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Für den Blutzucker ist es laut Ernährungswissenschaftlerin „egal ob süß oder nicht süß“.

Дата публикации: 16-09-2026 03:45:00

Ein süßes Frühstück gilt oft als ungünstig für den Blutzucker und Ursache von Heißhunger. Doch das stimmt nur bedingt – wenn die Zutaten stimmen.

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Ein süßes Frühstück gilt gegenüber einem herzhaften oft als ungünstig für den Blutzucker und Ursache von Heißhunger. Doch das stimmt nur bedingt – wenn die Zutaten stimmen ist es laut Expertin „egal ob süß oder nicht süß“.

„Bloß keine Blutzuckerspitzen am Morgen!“ Wer sich durch Soziale Medien oder Ernährungsratgeber klickt, bekommt schnell den Eindruck: Ein süßes Frühstück, etwa mit Marmeladenbrot und Orangensaft, sei der direkte Weg in Heißhunger, Gewichtszunahme und Stoffwechselprobleme. Die scheinbar einfache Lösung: herzhaft frühstücken. 

Doch ganz so eindeutig ist die Sache nicht, sagt Ernährungswissenschaftlerin Sandra Habicht im Gespräch mit FOCUS online: „Egal ob süß oder nicht süß – es sollte gesund sein.“

Nach dem Essen schießt der Blutzucker hoch

Fest steht: Nach dem Essen steigt der Blutzucker meistens an. Dieser sogenannte postprandiale Blutzuckeranstieg ist kein Frühstücksphänomen, sondern ziemlich normal und tritt auf, sobald wir kohlenhydratreiche Nahrung verzehren. Also pflanzliche Nahrung sowie Getreide- und zuckerhaltige Produkte wie

  • Nudeln
  • Reis
  • Gebäck und Brot
  • Kartoffeln
  • Haferflocken
  • Hülsenfrüchte
  • Obst
  • Süßigkeiten
Süß oder herzhaft? Zwei Frühstücksoptionen von der Expertin

Als ausgewogene Frühstücksmahlzeit empfiehlt Sandra Habicht

  • Naturjoghurt
  • mit Obst
  • und Haferflocken.

Wer ein herzhaftes Frühstück bevorzugt, dem empfiehlt sie ein 

  • Vollkornbrot
  • mit Käse oder Frischkäse,
  • und etwas Obst oder Gemüse.

Während der Verdauung spalten sich die Kohlenhydrate aus der Nahrung in Zucker auf und gelangen ins Blut. Als Resultat steigt der Blutzuckerspiegel an. Mithilfe des Hormons Insulin gelangt der Zucker in die Zellen, wo er in Energie umgewandelt wird. Der Blutzuckerspiegel sinkt so wieder. Schwankungen im Blutzuckerspiegel sind nach dem Essen also normal.

Kohlenhydrate: Auf die Schnelligkeit kommt es an

Ungünstig wird es allerdings, wenn der Blutzucker sehr schnell und sehr stark ansteigt. Das ist besonders bei sogenannten „schnell verfügbaren“ oder „einfachen“ Kohlenhydraten der Fall. Im Vergleich zu „komplexen“ oder „langsamen“ Kohlenhydraten bestehen sie aus kurzen Zuckerketten, die der Körper schnell in einzelne Zuckerbausteine aufspaltet. 

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Sie sind beispielsweise in Haushalts- und Puderzucker, Milchzucker (Laktose) oder Honig enthalten und damit in Lebensmitteln wie

  • Softdrinks, Limonaden und Fruchtsäften
  • Süßigkeiten, Eiscreme, Keksen
  • Marmelade, Honig
  • Weißbrot, Toastbrot, Laugengebäck

Diese Lebensmittel liefern schnell Energie und eignen sich daher etwa als gute Energielieferanten vor dem Sport. Doch sie bringen auch ein Problem mit sich: Genauso rasant wie der Blutzucker und die verfügbare Energie in die Höhe schnellen, fallen sie auch wieder ab. 

Vorsicht vor Heißhungerattacken

Besteht eine Mahlzeit, etwa ein Frühstück, im Großteil oder sogar gänzlich aus solchen schnellen Kohlenhydraten, hat das direkt im Anschluss spürbare Folgen: „Wir kommen dann in diesen Heißhunger. Nach dem Hoch sinkt der Blutzucker stark und wir bekommen Hunger auf das nächste Süße und schnell Verfügbare“, erklärt Habicht. Langfristig führe das zu einem unregelmäßigen Essverhalten und oft auch zu einer Gewichtszunahme. 

