Der BYD Dolphin G DM-i ist der einzige Plug-in-Hybrid im Kleinwagensegment. Wie gut fährt sich der 28.990 Euro teure Kleinwagen aus China?
Stand: 20.10.2026, 12:15 Uhr

Der BYD Dolphin G DM-i ist der einzige Plug-in-Hybrid im Kleinwagensegment. Wie gut fährt sich der 28.990 Euro teure Kleinwagen aus China?
Berlin – Mit einem Traum fing alles an. 20 Mitarbeiter, 300.000 Euro Kapital – das war der Start von BYD. Der damals 29-jährige Chemiker Wang Chuanfu träumte davon, günstige Handy-Akkus zu bauen. Das war in der chinesischen Metropole Shenzhen in der Yadi Road. Heute heißt der milliardenschwere Konzern, der mittlerweile Autos baut, passenderweise BYD: Build Your Dreams. 4,5 Millionen Fahrzeuge hat der Hersteller im vergangenen Jahr gebaut, davon gut eine Million außerhalb Chinas verkauft. Und hier will BYD auch weiterwachsen. Auch mit ungewöhnlichen Ideen. Ein Kleinwagen mit über 1.000 Kilometern Reichweite, davon mehr als 100 elektrisch. Das bietet der BYD Dolphin G DM-i, den wir zu einem Kurztest ausführen konnten.
Diese Konkurrenten warten auf den BYD DolphinSo kompliziert der Name ist, so einfach ist das, was dahintersteckt. Aber zuerst muss man mit einem Irrglauben aufräumen: Dieser Dolphin hat mit den anderen beiden Dolphins, die BYD parallel dazu anbietet, nichts zu tun. Der G DM-i ist ein eigenständiger Kompaktwagen, von der Größe (4,16 Meter Länge, 1,83 Meter Breite) her angesiedelt zwischen VW Golf und VW Polo. Von der Form her erinnert er an ein SUV. Ansonsten ist das Design eher unauffällig, wäre da nicht die schreiende Farbe des Testwagens. Offiziell heißt sie „Orange Sunset“, treffender wäre Kommunal-Rot. Der kleine Chinese tritt im B-Segment an. Dort, wo sich Toyota Yaris und Renault 4 E-Tech als Hybride tummeln. Bei den Verbrennern ist der Volkswagen-Konzern mit Polo oder Skoda Fabia stark. Und bei den E-Autos nimmt er es mit dem MG 4 electric Urban, dem Hyundai Ioniq 3, dem Cupra Raval oder dem Geely E2 auf.
Darum ist der China-Delfin langstreckentauglichWarum dieser Dolphin so besonders ist, liegt an seinem Antrieb. Als PHEV verfügt er sowohl über einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner als auch über eine leistungsstarke E‑Maschine. Dazu gibt es (abgesehen vom Basismodell) eine 18,3 kWh große Batterie. Mit dieser aufwendigen Technik, die man sonst eher von größeren Baureihen gewohnt ist, hat der Dolphin G Dm-i ein echtes Alleinstellungsmerkmal und schafft bis zu 105 Kilometer rein elektrisch. Also in aller Regel genug, um damit täglich von und zur Arbeit zu pendeln. Mit seinem 42-Liter-Tank ist der China-Delfin auf Rädern aber auch langstreckentauglich. Gute 900 Kilometer sind darüber hinaus drin und damit auch die Fahrt in den Urlaub.
Sofern man sich mit einem solchen Kompaktwagen überhaupt auf lange Reisen begeben möchte. Kommt ohnehin nur infrage für zwei Erwachsene. Zwar bietet der Radstand von 2,61 Metern ordentlich Platz, aber hinten im Fond wird es dann ab einer Körpergröße von 1,80 m schon eng. Und auch das Kofferraumvolumen eignet sich mit 425 Litern eher für das Gepäck eines Pärchens. Umgeklappt passen 1.225 Liter in den Dolphin. Bequem ist das Einladen nicht. Denn zum einen hat man eine hohe Ladekante, dann geht es tief hinunter. Das heißt, man muss die Ladung immer ganz unbequem hochwuchten. Eine ebene Fläche gibt es ebenfalls nicht, weil die umgeklappte Rückbank eine Stufe bildet.

