Zwei Wissenschaftlerinnen aus den USA und Großbritannien forschen aktuell an der CAU - als erste Talente des Henriette Herz Scouting Programms in Liserres Gruppe.
Sadabadi hat mehrere Aufenthaltsphasen in Kiel geplant und wird für insgesamt zwölf Monate in der Arbeitsgruppe von Liserre forschen. „Es ist schwierig, ausreichend Zeit für die eigene Forschung zu finden. Theoretisch sollte ein Drittel meiner Arbeitszeit dafür zur Verfügung stehen, praktisch ist das schwer umzusetzen“, sagt sie. „Ich habe deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, mich für eine gewisse Zeit ganz auf meine Forschung zu konzentrieren. Außerdem wollte ich in einem Umfeld arbeiten, in dem sich viele Menschen mit Leistungselektronik und Stromnetzen beschäftigen.“
Sadabadi forscht an der Stabilität von Stromnetzen, in denen zunehmend auch erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Ihr Ziel ist es, Methoden zu entwickeln, mit denen sich kritische Instabilitäten möglichst früh erkennen lassen. In Manchester fehle ihr die experimentelle Ausstattung, um Ergebnisse zu validieren, erklärt sie. In Kiel stehen ihr dafür nun unter anderem die Labor- und Hardware-in-the-Loop-Systeme an der Technischen Fakultät zur Verfügung.
DiMarino lernte Liserre wiederum über die IEEE Power Electronics Society kennen; dort arbeiten beide seit Jahren in internationalen Gremien zusammen. DiMarino forscht an der Schnittstelle von Leistungselektronik, Halbleitern und deren technischer Integration. In Kiel arbeitet sie während zwei Aufenthalten von jeweils drei Monaten an Konzepten für hochintegrierte Leistungsmodule auf Basis von Galliumnitrid (GaN), einem Halbleitermaterial, das besonders schnelle Schaltvorgänge ermöglicht. Dabei sollen Halbleiter und Sensoren möglichst eng zusammenarbeiten, DiMarino versucht sie direkt in das Modul zu integrieren. Damit will sie Störungen verringern und zuverlässige Schaltvorgänge auch bei sehr hoher Geschwindigkeit ermöglichen.
„Mich hat besonders die Verbindung von Marco Liserres Arbeit mit Fraunhofer ISIT, Mikrosensoren und der technischen Integration von Halbleitern angesprochen. Die fortschrittlichen Bauelementtechnologien, an denen Forschende hier arbeiten, gibt es in dieser Form an meinem Forschungszentrum nicht“, sagt DiMarino. „Für mich ist das eine gute Möglichkeit, neue Bereiche kennenzulernen und herauszufinden, wo sich interessante Verbindungen zwischen den verschiedenen Themen ergeben. So können wir ein umfassenderes Bild zusammenbringen.“
Liserre verfolgt mit dem Henriette Herz Programm einen langfristigen Ansatz. Noch eine weitere Wissenschaftlerin will er über das Henriette Herz Programm für einen Forschungsaufenthalt in seine Gruppe holen. Er möchte sein internationales Netzwerk gezielt in Ländern wie den USA, Kanada und Großbritannien erweitern und dort Forschende – insbesondere Frauen – für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland gewinnen.
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