Zwei Wochen nach dem Start des Tankrabatts kommt die Entlastung nicht voll an. Forscher von Ifo und DIW sowie das Bundeskartellamt sehen deutliche Lücken.
Stand: 15.10.2026, 12:22 Uhr

Zwei Wochen nach dem Start des Tankrabatts kommt die Entlastung nicht voll an. Forscher von Ifo und DIW sowie das Bundeskartellamt sehen deutliche Lücken.
Berlin – Autofahrer in Deutschland müssen an den Tankstellen weiterhin tief in die Tasche greifen. Zwei Wochen nach dem Start des staatlichen Tankrabatts fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus: Die befristete Steuersenkung in Höhe von rund 16,7 Cent pro Liter Kraftstoff wird nach übereinstimmenden Berechnungen führender Wirtschaftsforschungsinstitute nur unvollständig an die Verbraucher weitergegeben.
DIW: Weitergabe flaut nach wenigen Tagen abNach Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) landen im Durchschnitt lediglich rund zwei Drittel der steuerlichen Entlastung tatsächlich an der Zapfsäule. Tomaso Duso vom DIW bilanziert, dass die Kraftstoffpreise in Deutschland seit dem 1. Oktober zwar um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken seien als im Nachbarland Frankreich, wo keine Steuersenkung gilt. Allerdings lasse der Weitergabe-Effekt bereits wieder nach: Seit dem 8. Oktober liege das Entlastungsplus im Schnitt nur noch bei rund 9 Cent. Zwar hänge das genaue Ausmaß vom Referenztag ab – bei einem Vergleichsstichtag Ende September erreiche die Weitergabe rechnerisch über 80 Prozent –, der Trend einer nachlassenden Wirkung bleibe jedoch bestehen.
Ifo-Institut rügt Lücken bei Benzin und DieselZu ähnlichen Ergebnissen kommt das Münchener Ifo-Institut, das die Preisentwicklung engmaschig analysiert. In der Zeitspanne vom 7. bis 13. Oktober stellten die Forscher folgende durchschnittliche Weitergaberaten fest:
Besonders an Wochenenden stellten die Münchener Wirtschaftsforscher fest, dass die Weitergabe an den Tankstellen spürbar einbrach, wie auch aus früheren Auswertungen des Ifo-Instituts hervorgeht.
Was bedeutet das für Autofahrer?Für Verbraucher summieren sich die nicht weitergegebenen Cent-Beträge schnell: Bei einer vollen Betankung eines Pkw mit einem 50-Liter-Tank fehlen Autofahrern je nach Kraftstoffart zwischen 1,00 und knapp 2,00 Euro an versprochener Entlastung pro Tankvorgang.
Wirtschaftsexperten wie Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates, und DIW-Chef Marcel Fratzscher üben daher fundamentale Kritik: Ein pauschaler Tankrabatt sei teuer und entlaste vor allem Wohlhabende mit großen Fahrzeugen. Schnitzer forderte stattdessen gezielte Direktzahlungen für einkommensschwache Haushalte anstelle von Gießkannen-Subventionen.
Bundeskartellamt sieht Defizite bei RaffinerienAuch die Wettbewerbshüter schlagen Alarm. „Die bisherigen Auswertungen deuten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolgt ist“, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Bei Benzin sei die Lücke noch ausgeprägter als bei Diesel. Für ein abschließendes Urteil sei es jedoch noch zu früh. Rechtliche Schritte sind den Behörden ohnehin nur bei nachweisbaren Preisabsprachen möglich – in der von wenigen Großkonzernen dominierten Mineralölbranche bewegen sich die Preise oft parallel, ohne dass formelle Absprachen vorliegen.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) weist Vorwürfe einer ungerechtfertigten Bereicherung hingegen entschieden zurück. Ohne den Steuernachlass lägen die Preise für Autofahrer permanent um rund 17 Cent höher. Kritische Berechnungen würden externe Faktoren ausblenden – etwa veränderte Kosten zur Erfüllung der gesetzlichen Bioquote oder Transportprobleme infolge von Rheinniedrigwasser.
Deutschland im europäischen Preisvergleich weiterhin teuerTrotz des staatlichen Nachlasses bleibt das Tanken hierzulande kostspielig. Nach aktuellen Erhebungen des ADAC lag der bundesweite Tagesdurchschnitt für Super E10 zuletzt bei 2,146 Euro pro Liter – gut drei Cent höher als am ersten Tag der Maßnahme. Diesel notierte bei 2,255 Euro pro Liter. Im EU-weiten Vergleich der EU-Kommission rangiert Deutschland bei Super E10 auf Rang vier der teuersten Länder (hinter Dänemark, den Niederlanden und Finnland). Bei Diesel liegt die Bundesrepublik auf Platz sechs.
Verbraucher, die das Beste aus den Preisschwankungen herausholen wollen, sollten laut Verbraucherschützern die tageszeitlichen Schwankungen nutzen und vor allem in den Abendstunden tanken, um die Kosten an der Zapfsäule zu senken. (nmr mit dpa)
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