Auch der Insulinhaushalt wird belastet: Ein starker und schneller Blutzuckeranstieg führt zu einer verstärkten Insulinausschüttung. „Das Insulin reagiert sozusagen über“, erklärt Habicht. Dabei gibt es im Blut gar keinen Zucker mehr zum Abbauen. Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel begünstigt langfristig

  • Übergewicht,
  • Insulinresistenz
  • und Typ-2-Diabetes

Nur ein helles Brot mit Butter und Marmelade zu frühstücken, sei daher tatsächlich ungünstig, sagt Habicht im Gespräch: „Das eignet sich eher als Süßigkeit zwischendurch.“

Auch ein süßes Frühstück kann gesund sein

Doch süß muss nicht immer ungesund bedeuten – und vor allem auch nicht immer auf schnellen Kohlenhydraten beruhen. Haferflocken und Obst zum Beispiel bestehen genau wie Vollkornbrot, Nüsse und Gemüse zu einem großen Teil aus komplexen oder langkettigen Kohlenhydraten. Der Körper braucht also länger, um sie in die Zucker zu spalten, sodass der Blutzucker nach dem Essen langsamer ansteigt. 

Statt um süß oder herzhaft sollte es also mehr darum gehen, ob ein Frühstück gesund ist, findet Habicht: „Eine Mahlzeit sollte mehr als nur eine Nahrungs- und Energieaufnahme sein. Sie sollte einem auch etwas bringen: Obst, Gemüse, Ballaststoffe, Proteine – am besten alles davon.“

Schüssel mit Obst und Haferflocken

Ein gesundes Frühstück sollte vor allem ausgewogen sein. GettyImages/alvarez
Haferflocken als Geheimzutat für einen stabilen Blutzucker?

Haferflocken sind übrigens ein echter Geheimtipp. Sie sind reich an pflanzlichem Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren und vor allem Ballaststoffen. Die sind nicht nur gut für den Darm, sondern stabilisieren auch den Blutzuckerspiegel, indem sie die Aufnahme von Zucker verlangsamen und das Sättigungsgefühl steigern.

Habicht untersucht daher mit dem Team der Professur für Ernährung in Prävention und Therapie der Universität Giessen, ob sich eine süße, zuckerhaltige Mahlzeit mit Haferflocken gesünder machen lässt. Die Hypothese: Die in den Haferflocken enthaltenen Ballaststoffe könnten den Blutzuckeranstieg nach einer süßen Mahlzeit abflachen. 

Schon über 100 Probanden haben dafür eine Süßspeise entweder mit oder ohne 20 Gramm Haferflocken verkostet. 

„Sie tauchen einfach nicht im Blutzucker auf“

Erste Ergebnisse zeigen jedoch keinen signifikanten Unterschied in den Blutzuckerkurven. Die Haferflockenaufnahme führte zur Überraschung der Forscherin aber auch nicht zu einem zusätzlichen Anstieg des Blutzuckers. „Die 20 Gramm Haferflocken enthalten zwölf Gramm Kohlenhydrate, die nicht Ballaststoffe sind. Und die finden wir nicht im Blutzucker. Also sie tauchen einfach nicht auf“, berichtet Habicht erstaunt.

Als mögliche Erklärung nennt sie: „Wir gehen davon aus, dass es eine verzögerte Magenentleerung gibt und deswegen die Kohlenhydrate aus der gesamten Mahlzeit nicht aufgenommen werden“. Eine andere Möglichkeit liege darin, dass die Kohlenhydrate physiologisch nicht zur Verfügung stehen und nicht aufgenommen werden. 

Für die Ernährungsforschung wirft das neue Fragen auf, für den Alltag bleibt Hafer dennoch ein wertvolles Lebensmittel: 

  • sättigend,
  • nährstoffreich
  • und möglicherweise metabolisch günstiger, als reine Zahlen zum Kohlenhydratgehalt vermuten lassen. 

Die weiteren Studienergebnisse dürften zeigen, welches Potenzial wirklich in der unscheinbaren Flocke steckt.

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