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Die Sonne wird nicht länger die Länge eines Tages bestimmen

Дата публикации: 17-10-2026 08:00:00

Ein historischer Schnitt bei der Zeitmessung: Die Schaltsekunde verschwindet. Künftig läuft die Weltzeit kontinuierlich – auch wenn die Erde anders tickt.

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Die Sonne wird nicht länger die Länge eines Tages bestimmen

Stand: 17.10.2026, 10:00 Uhr

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Ein historischer Schnitt bei der Zeitmessung: Die Schaltsekunde verschwindet. Künftig läuft die Weltzeit kontinuierlich – auch wenn die Erde anders tickt.

Ein Tag auf der Erde ist nicht länger an den Auf- und Untergang der Sonne gekoppelt, nachdem die Zeitwächter der Welt für die Abschaffung der Schaltsekunde gestimmt haben. Seit den 1970er-Jahren wurden die Uhren weltweit 27-mal um Schaltsekunden ergänzt, um die Atomzeit mit der täglichen Rotation der Erde in Einklang zu halten, die sich über Milliarden von Jahren verlangsamt hat.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Bei solchen Gelegenheiten hielten die Uhren an Silvester um 11:59:59 Uhr für eine Sekunde inne, damit die Erdrotation zur Atomzeit aufschließen konnte – diese wird durch den gleichmäßigen Takt von Elektronen bestimmt und nicht durch die Bewegung eines Planeten. Das letzte Mal geschah dies 2016.

Am Donnerstagnachmittag (15. Oktober) verabschiedete die Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Paris eine Resolution, die künftig eine deutlich größere Abweichung zwischen der offiziellen Uhrzeit und der Sonnenzeit zulässt. Statt höchstens einer Sekunde könnte die Differenz künftig bis zu einer Stunde betragen. Das bedeutet, dass die Uhren erst wieder angepasst werden, wenn der Unterschied zwischen einem Sonnentag und einem atomzeitbasierten 24-Stunden-Tag auf der Erde auf 60 Minuten angewachsen ist – also erst in Hunderten von Jahren.

„Dies ist ein historischer Moment“

Noel Dimarcq, Metrologe am Observatorium Côte d’Azur im französischen Nizza, der die Resolution offiziell eingebracht hatte, sagte: „Dies ist ein historischer Moment, ein entscheidender Schritt für die UTC [koordinierte Weltzeit, ein atomuhrbasiertes Gegenstück zur sonnenbasierten Greenwich Mean Time]. Wir haben jetzt eine internationale Referenzzeitskala, die für die nächsten Jahrtausende kontinuierlich läuft.“

Schaltsekunde

Künftig sollen Abweichungen zwischen unseren Uhren und der Erdrotation nicht mehr durch Schaltsekunden ausgeglichen werden. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Atomuhren mit der Sonnenzeit in Einklang zu halten, galt bislang als wichtig, weil die Uhren ohne Korrekturen irgendwann mitten in der Nacht Mittag anzeigen würden – allerdings würde es Tausende von Jahren dauern, bis ein solcher Unterschied erkennbar wäre. Alle 500 Jahre entsteht eine Abweichung von etwa 25 Minuten. Fachleute halten die Änderung jedoch für nötig, weil Schaltsekunden Softwareprobleme verursacht haben: Seit 2020 dreht sich die Erde schneller, weshalb bald eine negative Schaltsekunde nötig werden könnte, was die Lage noch unübersichtlicher machen würde.

Eine kontinuierliche Weltzeit soll die bisherigen Anpassungen ablösen

Die Zeit auf der Erde wird nun nach einem neuen System namens „kontinuierliche UTC“ laufen, das am 20. Mai 2027 in Kraft tritt – obwohl es faktisch bereits begonnen hat. Graham Jones, Astrophysiker bei der Website Time and Date, sagte: „Das hat lange auf sich warten lassen. Letztlich hat die drohende negative Schaltsekunde wirklich dazu beigetragen, dass sich alle auf das Wesentliche konzentriert haben: In gewisser Weise ist es großartig zu sehen, wie die Welt zusammenkommt und eine mutige Entscheidung trifft.“

„Und wir verlieren unsere Verbindung zur Sonnenzeit nicht vollständig. Es gibt weiterhin eine Grenze dafür, wie weit bürgerliche Zeit und Sonnenzeit auseinanderdriften dürfen – wir haben uns der Atomzeit nicht vollständig ausgeliefert.“ Üblicherweise wurden alle zwei oder drei Jahre Schaltsekunden eingefügt. Die telefonische Zeitansage von BT legte vor ihrem dritten Signalton eine zusätzliche Pause von einer Sekunde ein, während Radio 4 seiner Nachrichtensendung um ein Uhr nachts einen zusätzlichen Signalton hinzufügte. In manchen Jahren lief die Erde genau im Takt, sodass überhaupt keine Anpassung nötig war.

Bei Schaltsekunden gibt es „immer Fehler“

Die Eingriffe in die Zeit blieben nicht ohne Folgen. Weil Schaltsekunden nur sporadisch eingefügt werden, ließen sie sich nur schwer im Programmcode berücksichtigen, und Fehler konnten dazu führen, dass Systeme vorübergehend ausfielen. Als 2012 eine Schaltsekunde eingefügt wurde, meldeten Mozilla, Reddit, Foursquare, Yelp, LinkedIn und StumbleUpon allesamt Abstürze; außerdem gab es Probleme mit dem Betriebssystem Linux und mit Programmen, die in Java geschrieben waren.

Viele Computersysteme nutzen das Network Time Protocol, um mit den Atomuhren der Welt synchron zu bleiben, doch die meisten sind nicht darauf programmiert, mit einer unerwarteten zusätzlichen Sekunde umzugehen. Google entwickelte eine spezielle Technik für den Umgang damit, die das Unternehmen als „Leap Smear“ bezeichnet: Dabei werden den Systemuhren vor dem offiziellen Einfügen der Schaltsekunde schrittweise Millisekunden hinzugefügt.

Hohe Präzisionsanforderungen machen Zeitsprünge zum Problem

Dr. Christian Bizouard vom Internationalen Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme sagte gegenüber Time and Date: „Wenn wir Schaltsekunden anwenden, gibt es immer Fehler. Als das Schaltsekundensystem erfunden wurde, arbeitete die Gesellschaft nicht mit einer sehr, sehr feinen zeitlichen Auflösung. Aber heute gibt es viele Anwendungen, die eine zeitliche Auflösung von weniger als einer Sekunde benötigen, zum Beispiel Finanzsysteme. Deshalb ist es problematisch, die UTC um eine Sekunde zu verändern.“

Großbritannien hatte sich ursprünglich gegen die Abschaffung der Schaltsekunde ausgesprochen. Dahinter stand die Befürchtung, dass eine einmal gekappte Verbindung zur Sonnenzeit niemals wiederhergestellt werden könnte, weil es praktisch unmöglich wäre, der Weltzeit eine Schaltminute oder Schaltstunde hinzuzufügen. Am Donnerstag stimmten jedoch alle 69 Mitgliedstaaten des Internationalen Büros für Maß und Gewicht für die Änderung.

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