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Alarm-Studie: Suizidrate bei Bauern und Jägern 6-fach erhöht - 1 Fall pro Woche

Дата публикации: 18-10-2026 10:07:00

Eine Studie zeigt eine deutlich erhöhte Suizidrate bei Menschen, die haupterwerblich in landwirtschaftsnahen Berufen arbeiten. Die Rate in der untersuchten Berufsgruppe lag 6-mal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

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Eine Studie zeigt eine deutlich erhöhte Suizidrate bei Menschen, die haupterwerblich in landwirtschaftsnahen Berufen arbeiten. Die Rate in der untersuchten Berufsgruppe lag 6-mal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Zwischen 2017 und 2024 wurden in der untersuchten Berufsgruppe 463 Suizide erfasst. Im Durchschnitt waren es knapp 58 Fälle pro Jahr – etwa ein Suizid pro Woche. Die Suizidrate lag damit deutlich über der Rate in der übrigen Bevölkerung.

Grüne Berufe: 6-fach erhöhte Suizidrate

Über den gesamten Untersuchungszeitraum lag die geschätzte Suizidrate in den grünen Berufen bei 82 Fällen je 100.000 Personen. In der übrigen Bevölkerung betrug sie 13,5 Fälle je 100.000. Damit war die Rate in der untersuchten Berufsgruppe rechnerisch 6,1-mal so hoch.

Für die Untersuchung, die kürzlich von „Springer-Medizin“ veröffentlich wurde, werteten die Wissenschaftler Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik Bayern aus. Dort werden Suizide nach Alter, Geschlecht und Beruf erfasst. Im Rest von Deutschland wird dies nicht getan, so dass es ausschließlich um Daten aus Bayern handelt. Aber die Wissenschaftler verweisen darauf, dass die Ergebnisse durchaus im Einklang mit internationalen Studien stünden, So sei in Frankreich das Suizidrisiko bei Männern in der Landwirtschaft im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um rund 30 Prozent höher.

Zur Gruppe der sogenannten „grünen Berufe“ zählen unter anderem Landwirte, landwirtschaftliche Arbeiter, Tierzüchter, Gartenbauer sowie Beschäftigte in Forst-, Jagd- und Fischereiberufen. Die Ergebnisse beziehen sich vor allem auf Menschen, die diese Tätigkeiten haupterwerblich oder überwiegend ausüben. Allerdings weist die Studie darauf hin, dass die Zuordnung von einigen Teilgruppen teilweise unscharf ist.

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Rate bei Männern im mittleren Alter mehr als dreimal so hoch

Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass der Gesamtvergleich mit Vorsicht zu bewerten ist. Die Berufsgruppe unterscheidet sich von der übrigen Bevölkerung unter anderem bei der Alters- und Geschlechterverteilung. So ist der Anteil von Männern und Menschen über 60 Jahren deutlich höher bei dieser Berufsgruppe als bei der Gesamtbevölkerung. Aussagekräftiger sei deshalb der Vergleich innerhalb einzelner Alters- und Geschlechtsgruppen.

Bei Männern zwischen 18 und 59 Jahren, für die nach Angaben der Studie die verlässlichste Datengrundlage vorlag, war die Suizidrate 3,4-mal so hoch wie bei Männern gleichen Alters in der übrigen Bevölkerung. Bei Männern ab 60 Jahren lag sie 4,2-mal höher. Auch in den übrigen ausgewerteten Teilgruppen zeigten sich deutlich erhöhte Raten.

Vor allem Männer betroffen

Die Suizide in den grünen Berufen betrafen überwiegend Männer. Ihr Anteil lag bei 94 Prozent. In der übrigen Bevölkerung waren 73 Prozent der Suizidopfer Männer. Auch beim Alter zeigten sich Unterschiede: 61 Prozent der männlichen Suizidfälle in den grünen Berufen entfielen auf Menschen ab 60 Jahren. In der übrigen Bevölkerung lag dieser Anteil bei 45,9 Prozent.