Doch zurück zum Antrieb: Wer in den Genuss der großen Elektro-Reichweite kommen will, darf sich nicht das Basismodell „Active“ holen, das BYD für 28.990 Euro anbietet. Denn dann schrumpft der Akku auf eine Größe von 7,4 kWh und 40 Kilometer Reichweite. Auch das Aufladen ist beschwerlicher: Gerade mal 3,3 kW (AC) zieht die kleine Batterie. Der größere Stromspeicher kommt ab der Ausstattung „Boost“ (ab 31.990 Euro) zum Zug. Geladen wird mit 6,6 kW (AC) oder mit bis zu 39 kW bei Gleichstrom (DC). Und auch die Motorleistung steigt von 129 kW / 176 PS auf 156 kW / 212 PS. Das reicht dann für einen Spurt in 8,3 Sekunden von 0 auf 100. Überwiegend treibt die Elektro-Maschine die Frontachse an – nur beim Überholen oder bei langen Steigungen springt der Benziner an seine Seite und greift aktiv ins Geschehen ein. Dann wird es auch laut im Auto. Ansonsten konzentriert sich der Verbrenner auf seine Hauptaufgabe: das Produzieren von Strom.
Können Fahrwerk und Lenkung überzeugen?Bei der Traktion hapert es manchmal. Die Reifen neigen bei plötzlicher Lastanforderung zum Durchdrehen. Unruhig wird es in schnell gefahrenen Kurven. Dann neigt sich die Karosserie trotz der harten Abstimmung deutlich zur Seite. Auch an der Lenkung müssen wir mäkeln. Der Dolphin G DM-i wurde zwar in Europa für Europa entwickelt und sollte eigentlich für den europäischen Geschmack optimiert worden sein. So ganz hat das aber nicht funktioniert. Gefühllos würden wir die Lenkung nicht bezeichnen – eher neutral mit zu wenig Rückmeldung von der Straße. Was dazu führt, dass man auf der Autobahn schon mal nachsteuern muss, um das Auto gerade zu halten.

Das Interieur des Dolphin G DM-i präsentiert sich solide, was die digitale Welt angeht. Der Tacho ist in allen Ausstattungslinien 8,0 Zoll groß und wird von einem 10,1-Zoll-Bildschirm in der Basis ergänzt. Alle anderen Linien haben ein 12,8 Zoll großes Display. Zwar muss man Funktionen wie die Seitenspiegelverstellung über den Screen steuern – dafür aber sind für die Klimaanlage, die Fahrmodi und die Audiolautstärke echte Tasten vorhanden. China light, würden wir sagen, eine echte Konzession an die europäische Kundschaft. Die verwendeten Materialien sind ebenfalls solide – bis abwaschbar. Viel Hartplastik, das aber immerhin strukturiert ist und nicht ganz so billig wirkt. Aber auch einige unterschäumte Flächen gibt es dort, wo man engeren Körperkontakt hat, wie zum Beispiel an den Armlehnen. Das Design bleibt klar und kühl. Angenehm sachlich.

Mit dem Dolphin G DM-i bringt BYD als erster Hersteller einen Plug-in-Hybrid auf den Markt mit einer Reichweite jenseits von 1.000 Kilometern. Damit zeigen die Chinesen, dass mit ihrer Innovationskraft auch in Zukunft zu rechnen ist. Der PHEV mag für Firmenkunden interessant sein, die in entlegene Gegenden fahren müssen und deshalb unabhängig vom Ladenetz sein wollen. Außerdem greift hier die 0,5-Prozent-Versteuerung für Dienstwagen. Für Privatkunden erschließt sich uns der Sinn nicht ganz. Wer weit draußen wohnt und große Strecken zurücklegen muss, der bleibt beim Verbrenner. Innerstädtisch und im Schatten der Metropolen tut es ein reiner Stromer auch. Dazu kommt, dass dieser Dolphin vom Preis her kein echter Brecher ist. Schon das Basismodell kostet um einige tausend Euro mehr als vergleichbare reine Elektro-Kleinwagen. Klar, die Ausstattung ist im BYD besser. Dafür bekommt man aber nur die Version mit 40 Kilometern Reichweite. Die nächsthöhere Variante kostet dann schon über 31.000 Euro und ist – Prämie hin, Prämie her – definitiv kein Schnäppchen. Möglicherweise überzeugen die Chinesen den Markt mit einer attraktiven Leasingrate. Rudolf Bögel
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