Für ihr dystopisches Romandebüt „Zeit der Monster“ hat sich Seyda Kurt ein düsteres Szenario ausgedacht, das erschreckende Bezüge zur Realität aufweist. Jetzt stellte die Autorin ihr Buch bei den Literaturtagen Düsseldorf im FFT vor.
20.10.2026 · 09:01 Uhr
Düsseldorf · Für ihr dystopisches Romandebüt „Zeit der Monster“ hat sich Seyda Kurt ein düsteres Szenario ausgedacht, das erschreckende Bezüge zur Realität aufweist. Jetzt stellte die Autorin ihr Buch bei den Literaturtagen Düsseldorf im FFT vor.
„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren“, heißt es in einem Satz von Antonio Gramsci. Diese Phase zwischen Apokalypse und Neuanfang nennt er die „Zeit der Monster“. Damit hat Seyda Kurt ihren Debütroman überschrieben, den sie am Montagabend im FFT vorstellte. Die Autorin war Gast der Literaturtage Düsseldorf und gab im Gespräch mit Emily Grunert, Leiterin des Literaturbüros NRW, Einblicke in ihre Schreibwerkstatt. Ein Neuling im Literaturbetrieb ist Şeyda Kurt nicht. Die Kölnerin ist Aktivistin, Essayistin und hat bereits zwei viel beachtete Sachbücher geschrieben.
Ein Endzeit-Szenari, angesiedelt in einem heruntergekommenen Stadtteil einer deutschen Metropole, der Köln-Kalk sein könnte. In den sozialen Netzwerken geht eine dunkle Prophezeiung viral und sorgt für Untergangsstimmung. Kurt geht in ihrem Roman der Frage nach, welche Chancen im Zerfall der Ordnungen liegen und ob eine andere, bessere Art von gemeinschaftlichem Leben möglich ist. Ein Leben, in dem die Menschen einander nicht als Gegner begreifen, die um ihre gesellschaftliche Stellung kämpfen müssen, sondern die Kraft aus der Gemeinschaft und aus der Kooperation ziehen.
Leicht macht es Seyda Kurt den Lesenden dabei jedoch nicht. Die Leiterin des Literaturbüros NRW attestierte ihr „eine große Fabulierlust“, die für ihre Geschichten viele verschiedene Räume nutzt und nicht vor Personal zurückschreckt, das einem Wimmelbild gleicht. Kurt räumte ein, dass sich ihr Lektor mit dem Wunsch durchgesetzt habe, dem Buch eine Liste der auftretenden Personen voranzustellen. Außerdem hilft eine Karte dabei, sich in Kurts Multiversum zurechtzufinden.
Mit einer Pistole in der Tasche lässt die Autorin die junge Sanya durch ihr wildes, kaputtes Stadtviertel streifen. Dort breitet sich mehr und mehr eine apokalyptische Atmosphäre aus, die immer wieder durch Tiktok und Co. angestachelt wird.
Auf die Frage von Emily Grunert, warum sie immer nur von „dem Viertel" spricht, es aber nicht als Köln-Kalk benennt, erklärte die Autorin, dass sie „nicht in die Falle postmigrantischer Literatur tappen“ wolle, die mit Hilfe von „Sozialdramen bestimmte Milieus beschreibt“.
Selbst in Köln-Kalk aufgewachsen, habe sie erlebt, wie der von Schwerindustrie geprägte Stadtteil sich verändert hat. Ein Schicksal, das viele Viertel auch in anderen Städten teilen. Köln-Kalk kann daher überall sein.
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