Ein familiär geführter Schuhladen überlebte fast drei Jahrhunderte – doch nun fehlt in der Familie ein Nachfolger. Traurig sind die Betreiber darüber nicht: Das Geschäft lohne sich kaum noch.
Ein familiär geführter Schuhladen überlebte fast drei Jahrhunderte – doch nun fehlt in der Familie ein Nachfolger. Traurig sind die Betreiber darüber nicht: Das Geschäft lohne sich kaum noch.
Nach acht Generationen endet beim Schuhfachgeschäft „Mertens Schoenen“ im belgischen Ort Löwen (Leuven) ein traditionsreiches Familienkapitel. Die Familie Mertens gibt ihren Laden auf – und damit das älteste Geschäft Belgiens, wie sie es selbst nennen. Die letzten 40 Jahre der 299-jährigen Geschichte führte es das Ehepaar Isabelle Mertens (61) und Erik Meulemans (62). Nun soll bald Schluss sein: Die beiden Kinder haben andere Lebensziele, wie die belgische Zeitung „De Standaard“ berichtet.
Im Geschäft zieht die Kundschaft zunächst eine Nummer und wird anschließend persönlich beraten. Dann werden die Schuhe anprobiert: „Auch die Schnürsenkel binden wir. Ich glaube, damit haben wir den Unterschied gemacht„, sagt Erik zu “De Standaard„. Die drei Mertens-Filialen liegen alle in derselben Altstadtstraße. Dort stehen pro Saison rund 1500 Modelle in allen Größen zur Auswahl. Auf den großen Schuhmessen Europas stellt Isabelle Mertens die Kollektionen selbst zusammen.
Isabelle half schon als Grundschülerin im Laden aus. Erik, einst Lehrer, stieg mit 30 ein. Er führt die gesunkenen Einnahmen auch auf verändertes Kaufverhalten und Modetrends zurück: Sneaker seien etwa längst im Mainstream angekommen. Zusätzlich verschärfte der Onlinehandel den Druck auf das Geschäft, weil der stationäre Handel bei den Preisen kaum mithalten könne. Die Belegschaft sei deshalb von zwölf auf zuletzt sieben Mitarbeiter verkleinert worden.
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Über die Jahrzehnte wuchs der Kundenstamm auf rund 90.000 Menschen. Familien kauften dort etwa Schuhe für Hochzeiten oder Kommunionen. Hinter dem Erfolg stand ein enormer Arbeitsaufwand: „In dieser Branche gibt es kaum Work-Life-Balance: Wir haben sechs Tage pro Woche geöffnet, manchmal sogar jeden Tag“, erzählt Erik gegenüber „De Standaard“. Nach Ladenschluss ginge die Arbeit weiter.
Die Kinder der beiden arbeiten als Sportjournalist und Physiotherapeutin im Spitzensport. Das Unternehmen wollten sie nicht übernehmen. Doch das Paar bedauert das Ende nicht: Die Arbeitsweise sei kaum noch wirtschaftlich, die Kinder wolle man nicht drängen. Wie das belgische Wirtschaftsportal „Made In“ berichtet, soll im Juli 2027 die niederländische Modekette Omoda in die Hauptfiliale einziehen und die Belegschaft übernehmen.
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Auch in Deutschland stehen Schuhgeschäfte unter Druck: Der Schuhmarkt verzeichnete hierzulande 2025 den dritten Rückgang in Folge und kommt auf 9,3 Milliarden Euro, wie das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln berichtet. Zugleich sinkt die Zahl der Schuhunternehmen – auch wegen fehlender Nachfolger.
Bereits im Jahr 2024 gaben Verbraucher weniger Geld für Schuhe aus, wie der „Spiegel“ unter Bezugnahme auf die IFH-Auswertung aus dem letzten Jahr berichtet. Ein Schuhmarkt wächst jedoch: 2024 gaben Verbraucher 2,7 Milliarden Euro für Sneaker aus – ein Drittel mehr als noch im Jahr 2018. Ihr Marktanteil lag bei über 28 Prozent.