In mehr als 450 Fällen soll ein Großvater seine Enkel sexuell missbraucht haben. Weil er es dieses Jahr auch bei einem fremden Mädchen versucht haben soll, steht er vor Gericht.
Zehn Jahre lang soll ein Mann seine Enkelin und seine beiden Enkel missbraucht haben. Von Oktober 2000 bis Oktober 2010 soll es zu 457 sexuellen Übergriffen an den Minderjährigen gekommen sein - im Auto, im Schwimmbad, bei dem Großvater Zuhause und auch auf einer Familienfeier. Eigentlich hatten die Enkel keine Anzeige erstatten wollen, doch Anfang des Jahres änderten sie ihre Meinung.
Anzeige wegen eines ZeitungsartikelsDenn im Februar war in einem Zeitungsartikel von einem 83-jährigen Mann die Rede, der im Solebad Cannstatt versucht haben soll, ein Mädchen sexuell zu bedrängen. Einer der Enkel vermutete sofort, dass sein Großvater der mutmaßliche Täter sein könnte. "Wir hatten nicht gedacht, dass er das auch außerhalb der Familie tut", erzählte der Enkel zunächst der Stuttgarter Zeitung.
Im Gespräch mit dem SWR bestätigte er, dass er und seine Geschwister sich aufgrund des Vorfalls im Februar entschieden hätten, doch Anzeige zu erstatten - auch, um andere zu schützen. Deswegen muss sich ihr mittlerweile 84-jähriger Großvater seit Mittwoch vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.
Vorwurf: Mehr als 450 sexuelle ÜbergriffeDie Staatsanwaltschaft hat Anklage in insgesamt 459 Fällen erhoben. Sie wirft dem Mann unter anderem schweren sexuellen Missbrauch und den Besitz von kinder- und jugendpornografischen Inhalten vor. Nach einer kurzen Verhandlungspause legte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis ab.
Der 84-Jährige räumte seine Taten in vollem Umfang ein. Er habe erkannt, dass er Unrecht getan habe und bedauere das zutiefst. Seine Enkel, die nicht mit im Gerichtssaal waren, bitte er um Entschuldigung. Die Untersuchungshaft, in der er sich seit April befindet, habe ihm einen Perspektivwechsel gebracht. Er stehe zu seinen Taten und wolle psychologische Hilfe annehmen.
Angeklagtem drohen mehrere Jahre HaftFür die Enkel bedeutet das Geständnis Erleichterung. Vor dem Gericht aussagen, sollen sie trotzdem noch. Dabei soll es vor allem um die Folgen der sexuellen Übergriffe gehen. Dem Angeklagten drohen mehrere Jahre Haft. Die Verhandlung wird am 9. November fortgesetzt.