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass die Alters- und Geschlechterverteilung teilweise mit der Struktur der Landwirtschaft zusammenhängen könnte. So werden Betriebe in diesem Bereich zu rund 90 Prozent von Männern geleitet. Gleichzeitig sei nicht auszuschließen, dass Suizide von Frauen in der Polizeistatistik häufiger nicht dem landwirtschaftlichen Beruf zugeordnet würden. Wegen der vergleichsweise kleinen Fallzahlen seien Aussagen über Frauen deshalb nur eingeschränkt möglich.

Der höchste Wert innerhalb des Untersuchungszeitraums wurde 2022 verzeichnet. In diesem Jahr wurden 81 Suizide in der Gruppe der grünen Berufe registriert. Auch in der übrigen Bevölkerung lag die Zahl 2022 am höchsten, der Anstieg fiel dort jedoch weniger deutlich aus. Einen ursächlichen Zusammenhang mit bestimmten politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen stellt die Studie ausdrücklich nicht her, verweist aber auf die Folgen der Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen und psychischen Probleme für viele Menschen damals.

Gründe für erhöhtes Risiko bleiben offen

Die Untersuchung zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu den grünen Berufen und einer erhöhten Suizidrate. Sie kann jedoch nicht erklären, warum das Risiko höher ist. Psychische Erkrankungen, individuelle Lebensumstände oder konkrete betriebliche Belastungen wurden nicht untersucht.

Die Studie verweist darauf, dass Beschäftigte in der Landwirtschaft mit unterschiedlichen Belastungen konfrontiert sein können. Dazu zählen wirtschaftliche und finanzielle Unsicherheiten, hohe Arbeitslast, politische und strukturelle Anforderungen sowie die Arbeit in abgelegenen Regionen. Auch Einzelarbeit und eine ständige Verfügbarkeit können eine Rolle spielen. Diese Aspekte stammen jedoch aus dem wissenschaftlichen Hintergrund der Arbeit und wurden in der vorliegenden Untersuchung nicht als Ursachen überprüft.

Alois Rainer

Alois Rainer Sven Kaeuler/dpa
Minister warnt wegen erhöhter Suizidraten

Die Forschenden warnen deshalb davor, aus den Ergebnissen einzelne Auslöser abzuleiten. Die Studie erlaubt nach ihrer Einschätzung vor allem die Feststellung, dass Menschen in den untersuchten Berufen besonders gefährdet sein könnten.

Aus Sicht der Autoren sprechen die Befunde für gezielte Maßnahmen der Suizidprävention in den grünen Berufen und nennen unter anderem niedrigschwellige psychosoziale Beratungsangebote und verbesserten Zugang zu professioneller Gesundheitsversorgung.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) warnte vor überdurchschnittlich hohen Suizidraten unter Landwirten in Deutschland. Die Landwirte litten mittlerweile unter großen Herausforderungen, erklärte der Minister, wie die Fachzeitschrift „top-agrar“ berichtet. Dazu zählten laut Rainer eine überbordende Bürokratie, der Klimawandel, der Wegfall von verschiedensten Pflanzenschutzmitteln und auch ein Vertrauensverlust in die Politik. „Wenn mir gesagt wird, dass jeder dritte Landwirt Liquiditätsprobleme hat, dann ist es in der Landwirtschaft natürlich sehr, sehr schwierig“, wird Rainer zitiert.

Zu den Ursachen der hohen Suizidrate gehörten weitere Faktoren: Rainer nannte unter anderem „die Erwartungshaltung, wenn der junge Betriebsübernehmer was umstellt im Betrieb – und es läuft nicht gleich so“, aber auch „eine gewisse Scham“, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. „Das hat verschiedenste Hintergründe, aber natürlich sind es oftmals wirtschaftliche Schwierigkeiten, für die der überwiegende Großteil nichts dafür kann.“

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über das Thema Suizid zu berichten. Sollten Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Hilfe finden Sie bei kostenlosen Hotlines wie 0800-1110111 oder 0800 3344533.

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