Was macht eigentlich die Schulaufsicht? Eine Erfurter Studie hat 231 Personen befragt, die Vorgesetzte von Schulleitungen sind. Das Ergebnis zeigt einen deutlichen Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
AUDIO: Was die Schulaufsicht tut und was sie lieber täte (1 Min)
Schulaufsicht
Stand: 26.09.2026 16:45 Uhr
Wie arbeitet die Ebene zwischen Bildungsministerium und Schule? Die Universität Erfurt hat dazu 231 Schulaufsichtspersonen aus fünf Bundesländern befragt, nach Angaben der Herausgeber ist das die bislang breiteste Erhebung dieser Art in Deutschland. Sie beschreibt eine Berufsgruppe mit durchschnittlich 45,6 Wochenstunden, 38 zugeordneten Schulen und einem deutlichen Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit, was die Arbeitsinhalte angeht.
von MDR Wissen / RR
Wenn Eltern sich über eine Schule beschweren wollen und bei der Schulleitung nicht weiterkommen, landen sie bei der Schulaufsicht. Sonst bekommt kaum jemand außerhalb der Schule mit, dass es diese Verwaltungsebene gibt. Sie sitzt zwischen Bildungsverwaltung und Schule, und die Personen, um die es hier geht, sind die direkten Vorgesetzten der Schulleitungen.
Wie sie arbeiten, war bislang kaum untersucht. Ein Forscherinnenteam der Universität Erfurt um Kathrin Dedering hat deshalb im November und Dezember 2025 insgesamt 231 Schulaufsichtspersonen aus fünf Bundesländern online befragt. Laut der Studie legen die Schulgesetze der Länder ein breites Aufgabenspektrum fest, das sowohl Aufsicht und Kontrolle als auch Unterstützung und Beratung umfasst. Ein einheitliches, konkretes Verständnis der Rolle gebe es in Deutschland bislang nicht. Auftraggeber der Untersuchung sind zwei private Bildungsstiftungen, die Heraeus Bildungsstiftung und die Wübben Stiftung Bildung.
Wunsch und Wirklichkeit im KalenderDie Befragten sollten zweimal schätzen: Wie viel Prozent ihrer Arbeitszeit sie tatsächlich für acht Aufgabenfelder aufwenden, und wie viel sie gerne aufwenden würden. Den größten Anteil nimmt demnach das Beschwerde-, Konflikt- und Krisenmanagement ein, mit 22,3 Prozent. Dazu zählt die Studie Beratungs- und Personalgespräche, die Moderation von Konflikten und Beschwerden sowie Disziplinarverfahren.
Für die Unterstützung der Qualitäts- und Schulentwicklung bleiben am Ende nur 12,1 Prozent der Arbeitszeit. Bei der Wunschverteilung kehrt sich das Verhältnis um: Die Schulentwicklung käme auf 24,3 Prozent, das Konfliktmanagement auf 8 Prozent. Beide Differenzen sind laut Studie statistisch signifikant.
Dazu passt, durch welche Themen Schulaufsichtspersonen mit Schulen in Kontakt treten: Beschwerden, Konflikte und Krisen nennen 99,6 Prozent als Anlass, häufiger als jeden anderen, gefolgt von Unsicherheiten in rechtlichen Fragen.
Für bis zu 800 Schulen zuständigDie Zahl der Schulen, für die eine Person zuständig ist, liegt im Mittel bei 38. Aber die Spanne ist riesig. Gut die Hälfte der Befragten betreut "nur" bis zu 20 Schulen, bei knapp einem Drittel sind es 21 bis 40. Und dann gibt es noch 11,7 Prozent mit mehr als 60 ihnen zugeordneten Schulen. Und in dieser Gruppe gibt es nochmal extreme Unterschiede. Höchstwert der Befragung waren 800 zugeordnete Schulen, wobei die Studie offenlässt, welche Zuständigkeit sich hinter solchen Spitzenwerten verbirgt.
Besucht wird jede Schule von der Aufsichtsperson im Schnitt 4,3 Mal pro Schuljahr, eine große Mehrheit der Befragten (86,3 Prozent) kommt höchstens fünfmal im Jahr an jede Schule. 49,1 Prozent halten diese Häufigkeit für zu gering, und von diesen nennen gut drei Viertel Zeitmangel als Grund. Keine einzige der 231 befragten Personen gab an, zu oft vor Ort zu sein.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt nach eigenen Angaben 45,6 Stunden. Die Studie stellt dem die knapp 40 Stunden gegenüber, die das Statistische Bundesamt für 2025 als übliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten ausweist.
Oft ohne systematische Einarbeitung ins Amt57,6 Prozent der Befragten haben zu Beginn ihrer Tätigkeit keine systematische Einarbeitung erhalten, sagen sie. Fortbildung finde vor allem informell statt: 88,3 Prozent haben sich im vergangenen Jahr mit anderen Schulaufsichtspersonen ausgetauscht, 63,2 Prozent nahmen an Seminaren oder Lehrgängen teil. 69,3 Prozent wünschen sich zusätzliche Fortbildungsangebote, unter denjenigen mit höchstens fünf Jahren Berufserfahrung sind es sogar 77,9 Prozent.
Die Altersstruktur der Befragten ist eng: Gut 90 Prozent sind älter als 45 Jahre, fast die Hälfte ist zwischen 55 und 64 Jahre alt.
Einschränkend ist zu den Ergebnissen zu sagen, dass die fünf beteiligten Bundesländer in der Veröffentlichung anonymisiert sind. Alle Angaben zur Arbeitszeit beruhen auf Selbsteinschätzungen. Die Rücklaufquote der Studie lag bei 53 Prozent.
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