Strafverfahren erscheinen. Nun geht er dagegen vor und erwägt eine Klage gegen den US-Konzern. Dass es einen Juristen trifft, macht die Geschichte sicher anschaulich, doch sie ist keine Ausnahme, denn es kann jeden erwischen, dessen Name im Netz auftaucht, ob Handwerker, Ärztin oder Vereinsvorsitzender bis hin zu Privatpersonen.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Um den Fehler zu verstehen, muss man sich von der Vorstellung lösen, dass eine KI etwas nachschlägt, um eine Antwort zu einer Frage oder einem Begriff zu geben. Denn ein Sprachmodell ist keine Datenbank mit geprüften Einträgen, sondern eine Wahrscheinlichkeitsmaschine, die Sätze so fortsetzt, wie sie in ihren Trainingstexten am häufigsten vorkamen. Weiß sie über eine Person wenig, füllt sie die Lücke mit Mustern, und in Nachrichtentexten tauchen Anwälte nun einmal auffällig oft im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren und Skandalen auf.
ANZEIGE
ANZEIGE
Hinzu kommen Verwechslungen mit Namensvettern und veraltete Berichte, aus denen die Maschine eine scheinbar stimmige Geschichte webt. Fachleute sprechen von Halluzinationen, was harmloser klingt, als es für Betroffene ist. Sitzt eine solche inhaltliche Verknüpfung einmal fest, taucht sie bei ähnlichen Fragen immer wieder auf und formt auf diese Weise ein neues Narrativ über einen Menschen.
Technisch mag das Thema zwar brandneu sein, juristisch hat es aber auch ohne KI in der Vergangenheit schon ähnliche Fälle gegeben. Schon 2014 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass ein Suchmaschinenbetreiber für seine Trefferlisten selbst verantwortlich ist und Treffer zu einem Namen auf Antrag entfernen muss, wenn die Interessen des Betroffenen überwiegen. Damals zeigte Google allerdings nur Verweise auf Texte anderer, während bei einer KI-Antwort der Anbieter die Behauptung selbst formuliert und sich kaum als bloßer Vermittler rausreden kann.
Zudem ging es damals um wahre aber veraltete Informationen, bei denen sorgfältig das öffentliche Informationsinteresse abgewogen werden musste, wogegen bei erfundenen Vorwürfen wenig abzuwägen bleibt. Nach Ansicht vieler Juristen kommen daher in so einem Fall Ansprüche auf Unterlassung, Berichtigung und, bei nachweisbarem Schaden, Schadensersatz in Betracht. Eine gefestigte Rechtsprechung zu KI-Aussagen im Internet gibt es allerdings noch nicht.
Wenn Sie von einer verleumderischen KI betroffen sind, gibt es ein paar grundlegende Dinge zu beachten:
Wer darauf hofft, der Tech-Konzern müsse die Lüge nur schnell löschen, stößt auf ein Problem, denn in einem Sprachmodell steht kein Satz, den man technisch einfach eben so entfernen könnte. Das Wissen steckt vereinfachend gesprochen vielmehr als Wahrscheinlichkeiten in Milliarden Zahlenwerten. Praktisch bleibt daher zumeist nur ein Filter, der bei Fragen zu der Person zurückhaltend antwortet, was schnell geht, sich aber auch recht einfach umgehen lässt und wiederum Namensvettern ebenso wie die eigene Person treffen kann. Gezieltes Verlernen einzelner Inhalte für KI-Systeme wird zwar erforscht, funktioniert bisher aber noch nicht zuverlässig.
Der Fall zeigt, dass Maschinen über Menschen urteilen, ohne dass klar ist, wer dafür die Verantwortung übernimmt. Das Problem liegt dabei weniger darin, dass eine KI irrt, als darin, dass sie es mit der Autorität eines Nachschlagewerks tut.
Bis große KI-Anbieter ihre Systeme dazu bringen, bei dünner Datenlage lieber zuzugeben, etwas nicht zu wissen, lohnt es sich für Sie, hin und wieder den eigenen Namen als Prompt einzugeben und zu lesen, was die Maschine über Sie zu wissen glaubt.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Gericht macht Google für falsche KI-Aussagen verantwortlich | 0 | 13.85 | 22-07-2026 |
| 2 | Житель Германии выиграл суд с помощью ChatGPT вместо адвоката | 0 | 8.57 | 25-07-2026 |
| 3 | Google ответит за слова нейросети | 0 | 5 | 29-06-2026 |
| 4 | 2 Ohio attorneys facing sanctions for legal briefs containing AI-generated falsehoods | 0 | 22 | 27-07-2026 |
| 5 | Крымский юрист объяснил, может ли судья отклонить иск, составленный нейросетью | 0 | 10 | 19-10-2026 |
| 6 | Abren expediente a un abogado por presentar un recurso con 24 citas falsas generadas por IA | 0 | 9.83 | 08-06-2026 |
| 7 | Using AI for legal advice? Experts warn of serious risks | 0 | 6.5 | 17-04-2026 |
| 8 | Обвиняемый в получении взятки судья изменил показания с помощью нейросети | 0 | 10 | 30-07-2026 |
| 9 | Künstliche Intelligenz: Können Chatbots Phishing und Fake-Shops erkennen? | 0 | 24.72 | 09-07-2026 |