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Die Generation Z liest nicht mehr? Falsch: Sie liest Untertitel

Дата публикации: 19-10-2026 03:30:00

Kulturpessimisten können beruhigt sein. Junge Leute schauen Filme, Serien oder Social-Media-Clips fast nur untertitelt, selbst wenn sie die gesprochene Sprache verstehen.

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Die Generation Z liest nicht mehr? Falsch: Sie liest Untertitel

Kulturpessimisten können beruhigt sein. Junge Leute schauen Filme, Serien oder Social-Media-Clips fast nur untertitelt, selbst wenn sie die gesprochene Sprache verstehen.

19.10.2026, 05.30 Uhr

3 Leseminuten


Ton aus und Untertitel an auch im Bett – da hört dann auch niemand, dass man noch nicht schläft.

Ton aus und Untertitel an auch im Bett – da hört dann auch niemand, dass man noch nicht schläft.

Getty

Die Klage hört man täglich, die Pisa-Studie bestätigt es: Die Jugend liest keine Bücher mehr. Die Aufmerksamkeitsspanne ist auf die Länge eines Tiktok-Videos geschrumpft. Eine Folge davon, so zeigen Tests, ist die abnehmende Lesekompetenz.

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Doch nun offenbart der Blick auf die Bildschirme der jüngeren Generationen, dass diese sehr wohl lesen, und eigentlich pausenlos. Sie aktivieren Untertitel bei Serien und Filmen, die sie streamen, selbst wenn sie die Sprache verstehen. Bei den Reels auf Instagram oder Tiktok sind Untertitel oft bereits Teil des Bildes.

Untertitel wurden einst für Hörbehinderte erfunden und dienten als Stütze im Fremdsprachenunterricht. Heute sind sie im Alltag unersetzlich geworden – und zwar nicht nur bei japanischen Animes, K-Dramen wie «Squid Game» oder der Serie «Tschugger», deren Walliser Dialekt selbst für andere Deutschschweizer unverständlich ist.

Generationengraben

Eine repräsentative Studie der Organisation Stagetext, die sich für barrierefreie Unterhaltung einsetzt, zeigt, dass rund 80 Prozent der 18- bis 25-Jährigen beim Streamen Untertitel einschalten. Bei den über 56-Jährigen liegt der Wert bei 12 Prozent – obwohl das Gehör dieser Generation eher abnimmt. Dass junge Leute weniger gut Englisch beherrschen, lässt sich sicher nicht behaupten. Selbst amerikanische Jugendliche schauen «The Simpsons» oder «The Odyssey» untertitelt.

Die Vorliebe für Untertitel hat mit der schlechten Tonqualität von Streaming-Diensten zu tun: Dialoge heben sich von Hintergrundmusik und Soundeffekten oft nicht gut ab. Dazu kommt die Aufmerksamkeit, die dadurch besser gehalten wird. Denn von überall droht Ablenkung. Vor allem bei kleinem Bildschirm.

Und am Smartphone wird heute alles geschaut, ob im Fitness oder unterwegs mit Freunden. Multitasking ist zum Lebensgefühl geworden. Dank Untertiteln kann man der Handlung folgen. In vielen Situationen muss man zudem auf stumm schalten, sofern man keine Kopfhörer aufhat, so etwa in der Unibibliothek oder im Gedränge im Bus.

Schrift macht Sprechen komplett

Man hat sich an die Verschriftlichung der Tonspur so gewöhnt, dass einen der von Buchstaben verstellte untere Bildrand nicht mehr stört. Im Gegenteil: Es fehlt etwas ohne sie. Der Linguistikprofessor John McWhorter schreibt in seiner «New York Times»-Kolumne: Untertitel würden wie die Vervollständigung des gesprochenen Dialogs wirken.

Während das Sprechen flüchtig und immer nur eine ungenaue Annäherung an das Gemeinte ist, macht die Schrift es fest. «Gesprochene Sprache wird erst dann vollständig, wenn wir sie gleichzeitig buchstabiert sehen», schreibt McWhorter.

Und jetzt? Ist die junge Generation wirklich verloren, wie das auch die deutsche Jugendbuchautorin Jana Frey beklagt? An einer Lesung bekam Frey von einer Gymnasiastin zu hören: Sie hasse Bücher und lese «mehr so Strassenschilder oder das, was über Geschäften steht».

Romance-Literatur boomt

Tatsache ist, dass Genres wie Fan-Fiction oder Romance- und New-Adult-Romane auf grosses Interesse stossen. Auf Booktok tauscht man Lektüretipps aus. Gesamthaft gesehen lesen Jugendliche jedoch viel weniger «Ganzschriften», also ein in sich geschlossenes literarisches Werk oder Sachbuch. Dennoch hat sich die Textmenge im Alltag eher vergrössert dank Chats, Social Media und Bildtexten.

Mit Untertiteln nimmt man die durch Dialoge transportierte Handlung besser auf. Das zeigen weitere Untersuchungen. Allerdings verpasst man dafür rund 40 Prozent der visuellen Details. Der Gesichtsausdruck eines Schauspielers oder eine subtile Handbewegung, die Teil der emotionalen, nonverbalen Erzählung sind, werden übersehen.

Und noch eine schlechte Nachricht: Je nach Tempo eines Films entgehen einem auch bis zu 40 Prozent der eingeblendeten Dialoge. Die Jugend-Skeptiker wird es nicht froher stimmen.

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Laut einer Studie sprechen wir jedes Jahr weniger Wörter. Was bedeutet das für Geist und Gesellschaft?

Zwei führende konservative Intellektuelle, Matt Ridley und Niall Ferguson, streiten darüber, ob die sinkende Lesekompetenz der Jugendlichen den Untergang der Zivilisation bedeutet.

Sie mag Mädchen, doch immer häufiger versteht sie diese nicht mehr: Jana Frey beklagt in ihrem neuen Buch, dass junge Frauen kaum mehr läsen, dafür würden psychische Störungen zur Auszeichnung.

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