Nach Doppel-Silber bei den Olympischen Spielen und Platz zwei im Gesamtweltcup greift Emma Aicher nach der großen Kugel im Ski Alpin. Dafür muss sie das Duell mit Mikaela Shiffrin für sich entscheiden: Die Chancen für die 22-Jährige stehen gut.
16.10.2026 · 09:31 Uhr
Erfolgreich in 2025: Emma Aicher (Deutschland) jubelt auf dem Podium über ihren Sieg beim Super G.
Foto: Marco Trovati/AP/dpa/Marco TrovatiMünchen · Nach Doppel-Silber bei den Olympischen Spielen und Platz zwei im Gesamtweltcup greift Emma Aicher nach der großen Kugel im Ski Alpin. Dafür muss sie das Duell mit Mikaela Shiffrin für sich entscheiden: Die Chancen für die 22-Jährige stehen gut.
Der echten Königin kam Emma Aicher schon ganz nah. Als Gastrednerin und „Stimme der Jugend“ bei einer Stiftungsfeier plauderte sie angeregt mit Silvia von Schweden. Wenn am Samstag kommender Woche in Sölden die Saison startet, will Aicher auch der Skikönigin auf den Leib rücken - und die vermeintlich unantastbare Mikaela Shiffrin schließlich: vom Thron stoßen.
„Wenn sie so fährt und sich so weiterentwickelt wie bisher“, sagte DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier über Aicher, „ist sie sicher ein Thema für den Gesamtweltcup“. Im vergangenen Winter fehlten ihr nach 37 Rennen nur 87 Punkte auf Shiffrin, die ihre sechste große Kristallkugel gewann. „Emma, es war mir eine riesige Ehre, mit dir zu 'kämpfen'“, schrieb die größte Skirennläuferin der Geschichte danach an Aicher: „Du hast eine glänzende Zukunft vor dir.“
Emma Aicher (l) aus Deutschland und Mikaela Shiffrin aus den USA umarmen sich im Zielbereich.
Foto: Marco Trovati/AP/dpa/Marco TrovatiAls Belastung empfindet Aicher die Vielfahrerei nicht. „Die Abwechslung macht mir riesigen Spaß. Egal, welche Disziplin ansteht: Sobald ich die Kanten im Schnee spüre, zählt nur die absolute Hingabe.“ Dieser Charakter trug Aicher zu fünf Weltcupsiegen und bei Olympia in Cortina d'Ampezzo zu zwei Silbermedaillen, für Maier ist Aicher einzigartig. „Emma ist etwas anders als manche andere Sportlerin“, sagte er bei web.de. Die 22-Jährige lebe „stark von ihrer Intuition. Sie ist in ihrer Art, Ski zu fahren, weniger vom Verstand getrieben, sondern mehr aus dem Bauch heraus.“
Eine wie Aicher, meinte der erfahrene Maier, „gibt es auch in anderen Nationen nur sehr selten“. Dieses herausragende Talent und die Erfolge der Vorsaison weckten allerdings Erwartungen, mit denen Aicher umgehen müsse. Wie groß die Aufmerksamkeit für Aicher ist, bewies nicht zuletzt der Sommer. Bei den meisten Skirennläuferinnen prägen Konditionsbolzerei und Trainingslager in Übersee die heißen Monate. Das war bei Aicher nicht anders - mit dem Unterschied, dass sie auch abseits von Gym und Piste Termine hatte.
Sie traf Königin Silvia am Bodensee und hielt eine Motivationsrede für Jugendliche. Sie wurde bei ihrem Skiklub im schwäbischen Mahlstetten zum Ehrenmitglied ernannt oder mit dem Bayerischen Sportpreis geehrt. Die Verleihung fand jedoch nicht auf einer schicken Gala statt, sondern im holzig-rustikalen Teamhotel im Trainingslager im Pitztal durch Skikollegin Kira Weidle-Winkelmann.
Aichers Partnerin beim olympischen Silber-Coup in der Teamkombination traut ihr den Angriff auf Shiffrin zu. „Diese Vielseitigkeit, und das auf einem so hohen Niveau! Sie kämpft ja in jeder Disziplin um den Sieg mit“, sagte sie.
Als letzte von bislang drei Deutschen gewann Maria Riesch 2011 den Gesamtweltcup. Kann Aicher es ihr sowie den Legenden Rosi Mittermaier und Katja Seizinger gleichtun? „Irgendwann“, sagte sie bei Eurosport, werde dies „sicher mal ein Ziel für mich sein“. Vor allem aber will sie sich die Freude am Sport bewahren: „Dann kommen hoffentlich auch die Resultate, die ich haben will.“ Und sie kommt der Königin noch näher.
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