Kein Geld für die Klassenfahrt, keine neuen Fußballschuhe: Junge Armut bleibt oft unsichtbar. Die Caritas Geldern-Kevelaer möchte dies anlässlich der Armutswochen ändern.
13.10.2026 · 15:01 Uhr
Daniel Krohn und Bianca Bruckmann vom Caritasverband Geldern-Kevelaer stellen in den Armutswochen die Lebenslagen von jungen Menschen in den Vordergrund.
Foto: Caritasverband Geldern-KevelaerGeldern · Kein Geld für die Klassenfahrt, keine neuen Fußballschuhe: Junge Armut bleibt oft unsichtbar. Die Caritas Geldern-Kevelaer möchte dies anlässlich der Armutswochen ändern.
Kein Geld für die Klassenfahrt. Neue Fußballschuhe müssen warten. Der kaputte Laptop wird zum Problem, weil ein neuer zu teuer ist. Armut bei Kindern und jungen Erwachsenen zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick. Und genau das macht sie leicht übersehbar.
Unter dem Motto „Junge Armut!? Gemeinsam für Generationengerechtigkeit“ machen die bundesweiten Armutswochen vom 17. Oktober bis 15. November auf die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufmerksam. Auch die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer beteiligt sich an der Aktion.
„Wenn wir über Armut sprechen, denken viele zunächst an ältere Menschen. Dabei trifft das Armutsrisiko junge Menschen besonders stark“, sagt Daniel Krohn von der Schuldner- und Insolvenzberatung. Die Zahlen zeigen das deutlich: Während etwa jede sechste Person über 65 Jahren als armutsgefährdet gilt, ist es bei den unter 18-Jährigen jedes fünfte Kind. Bei den 18- bis 25-Jährigen betrifft es sogar etwa jede vierte Person.
Doch was bedeutet das im Alltag? „Armut heißt nicht zwangsläufig, dass der Kühlschrank leer ist“, betont Bianca Bruckmann von der Allgemeinen Sozialberatung der Caritas. „Sie zeigt sich auch darin, dass junge Menschen bei Dingen nicht mithalten können, die für andere völlig selbstverständlich sind: Freizeitaktivitäten, ein Geburtstag mit Freunden, Mobilität, digitale Ausstattung oder eine Klassenfahrt.“
Gerade deshalb bleibe „junge Armut“ häufig unsichtbar. Kinder und Jugendliche seien in einer alternden Gesellschaft eine vergleichsweise kleine Bevölkerungsgruppe. Gleichzeitig hätten sie selbst nur begrenzte Möglichkeiten, ihre Interessen öffentlich und politisch einzubringen. „Kinder können ihre finanzielle Situation nicht verändern. Sie tragen aber die Folgen jeden Tag mit“, sagt Krohn. „Wer über Generationengerechtigkeit spricht, muss deshalb auch darüber sprechen, welche Chancen wir jungen Menschen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern ermöglichen.“
Die Armutswochen wollen dafür den Blick schärfen – ohne Armut auf plakative Bilder zu reduzieren. „Es geht nicht darum, Menschen als arm abzustempeln“, sagt Bruckmann. „Es geht darum, genauer hinzusehen. Denn vieles, was wir für ganz normal halten, ist für andere längst eine Frage des Geldes.“
Die bundesweiten Armutswochen werden vom Deutschen Caritasverband, dem Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein (SkF) und dem SKM Bundesverband ausgerichtet. Sie beginnen am 17. Oktober, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, und enden am 15. November, dem Welttag der Armen.
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