Mitten in der wichtigsten Phase der Sozialreformen tritt die Sozialministerin zurück. Währenddessen betreibt die CDU Selbstfindung. Wohin treibt diese Regierung nur?
Es ist wie in dem alten Slapstick von Loriot: Eigentlich hing nur das Bild schief, doch beim Geraderücken stürzt Loriot in kürzester Zeit alles ins Chaos. Tische, Vasen, Lampen, Teller und Regale – alles geht innerhalb von drei Minuten zu Bruch. Nichts will gelingen. Jedes Bemühen um Verbesserung macht alles nur noch viel schlimmer. Hätte Loriot doch nur nicht dieses vermaledeite Zimmer betreten.
Ähnlich läuft es seit anderthalb Jahren bei Kanzler Friedrich Merz und seiner Koalition aus Union und SPD: verbale Ausrutscher, gegenseitige Beschimpfungen, gebrochene Wahlversprechen. Und kaum hat man sich von holprigen Koalitionsausschüssen zu vertrauensbildenden Kabinettsklausuren in diversen Villen und Schlössern gehangelt, schon kommt wieder eine unangenehme Landtagswahl dazwischen. Gleich drauf wollen sture Parteifreunde des einen Lagers hier mit Antisemiten koalieren, und dort wählen die anderen Parteileute einen Rechtsextremisten zum Landtagspräsidenten mit.
Gerade noch war die CDU zur strategischen Selbstfindung im Adenauerhaus zusammengekommen, da bricht Montag morgens im kaum drei Kilometer entfernten Willy-Brandt-Haus der SPD erneut das Chaos aus: Sozialministerin und SPD-Co-Chefin Bärbel Bas wirft hin. Doch das Ganze ist kein lustiger Sketch aus der Feder eines genialen Humoristen – nein, die Trümmertruppe aus Union und SPD ist trauriger Regierungsalltag der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.