Mit 34 Jahren stellt Gastroenterologe Saurabh Sethi sieben Gewohnheiten um. Zehn Jahre später fühlt er sich fitter.
Mit 34 Jahren stellt Gastroenterologe Saurabh Sethi sieben Gewohnheiten um. Zehn Jahre später fühlt er sich fitter. Viele seiner Regeln sind erstaunlich einfach.
Inhaltsverzeichnis
„Ich bin 44. Ich fühle mich jetzt besser als mit 34“, sagt der US-amerikanische Arzt Saurabh Sethi. Verantwortlich dafür macht er sieben Dinge, die er vor zehn Jahren in seinem Alltag verändert hat.
Sethi ist Gastroenterologe und Hepatologe und wurde unter anderem an Harvard und Stanford ausgebildet. Auf seinem Instagramkanal erklärt er Ende August 2026, welche Gewohnheiten er heute konsequent verfolgt. Viele seiner Prinzipien sind wissenschaftlich gut untersucht.
Nach einer Mahlzeit bleibt Sethi nicht sitzen, sondern bewegt sich. Seine Regel: zehn Minuten gehen. Damit will er vor allem starke Blutzuckeranstiege nach dem Essen abfedern.
Dass Bewegung nach einer Mahlzeit dabei helfen kann, zeigt eine Metaanalyse randomisierter Studien. Darin fiel der Blutzuckeranstieg geringer aus, wenn sich die Teilnehmer nach dem Essen bewegten, als wenn sie inaktiv blieben. Je zeitnäher die Bewegung auf die Mahlzeit folgte, desto stärker war der Effekt. Allerdings umfasste die Analyse nur 116 Menschen und die eingeschlossenen Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko.
Die zehn Minuten sind dabei keine wissenschaftlich festgelegte Schwelle, sondern Sethis persönliche Alltagsregel. Entscheidend scheint vielmehr, sich möglichst zeitnah nach dem Essen zu bewegen.
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Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen oder Vollkorn: Sethi achtet nicht nur darauf, pflanzliche Lebensmittel zu essen, sondern auch auf Abwechslung. Sein Ziel sind mindestens 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche.
Die Zahl geht auf das „American Gut Project“ zurück. In der großen Citizen-Science-Studie unterschied sich das Darmmikrobiom von Menschen, die mehr als 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche aßen, von dem jener, die höchstens zehn konsumierten. Die Forscher fanden unter anderem Unterschiede in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms und bei bestimmten Antibiotikaresistenzgenen.
Eine allgemeingültige „30-Pflanzen-Regel“ lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Beobachtungsstudie beweist nicht, dass gerade diese Anzahl die Darmgesundheit verbessert. Sinnvoller ist deshalb, pflanzliche Lebensmittel möglichst abwechslungsreich auszuwählen.
Auch seine letzte Mahlzeit legt Sethi bewusst auf einen früheren Zeitpunkt. Zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen isst er nach eigenen Angaben nichts mehr.
Für einen gewissen Abstand spricht zumindest einiges. In einer randomisierten Crossover-Studie bekamen 20 gesunde Erwachsene dasselbe Abendessen entweder um 18 Uhr oder um 22 Uhr, eine Stunde vor dem Schlafengehen. Nach dem späten Essen stieg der Blutzucker stärker an, während die nächtliche Fettoxidation geringer ausfiel. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei Menschen, die gewöhnlich früher schlafen gingen.
Die kleine Studie zeigt damit mögliche Nachteile sehr späten Essens. Dass jedoch gerade zwei oder drei Stunden Abstand optimal sind, lässt sich daraus nicht ableiten.
Neben Bewegung nach den Mahlzeiten gehört für Sethi auch Krafttraining fest zur Woche. Zwei- bis dreimal trainiert er mit Gewichten und legt nach eigenen Angaben besonderen Wert auf seine Beinmuskulatur.
Eine große Langzeitauswertung mit 147.374 Erwachsenen liefert Hinweise auf gesundheitliche Vorteile. Menschen, die regelmäßig Krafttraining betrieben, hatten im Beobachtungszeitraum ein geringeres Sterberisiko als Menschen ohne Krafttraining. Besonders günstig war die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, lässt sich daraus allerdings keine Kausalität ableiten.
Sethis besonderen Fokus auf die Beine sollte man vorsichtiger einordnen. Ein in Studien beobachteter Zusammenhang zwischen größerem Oberschenkelumfang und geringerer Sterblichkeit beweist nicht, dass größere Oberschenkel oder gezieltes Beintraining das Leben verlängern.
Bei seiner Ernährung setzt Sethi nicht nur auf Vielfalt. Er achtet außerdem darauf, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen.
Damit liegt er nah an einem wissenschaftlich gut untersuchten Bereich. Eine im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichte Serie systematischer Reviews und Metaanalysen fand bei einer täglichen Aufnahme von etwa 25 bis 29 Gramm Ballaststoffen deutliche Risikoreduktionen für mehrere Erkrankungen. Eine höhere Ballaststoffzufuhr war unter anderem mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs verbunden. Dosis-Wirkungs-Analysen deuteten darauf hin, dass eine höhere Aufnahme zusätzlichen Nutzen bringen könnte.
Gute Ballaststoffquellen sind beispielsweise Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen.
Neben Ernährung und Bewegung räumt Sethi auch seinem Schlaf bewusst Zeit ein. Sieben bis neun Stunden versucht er sich jede Nacht freizuhalten.
Mehr Schlaf bedeutet dabei nicht automatisch mehr Gesundheit. Eine Metaanalyse von 16 prospektiven Studien mit knapp 1,4 Millionen Menschen zeigt: Sowohl kurze als auch lange Schlafdauer war mit einer höheren Gesamtsterblichkeit verbunden.
Aus solchen Beobachtungsdaten lässt sich allerdings keine optimale Schlafdauer für jeden Einzelnen ableiten. Insbesondere lange Schlafzeiten können auch Folge bereits bestehender Erkrankungen sein und müssen nicht selbst die Ursache eines erhöhten Risikos sein.
Auf seinen Kaffee verzichtet der Gastroenterologe ebenfalls nicht. Entscheidend ist für ihn vielmehr, was hineinkommt: Große Mengen Zucker, Sirup und andere kalorienreiche Zusätze meidet er.
Sethi verweist dabei auch auf mögliche Vorteile für die Leber. In einer Auswertung der britischen UK Biobank mit knapp 495.000 Menschen war Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für chronische Lebererkrankungen und dafür, daran zu sterben, verbunden. Der Zusammenhang zeigte sich bei verschiedenen Kaffeearten.
Sethis persönliche Erfahrung beweist nicht, dass gerade diese sieben Veränderungen dafür verantwortlich sind, dass er sich heute fitter fühlt. Viele seiner Gewohnheiten beruhen jedoch auf gut untersuchten Prinzipien – von regelmäßiger Bewegung über eine ballaststoffreiche Ernährung bis zu ausreichend Schlaf. Seine konkreten Vorgaben sind dabei eher persönliche Regeln als wissenschaftlich festgelegte Grenzwerte.
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