Vier Flügel, tausend Saiten, fünf Pianisten: Gemeinsam spielen sie rare Kostbarkeiten von Bach und Mozart für zwei bis vier Tasteninstrumente.
Vier Flügel, tausend Saiten, fünf Pianisten: Gemeinsam spielen sie rare Kostbarkeiten von Bach und Mozart für zwei bis vier Tasteninstrumente.
16.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Dmitry Khamzin /
Géza-Anda-Stiftung
Das jüngste Konzert in der Tonhalle war ein Fest für Freunde des Klaviers – und für Rechenkünstler. Über achtundachtzig Tasten verfügt ein moderner Konzertflügel. Damit jede davon den gewünschten Ton erzeugt, sind in solch einem Wunderkasten bis zu 236 Saiten verbaut – für die tieferen Töne jeweils nur eine, in der Höhe, die mehr Brillanz verlangt, sind es bis zu drei pro Ton. Auf dem Metallrahmen, an dem alle diese Saiten hängen, lastet eine Zugkraft von 23 Tonnen. Wenn nun gleich vier solcher kapitaler Instrumente gleichzeitig auf eine Bühne gerollt werden – was selten genug geschieht –, stehen da rund zwei Tonnen Präzisionsmechanik, geschaffen in feinster Handwerkstradition. Mehr Klavier passt kaum noch in einen Konzertsaal.
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Die Zürcher Géza-Anda-Stiftung, die alle drei Jahre einen international ausstrahlenden Klavierwettbewerb ausrichtet, hat sich eine solche Materialschlacht geleistet – für eine originelle Hommage an ihren Namensgeber, den Schweizer Pianisten Géza Anda. Der beabsichtigte Nebeneffekt: So konnten gleich fünf ihrer ehemaligen Preisträger in wechselnden Konstellationen in der Tonhalle auftreten und gemeinsam konzertieren. Angemessen anspruchsvolle Werke für eine derart ausgefallene Besetzung gibt es nämlich auch, und sie stammen nicht von irgendwelchen Kleinmeistern. Vielmehr sind hier nicht weniger als fünf der schönsten Konzerte für zwei bis vier Tasteninstrumente von Bach und Mozart zu erleben.
Konzert mit BundeskanzlerAlle diese Werke erklingen heute leider kaum noch in regulären Sinfoniekonzerten. Ein Grund dafür ist fraglos der Aufwand. Ein weiterer liegt wohl darin, dass Pianisten normalerweise Einzelkämpfer sind, und die teilen den Platz im solistischen Rampenlicht halt ungern mit anderen Vertretern ihrer elitären Spezies. Mozarts zauberhaftes Es-Dur-Konzert KV 365 wird deshalb vorzugsweise von professionellen Klavierduos interpretiert. Das ebenso geistreiche Konzert für drei Klaviere KV 242, das den zweiten Teil der Hommage eröffnete, ist heute dagegen eine echte Rarität – auch wenn ausgerechnet Helmut Schmidt das Stück 1981, im letzten Jahr seiner Kanzlerschaft, zusammen mit Christoph Eschenbach und Justus Frantz zur Aufführung gebracht und sogar eingespielt hat. Tempi passati.
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Zlata Chochieva, Dmitry Yudin und Wataru Hisasue arbeiten jeder für sich erfolgreich an einer Solokarriere, finden sich hier aber ganz ohne Allüren zum Piano-Terzett zusammen. Chochieva am ersten Klavier sorgt wie nebenbei für die Koordination mit dem Musikkollegium Winterthur, das unter Führung seiner Konzertmeisterin Rahel Cunz den orchestralen Rahmen beisteuert – erfreulich präzise und stilistisch einfühlsam.
Im EinklangWenn nun die drei im Mozart-Konzert beherzt loslegen, ist der Tonhalle-Saal alsbald erfüllt von wundersam volltönenden Klängen und irisierenden Obertonspektren. Weil bei der Stimmung der vielen hundert Saiten ganze Arbeit geleistet worden ist, klingen die drei Flügel fast wie ein grosses Instrument. Die anspruchsvolle Synchronisierung jedes einzelnen Anschlags mit den Partnern gelingt den Pianisten makellos.
Davon profitieren auch die insgesamt drei Bach-Konzerte für zwei, drei und schliesslich vier Instrumente. Hier stossen die bereits arrivierten Pianisten David Fray und Anton Gerzenberg zu der Gruppe. Und da der Ensemblegeist auch in den neuen Konstellationen die Oberhand behält, wird nicht einmal das ursprünglich für vier Cembali komponierte a-Moll-Konzert BWV 1065 zum Tastenspektakel. Vielmehr hört man, wie in einem Streichquartett, vier hochmotivierte junge Musiker, die sich geistreich unterhalten – und das Publikum gleich mit.
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