Auf Katzen, Hunden und Gorillas krabbelt jeweils nur eine Art von Läusen, Menschen beherbergen drei. Ein Blick in deren Gene löst ein uraltes Rätsel der kulturellen Evolution von Homo sapiens.
Wer je die himalayaartigen Wäscheberge einer fünfköpfigen Familie bewältigen musste, hat sich bestimmt irgendwann fluchend gefragt: Warum hat Homo sapiens einst beschlossen, sich mit Fellen und Stoffen zu bedecken? Und seit wann?
Klar. Klamotten wärmen und ermöglichten es, in eisigen Gefilden zu überleben. Doch wann Menschen erstmals Lendenschurz oder Bastrock trugen, war lange unklar – zu vergänglich ist das Material, um Hunderttausende von Jahren in Gräbern zu überdauern und Archäologen Hinweise auf prähistorische Joops oder Lagerfelds zu geben.
Des Rätsels Lösung kommt von eher unerwarteter Seite, von einem unerwünschten Untermieter des Menschen, der Laus. Heutzutage sind die Parasiten eher selten zu Gast, werden meist aus Kitas oder Schulen nach Hause geschleppt – und verdoppeln dann die Zahl der Wäscheberge.

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Katzen, Hunde, Schimpansen – die meisten Säugetiere beherbergen nur eine Lausart, da ihre Klauen perfekt an den jeweiligen Wirt angepasst sein müssen, um sich festklammern zu können. Auf Menschen hingegen tummeln sich gleich drei Lausspezies: Die Filzlaus Phtirus pubis kommt ausschließlich im Schambereich vor und ist, warum auch immer, eng verwandt mit Pthirus gorillae – genau: Gorillafilzläusen. Die Kopflaus Pediculus humanus capitis hat sich auf die menschliche Mähne spezialisiert, während Pediculus humanus corporis, die Kleiderlaus, ausschließlich auf Klamotten überlebt.
Als Genforscher das Erbgut von Kopf- und Kleiderlaus untersuchten, stellten sie nicht nur fest, dass die beiden Arten eng verwandt sind. Sie konnten auch abschätzen, wann die Kleiderlaus entstand, also wann sich ihre Klauen darauf spezialisierten, sich an Hemden und Hosen statt an Kopfhaare zu klammern: vor etwa 100.000 bis 170.000 Jahren.
Ist das also der Zeitpunkt, zu dem Menschen begannen, regelmäßig Kleidung zu tragen? Jedenfalls wäre es ein großer Zufall, dass Homo sapiens um etwa die gleiche Zeit Afrika verließ und sich in klimatisch raueren Regionen behaupten musste. Vielleicht überlebten die Neandertaler auch deshalb nicht, weil sie keine oder nicht so gute Kleidung wie Homo sapiens hatten.
Dass die wärmenden Gewänder mit lästigen Untermietern, einem gewissen Juckreiz, Blutverlust und der Übertragung von Krankheiten einhergingen, nahmen die Menschen in Kauf. Aber sie ahnten ja auch noch nichts von den Wäschebergen.
Der „Erbonkel“ – Geschichten rund um Gene, jedes Wochenende.
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