Nach dem Tod eines Mannes bei einem Polizeieinsatz in Tuttlingen ist ein Beamter derzeit nicht im Dienst. Allein er soll laut Landeskriminalamt die Schüsse abgegeben haben.
LKA zum aktuellen Ermittlungsstand
Nach tödlichem Einsatz am Tuttlinger Rathaus: Nur ein Polizist soll geschossen habenNach dem Tod eines Mannes bei einem Polizeieinsatz in Tuttlingen ist ein Beamter derzeit nicht im Dienst. Allein er soll laut Landeskriminalamt die Schüsse abgegeben haben.
Nach einem tödlichen Polizeieinsatz am Tuttlinger Rathaus am 8. Oktober gibt es neue Erkenntnisse zum Vorfall. Wie das Landeskriminalamt (LKA) dem SWR auf Anfrage bestätigt hat, hat ein einzelner Beamter auf den 27-jährigen Mann geschossen. Er soll mit einer Pistole im Bereich des Tuttlinger Rathauses gesessen und auf eintreffende Polizeikräfte gezielt haben, so das LKA.
Trotz Reanimationsversuchen starb der Mann noch am Tatort. Später wurde bekannt, dass es sich bei der Waffe des 27-Jährigen, der aus Afghanistan stammt, um eine Knallpistole handelte - "täuschend echt", von der aber faktisch keine Gefahr ausging.
Vier Schüsse aus einer Dienstwaffe in TuttlingenDas Ergebnis der Obduktion habe gezeigt, dass der Mann durch drei Polizeischüsse am Oberkörper und einen leichten Streifschuss am Arm getroffen wurde, so das LKA. Jetzt soll nach derzeitigen Ermittlungen klar sein, dass die Schüsse alle aus einer Dienstwaffe kamen. Der Beamte, der geschossen haben soll, befindet sich nach Angaben des LKA derzeit nicht im Dienst. Er bekomme Betreuungs- und Unterstützungsangebote, hat eine Sprecherin mitgeteilt.
Auf SWR-Nachfrage betont das Landeskriminalamt, das gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Rottweil die Ermittlungen führt, dass die eingesetzten Polizeibeamten sich in einer "hochdynamischen und äußerst angespannten Einsatzsituation" befanden. Innerhalb kürzester Zeit müssten Entscheidungen getroffen werden. Wie die Beamten die Lage vor Ort konkret wahrgenommen haben, auch ob unter den Bedingungen eines solchen Geschehens eine zuverlässige Unterscheidung zwischen einer scharfen Schusswaffe und der verwendeten Nachbildung möglich war, seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
BW-Innenminister Hagel verteidigt PolizeieinsatzInnenminister Manuel Hagel (CDU) hatte zuletzt das Vorgehen der Polizei in Tuttlingen verteidigt. "Die Polizei hat meine volle Rückendeckung", sagte er. Niemand habe etwas mit einer Waffe, egal, was es für eine ist, in einem deutschen Rathaus zu suchen - auch nicht auf den Straßen. Wer mit einer Pistole auf eine Polizistin oder einen Polizisten ziele, müsse davon ausgehen, dass diese zum Äußersten greifen, um Schlimmeres zu verhindern, so Hagel.
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