Pierre Littbarski bei "Ball you need is love": der Weltmeister von 1990 über DFB-Probleme, Maradona und seine Liebe zum FC.
Stand: 16.10.2026 • 14:32 Uhr
Pierre Littbarski kritisiert im WDR-Podcast "Ball you need is love" den deutschen Fußball scharf. Der Weltmeister von 1990 spricht außerdem über seine bewegte Karriere, Diego Maradona, Torwart-Legende Toni Schumacher und die besondere Beziehung zum 1. FC Köln.
Das verlorene WM-Finale 1986 gegen Argentinien hat bei Pierre Littbarski Spuren hinterlassen. "Ich hätte ihn erwürgen können", sagt der frühere Nationalspieler heute über den Moment, als Superstar Diego Maradona nach dem 3:2-Sieg den WM-Pokal in die Höhe reckte.
Schon vier Jahre zuvor hatte Littbarski mit Deutschland das WM-Finale gegen Italien (1:3) verloren. Die späte Genugtuung folgte aber 1990: Im dritten Anlauf krönte er sich mit der deutschen Nationalmannschaft zum Weltmeister. "Wir hatten keine Sorge, dass wir das verlieren würden", erinnert sich Littbarski an die Stunden vor dem Finale gegen Argentinien. Deutschland gewann knapp, aber hochverdient mit 1:0.
Weltmeister 1990: Lothar Matthäus und Pierre Littbarski
Dabei war eine solche Karriere lange alles andere als absehbar. Als Jugendspieler wurde Littbarski von Hertha BSC beobachtet, doch ein Konditionstrainer hielt offenbar wenig von ihm. "Was willst du mit dem? Der muss erstmal eine Butterstulle essen", erinnert sich Littbarski an die damalige Einschätzung.
Auch seine ausgeprägten O-Beine machten ihm als Jugendlichem zu schaffen. Wegen der Hänseleien sei er abseits des Platzes oft gehemmt gewesen. "Aber sobald es auf den Bolzplatz ging, kam das Selbstvertrauen zurück", erzählt Littbarski.
Wie ein "großer Bruder": Toni SchumacherStatt bei Hertha landete der junge Berliner schließlich beim 1. FC Köln. Dort fand er in Torhüter Toni Schumacher einen besonderen Wegbegleiter. "Ohne ihn hätte ich nichts erreicht", sagt Littbarski über seinen langjährigen Mitspieler, der für ihn wie ein großer Bruder gewesen sei. Schumacher habe ihn als jungen Dribbler in Schutz genommen und ihm den Rücken gestärkt.
Zimmerkollegen in Köln: Schumacher (l.) und Littbarski spielen Backgammon (1981)
Allerdings musste sich Littbarski die Anerkennung des damaligen Nationaltorhüters auch abseits des Rasens verdienen. Im Trainingslager lieh er sich einmal sogar eine Kellneruniform, um Schumacher ein Bananensplit-Eis aufs Zimmer zu bringen. "Ich war auch Bediensteter von Toni Schumacher", erzählt Littbarski schmunzelnd.
Littbarskis DFB-Kritik: "Haben unsere Stärken verloren"Littbarski entwickelte sich in Köln zum Nationalspieler und prägte eine extrem erfolgreiche Zeit des DFB mit. Den heutigen deutschen Fußball sieht der 66-Jährige allerdings kritisch. "Wir haben unsere Stärken verloren", so Littbarski. Deutschland sei sich für klassische Tugenden wie Kampfgeist und gewonnene Zweikämpfe mittlerweile "zu schade". "Wir sind auch viel zu weich geworden."
Wir müssen ehrlicher zueinander sein. Du schießt den Ball zehn Meter über das Tor, dann heißt es 'Ach, gar nicht so schlecht.
Pierre Littbarski
Besonders mit der Nachwuchsausbildung geht Littbarski hart ins Gericht. "Ich höre in den NLZ gar kein schlechtes Wort", sagt der frühere Profi mit Blick auf die Nachwuchsleistungszentren. Auch an einer einheitlichen sportlichen Linie fehle es.
"Liebe auf den ersten Blick" beim 1. FC KölnBesonders eng verbunden ist Littbarski bis heute mit dem 1. FC Köln, für den er insgesamt 14 Jahre spielte und bei dem es "Liebe auf den ersten Blick" gewesen sei. "Die FC-Fans wollen, dass du immer beim FC bleibst, immer erfolgreich bist und niemals schlecht spielst", sagt Littbarski mit einem Augenzwinkern.
Dass der FC nach seinem Abschied gleich siebenmal aus der Bundesliga absteigen würde, hätte sich Littbarski "im Leben nicht" vorstellen können. Die Hoffnung auf eine sportlich erfolgreichere Zukunft hat die Vereinslegende aber nicht verloren. "Irgendwann kommen die Zeiten wieder zurück", sagt Littbarski.
Littbarskis Fußballliebe: "Wahnsinniger Fußballgucker"Ein unvergesslicher Moment in Littbarskis Karriere war sein Tor des Jahres 1985 - ausgerechnet gegen Werder Bremen. Für Podcast-Moderator Arnd Zeigler, bekennender Werder-Fan, war es das "mieseste Tor", das je jemand gegen die Bremer schoss. Littbarski hatte den Ball damals nach langem Dribbling im Sitzen über Torhüter Dieter Burdenski ins Netz gehoben.
Vom Fußball bekommt Pierre Littbarski auch heute nicht genug. "Ich bin ein wahnsinniger Fußballgucker", sagt er. Bei der jüngsten Weltmeisterschaft habe er sogar jedes einzelne Spiel gesehen. Schon als Profi sei ihm vor allem eines wichtig gewesen: "Mir ging es nur ums Fußballspielen."
Starke Gäste, authentische Gespräche und viel Leidenschaft - im Podcast "Ball you need is love" vereint Moderator Arnd Zeigler die zwei großen Lieblingsthemen der Deutschen - Fußball und Musik. Wöchentlich trifft er fußballbegeisterte Prominente zum persönlichen Talk über die Liebe zum Fußball. Hier geht's zum Podcast bei ARD Sounds.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, Pierre Littbarski - Ich bin immer noch ein Fußballverrückter, 15.10.2026, 00:01 Uhr