Im vergangenen Jahr wurde es beim Deutschlandtag der Jungen Union sehr ungemütlich für den Kanzler. Was blüht ihm diesmal? Bevor diese Frage beantwortet wird, redet ein anderer prominenter Gast aus NRW. Und Markus Söder wird auch erwartet.
16.10.2026 · 13:50 Uhr
Johannes Winkel (CDU), Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), beim Deutschlandtag der Jungen Union im vergangenen Jahr.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Philipp von DitfurthBonn · Im vergangenen Jahr wurde es beim Deutschlandtag der Jungen Union sehr ungemütlich für den Kanzler. Was blüht ihm diesmal? Bevor diese Frage beantwortet wird, redet ein anderer prominenter Gast aus NRW. Und Markus Söder wird auch erwartet.
Ob sich Friedrich Merz auf den Termin in seinem Heimatbundesland NRW freut? Man darf Zweifel haben, denn sein erstes Aufeinandertreffen mit der Jungen Union als Bundeskanzler bei einem Deutschlandtag war im vergangenen Jahr eine sehr unterkühlte Veranstaltung. Und da stand der Kanzler und CDU-Vorsitzende insgesamt noch deutlich weniger in der Kritik als in diesem Jahr.
Doch der Auftritt von Merz 2025 im Europapark Rust war ein Scherbengericht und hatte eine lang anhaltende Verstimmung zwischen dem Parteinachwuchs und dem CDU-Chef zur Folge. Damals hatte sich die JU gegen das Rentenpaket der schwarz-roten Regierung gestellt, das dann nur mit Ach und Krach und heftiger Intervention durch den damaligen Unionsfraktionschef Jens Spahn durch den Bundestag gebracht wurde. In diesem Jahr erlitt Merz durch die Niederlagen der CDU in Ostdeutschland und Berlin einen Autoritätsverlust in der Partei, von dem er sich nur langsam wieder erholt. Auch die versprochenen Reformen, etwa bei der Rente, sind noch nicht verabschiedet.
Entsprechend kritisch wird die Stimmung gegenüber dem Kanzler in Bonn sein. Eine Wiederholung der Brüskierung des vergangenen Jahres, als sich bei der Rede von Merz kaum eine Hand rührte, wird dennoch nicht erwartet. JU-Chef Johannes Winkel ist mittlerweile Fraktionsvize der Unionsfraktion, der Chef der Jungen Gruppe, Pascal Reddig, hat in der Rentenkommission das Papier entscheidend mitverhandelt. Beide wissen mittlerweile um die Mühen von politischen Kompromissen und auch das Verständnis von Merz für den Reformeifer der JU ist deutlich gestiegen.
Reddig betonte am Freitagmorgen im ZDF auch, es solle keine Personaldebatte über Merz geführt werden. Es gehe der JU um konstruktive Kritik, um die Arbeit der Bundesregierung zu verbessern. Der Grund für den Vertrauensverlust der CDU bei vielen Menschen sei, dass die Partei ihre Versprechen noch nicht ausreichend umgesetzt habe. Ziel müsse nun sein, eine Rentenreform für Mehrgenerationengerechtigkeit auf den Weg zu bringen. Gerade bei der Rente mit 63 handele es sich um eine Vereinbarung, die gemeinsam in der Koalition getroffen wurde. Die aktuellen internen Debatten zur Positionierung der SPD bei der Rente seien nicht das Problem der CDU, sagte Reddig. Damit das Rentenniveau wieder steige, sei jetzt ein Umsteuern nötig. Auf Nachfragen zur Rückzahlung von staatlichen Fördermitteln, die die Junge Union wegen Geldnot in Schwierigkeiten gebracht haben soll, reagierte Reddig gelassen. Die Ausgaben seien eben immer teurer geworden und als Jugendorganisation habe man wenige Einnahmen.
Der Deutschlandtag der unabhängigen Jugendorganisation von CDU und CSU mit ihren etwa 90.000 Mitgliedern ist auch ein Schaulaufen der Unions-Prominenz: Neben Merz werden auch CSU-Chef Markus Söder und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erwartet. Am Samstag will die Junge Union einen Leitantrag mit dem Titel „Lust auf Zukunft - Deutschland zum KI-Anwendungsweltmeister machen“ beraten. Dazu spricht am Vormittag auch Digitalminister Karsten Wildberger, im Anschluss hält Merz seine Rede. Söder wird am Sonntag zu den Delegierten sprechen.
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